Seit 1971 haben unzählige Kinder die riesigen Betonzahlen und ihre Etuis beim Bellacher Schulhaus Kaselfeld bestiegen, sind darauf herumgeturnt und haben sich so die Zahlen spielerisch angeeignet. Die in Beton gegossenen, überlebensgrosse Zahlen von 0 bis 9, die Bellacher Zahlenmauer gehört zu den frühesten öffentlichen Pop-Art-Werken in der Schweiz.

Die Pop Art stellt eine der wichtigsten Strömungen der Nachkriegskunst dar. Laut, bunt und energiegeladen prägte sie die 1960er- und 1970er-Jahre. «Mit seiner ‹gesellschaftlich kommunikationsfähigen Kunst› verband Travaglini ein soziales Engagement: Anstatt die Kinder zum Zahlenlernen zu verpflichten, wollte er sie dadurch, dass sie sich das Werk physisch, aber auch emotional, inhaltlich und funktional aneignen konnten, spielerisch dazu ermuntern», schreibt 2017 Bernadette Fülscher in ihrem Beitrag «Pop Art im öffentlichen Raum» im Katalog «Swiss Pop Art. Formen und Tendenzen 1962—1972» zur entsprechenden Ausstellung im Kunsthaus Aarau.

Rost und Risse

Unter der Leitung von Jürg Vifian, Bauverwalter von Bellach, und in Zusammenarbeit mit der Familie des 2015 verstorbenen Künstlers Peter Travaglini wurde die Sanierung in die Wege geleitet. Regen, Schnee und Frost haben über die Jahre Schäden am Beton verursacht. Moos und Flechten drangen durch feine Risse in den Beton ein. Wasser, welches eingedrungen ist, liess Armierungseisen rosten und hat zu weiterer Rissbildung beigetragen.

Um weitere Schäden zu verhindern, wird in diesen Tagen das Kunstwerk gereinigt und die Schäden behoben. Ein Glücksfall ist, dass Peter Travaglinis Sohn Piero Romano, der damals bereits bei der Herstellung dabei war, die Maurermeisterarbeiten ausführen kann.

Die Reinigung vom Bewuchs wird von einer Spezialfirma vorgenommen. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wird diese auch ein Oberflächenschutzsystem auf reversibler Basis anbringen. Es ermöglicht eine längere Lebensdauer und bietet Zusatzschutz gegen Beschädigung, Graffiti etc. Sie ist Wasser- und Feuchtigkeitsabweisend und verhindert Algen-, Moos- und Flechtenbesatz. (mgt/uby)