Expansion
Solarmodul-Hersteller übernimmt ABB-Industrieareal in Deitingen

Der Schweizer Solarmodul-Hersteller Megasol Energie AG expandiert und führt in Deitingen seine vier bisherigen Schweizer Standorte zusammen. Gleichzeitig ruft das Unternehmen den Cleantech Businesspark ins Leben.

Urs Byland
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Megasol übernimmt Industrieareal in Deitingen
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v.l.n.r.: Paul Schär (Hector Egger Holzbau AG), Daniel Sägesser, Markus Gisler, Terence Hänni (Megasol Energie AG), Max Wittwer (Innostep), Bruno Eberhard (Gemeindepräsident Deitingen) vor dem Haupteingang des neuen Standorts in Deitingen.
So sieht die Megasol-Produktion in Langenthal aus. In Deitingen solls eine vollautomatische Produktionsstrasse für Solarmodule geben.
So sieht eines der Megasol-Produkte aus

Megasol übernimmt Industrieareal in Deitingen

Hanspeter Bärtschi

Deitingen ist die Sorge los, was nach dem Wegzug der ABB kommen wird. Mit dem Solarmodul-Hersteller Megasol Energie AG übernimmt ein Global Player aus der Region das Areal, auf dem bis Mitte 2014 ABB Turbo Systems AG produzierte. Was der heutige Megasol Geschäftsführer Markus Gisler als 12-Jähriger vor über 20 Jahren in der elterlichen Garage begann, findet nach einem starken Wachstum in den letzten fünf Jahren seine Fortsetzung mit dem Kauf der Immobilie in der Gemeinde Deitingen.

Megasol konzentriert auf dem 20 000 Quadratmeter grossen Areal die Tätigkeiten der vier bisherigen Standorte in der Schweiz. Zirka 70 Arbeitsplätze werden von Wangen an der Aare (Entwicklung, Verkauf, Administration), Langenthal (Produktion), Wiedlisbach (Logistik) und Zuchwil (Aussenlager) abgezogen. Wenn die letzten Auftragsmodule in Langenthal in diesem Herbst produziert sind, erfolgt ein vier- bis sechswöchiger Produktionsstopp, um den Umzug nach Deitingen bewältigen zu können.

Danach wird die vollautomatische Produktionsstrasse für Solarmodule, laut Megasol die grösste in der Schweiz und eine der grössten in Europa, hochgefahren. Angestrebt wird ein wesentlich grösserer Ausstoss im Vergleich zur aktuellen Produktionsmenge. «Die Produktionsfläche am neuen Standort vergrössert sich um den Faktor 4», erklärt Daniel Sägesser, Mitglied des Gründerteams und zuständig für Marketing und Vertrieb.

In fünf Jahren 200 Arbeitsplätze

Gründertrio

Die Megasol Energie AG ist einer der führenden europäischen Solarmodul-Hersteller und Spezialist für gebäudeintegrierte Photovoltaik-Lösungen. Dazu gehören Solarziegel oder Elemente für Fassaden und Überdachungen.

Deren Einsatz lohne sich als Alternative zur herkömmlichen Gebäudehülle, da sie bei geringfügig höheren Investitionskosten einen regelmässigen Ertrag abwerfen und sich über die Jahre selber amortisieren würden. Die Fabrikate weisen eine Lebensdauer von über 50 Jahren auf, schreibt Megasol in einer Mitteilung.

Megasol feierte 2013 das 20-jährige Bestehen und wird heute noch vom Gründerteam Markus Gisler, Terence Hänni und Daniel Sägesser persönlich geführt.

