Günsberg/Balm

Solidarität mit Flüchtlingen – deren Unterbringung wird aber kritisch gesehen

Kinderspielzeug, Kleider, Gebrauchsgegenstände: Vieles wurde bei der Spendenaktion abgegeben.

Kinderspielzeug, Kleider, Gebrauchsgegenstände: Vieles wurde bei der Spendenaktion abgegeben.

Am Samstag wurden Spenden für die Asylsuchenden gesammelt. Gemeindepräsident Thomas Jenni wünscht sich dabei einen konstruktiven Umgang mit der schwierigen Situation. Bei Fragen oder Problemen solle man lieber ihn oder die Gemeinderäte ansprechen.

Im reformierten Kirchgemeindehaus in Günsberg herrscht ein Ansturm und die Besucher werden gebeten, ihre Sachen grob zu sortieren: «Die Kleider können Sie da hinlegen, Spielzeug hier.»

Samuel Stucki, Gemeindeleiter der reformierten Kirche Günsberg, lächelt beim Anblick der sich stetig anhäufenden Ware. «Ich hätte nicht mit so viel gerechnet.»

Seit 9 Uhr folgen zahlreiche Leute dem Aufruf der Kirch- und Einwohnergemeinden Balm und Günsberg und bringen Kleider und Spielzeug vorbei. Bestimmt sind die Spenden für die derzeit 57 Asylsuchenden, die seit einigen Wochen im Kurhaus auf dem Balmberg untergebracht sind.

Die Helfer kommen mit Sortieren bald nicht mehr mit, kurz nach 10 Uhr gehen die Kartonkisten aus, sodass das neu ankommende Material in Plastiksäcken verstaut wird.

«Im Vorfeld haben Leute aus der ganzen Region angerufen und gefragt, ob sie dieses oder jenes spenden können», erzählt Stucki. Die Qualität der Spenden scheint hoch zu sein, so habe man etwa Schuhe erhalten, die erst einmal getragen wurden.

«Und die Leute überlegen sich etwas.» So hätten viele Spiele wie Puzzles oder Memorys mitgebracht, welche ohne Anleitung gespielt werden könnten. Eine Frau erzählt, sie habe zu Hause noch Gutscheine gehabt und davon Papier und Stifte gekauft.

Unter den Spenden finden sich am Samstagmorgen auch zwei Velos. «Die habe ich bewusst nicht abgelehnt», so Bernadette Häfliger, Gemeindeleiterin der katholischen Kirche.

Denn sie kenne einen Asylsuchenden, der jeden Tag mehrmals mit dem Velo vom Balmberg runter- und wieder rauffahre. «Er hat mir gesagt, ihm gehe es dadurch psychisch viel besser.»

Einwohner sind kritisch und hilfsbereit

Am heutigen Samstag ist eine grosse Solidarität mit den Flüchtlingen spürbar. Die Unterbringung von Asylsuchenden auf dem Balmberg wird aber nach wie vor kritisch gesehen.

Dies zeigte sich bereits im Vorfeld der Spendenaktion. Wie Gemeindepräsident Thomas Jenni erklärt, ist die Idee an der Weihnachtsfeier der Senioren entstanden, an der Jenni, Stucki, Häfliger und Pascale von Roll (Gemeindepräsidentin Balm) teilgenommen haben.

Der Günsberger Gemeinderat habe sich in den darauffolgenden Tagen mit 4 zu 3 Stimmen für die Aktion ausgesprochen, wie Gemeinderat Philipp Eng ausführt.

Dabei habe die knappe Mehrheit die Ebenen Politik und humanitäre Hilfe trennen wollen. «Man kann politisch gegen die Situation sein, jetzt sind aber Leute hier, die Hilfe brauchen», so Eng.

Wie Bernadette Häfliger erklärt, sei die Spendenaktion auch nicht als Gegenaktion gegen politische Haltungen zu verstehen. «Die Kirchgemeinden bestehen ja aus den Leuten, die hier wohnen.» Und diese könnten durchaus beides sein: kritisch und hilfsbereit.

Verständnis für die Sorgen

Jenni wünscht sich einen konstruktiven Umgang mit der schwierigen Situation. Im Rahmen des Neujahrsapéro, der am selben Morgen in der Schmid Holz AG stattfindet, sucht er den Kontakt zur Bevölkerung.

«Bitte schreiben Sie keine anonymen SMS an die Zeitung.» Bei Fragen oder Problemen solle man lieber ihn oder die Gemeinderäte ansprechen. Im Gespräch zeigt Jenni Verständnis für die Sorgen der Einwohner.

Er nehme in der Bevölkerung Solidarität, aber auch Angst wahr angesichts der Situation. Konnten doch die Gemeinden nicht mitentscheiden, da der Kanton sie im Dezember vor vollendete Tatsachen gestellt hat, als er entschied, das Kurhaus als Durchgangszentrum zu nutzen.

Mit diesem Vorgehen sei er nicht einverstanden, so Jenni. Das Kurhaus weise zudem Sicherheitsmängel auf und sei in keinem bewohnbaren Zustand. Als betroffene Gemeinden wolle man aber mitreden. Die Spendenaktion sehe er daher auch als Zeichen an den Kanton, dass man konstruktiv handeln wolle und «dass wir nicht einfach ‹die sture Sieche› sind».

Diese Einstellung scheint mancher Einwohner zu teilen, ist doch bald kein Durchkommen mehr im Kirchgemeindehaus. Der Boden ist überstellt mit Kisten und Säcken und die Helfer scheinen doch erleichtert, als sie um 11 Uhr die letzten Spenden entgegennehmen können. Am Nachmittag und am Mittwoch wird noch mal gesammelt, bevor die Spenden nächsten Samstag im Kurhaus übergeben werden.

Spenden werden noch am Mittwoch, 13. Januar, von 18.30 bis 20.00 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus Günsberg entgegengenommen.

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