Nebst der Produktion in den eigenen Werken, handelt Megasol mit zugehörigen Komponenten wie Montagekonstruktionen und Wechselrichter. Das Unternehmen ist in 18 Ländern vertreten und beschäftigt über 200 Mitarbeiter weltweit. (uby)

Gleichzeitig mit dem Liegenschaftskauf wurde die Cleantech Businesspark AG gegründet. Im Visier ist die Ansiedlung weiterer Unternehmen, die etwa in den Bereichen nachhaltige Mobilitätssysteme, Speichertechnologien, nachhaltiges Bauen etc. tätig sind. «Wir haben bereits Firmen gewinnen können.» Namen kann Sägesser noch keine nennen. Im Businesspark oder genauer gesagt Innovationspark will man sich gegenseitig befruchten und Entwicklungen im Cleantech-Bereich vorantreiben.

Massgeschneiderte Produkte

Megasol ist nicht nur in der Schweiz unterwegs. Sie ist in 18 Ländern vertreten und betreibt in China eine Produktionsstätte in der Nähe von Shanghai mit 120 Mitarbeitenden. «Wir sind nicht so gross, wie andere Solarmodul-Hersteller in Japan oder China, aber wir sind breit aufgestellt», sagt Daniel Sägesser. Damit Megasol bestehen kann, konzentriert sich die Firma nicht auf ein Standardmodul, das andernorts allenfalls günstiger produziert werden kann.

Die grosse Stärke von Megasol seien die innovativen Produkte und die gute Zusammenarbeit mit Hochschulen in der Entwicklung. «Unsere Brötli verdienen wir vor allem mit den Spezialprodukten.» Das sind massgeschneiderte Solarmodule, die in Gebäuden integriert werden können, etwa Solarziegel oder Fassadenteile. Dazu sei es nötig, die Produktion in der Schweiz auszuweiten, um die Nähe zum Markt gewährleisten zu können. «Diese strategische Ausrichtung ist unsere Stärke», sagt Sägesser.

Wegweisende Kombination

Mit Paul Schär hat Megasol einen erfolgreichen Holzbauunternehmer für den Verwaltungsrat der Cleantech Businesspark AG gewinnen können. «Mit dem Inhaber und Geschäftsführer der Hector Egger Holzbau AG in Langenthal holen wir uns auch Kompetenzen ins Team, die wir für den Aufbau des Businessparks brauchen können.» Nicht nur das.

Die Hector Egger AG ist im Holzbau sehr innovativ unterwegs. Die Kombination nachhaltiger Holzbautechnik mit Solarmodultechnik sei wegweisend. «Holz und Glas, das passt bestens zusammen», so Daniel Sägesser.

«Eine grosse Chance für die Region»

Am Mittwoch wurde der Kaufvertrag zwischen Megasol und ABB unterzeichnet. Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart. Deitingens Gemeindepräsident Bruno Eberhard und Max Wittwer von der regionalen Wirtschaftsförderung Innostep freuen sich: «Für Deitingen und die ganze Wirtschaftsregion Solothurn ist die Ansiedlung der Megasol-Gruppe eine grosse Chance.»

Max Wittwer spricht von einem weiteren guten Zeichen für die Region nach der Ansiedlung von Biogen in der Nachbargemeinde Luterbach. Ziel sei es gewesen, auf dem ABB-Areal wiederum eine produzierende Industrie platzieren zu können. Megasol sei immer weit vorne bei den Interessenten gewesen. «Bis es dann aber soweit war, brauchte es viel Koordinationsarbeit von Innostep.»

Bruno Eberhard bestätigt, dass die Gemeinde nach dem Wegzug von ABB sofort mit Innostep eine Lösung gesucht habe. «Es ist erfreulich, dass in diesem Werkgebäude weiterhin produziert werden kann.» Die Ansiedelung werde, vorbehältlich eines Regierungsratsbeschlusses, im Rahmen der Wirtschaftsförderung unterstützt, und zwar in Form von Steuererleichterungen. «Es ist üblich, dass die Gemeinde diese Steuererleichterung im gleichen Ausmass übernimmt.»

Ende Jahr findet die Eröffnung des neuen Standorts statt. In einem nächsten Schritt wird das Gelände zum Solarkraftwerk ausgebaut – rund ein Megawatt Solarleistung kann auf den Dach-, Fassaden- und Parkplatzflächen installiert werden. (uby)

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