Selzach verfügt über ein historisch gewachsenes Siedlungsgebiet, dessen Strassen und Kreuzungen an etlichen Stellen unübersichtlich und damit gefährlich sind. Schon 2010 erkannte der Gemeinderat die unterschiedlichsten Verkehrsprobleme und setzte die Arbeitsgruppe «Attraktive Gemeinde für alle» ein. Mit Begehungen, Analysen, Seminaren und fachkundiger Unterstützung durch das Büro Wam entstand für alle Konfliktbereiche ein Massnahmenplan, welcher der Öffentlichkeit vorgestellt und mit deren Eingaben ergänzt wurde. Oberstes Ziel ist und bleibt die Verbesserung von Verkehrssicherheit sowie Wohn- und Lebensqualität in Selzach.

Kein flächendeckendes Tempo 30

Anfängliche Überlegungen, das Strassennetz mit Tempo 30 flächendeckend zu beruhigen, hatten in Teilen der Bevölkerung «etwas Panik» ausgelöst, wie sich Gemeindepräsidentin Silvia Spycher (FDP) erinnerte. Das ist längst vom Tisch. Laut Reto Affolter (Büro Wam), der Ergebnisse des Verkehrskonzeptes erläuterte, geht es vielmehr darum, auf allen Strassen «ein angemessenes Tempo» zu erzielen. Durch eine Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten mit Einengungen, Bäumen und Belag könne man auf eine vernünftige Fahrweise innerorts hinwirken. Als «Chance für die Gemeinde» bezeichnete er die Einrichtung einer Begegnungszone rund ums Schulareal. «Dort, wo sich Kinder aufhalten und zirkulieren, liegt für uns ein wesentlicher Fokus der Massnahmen», so Affolter. Zwischen Schulhausstrasse-Weingartenweg-Kirchgasse soll eine beruhigte Zone mit Fussgängervortritt entstehen, auf die mit einer «Portallösung» aufmerksam gemacht wird. Der Verkehr wird aus diesem Gebiet nicht ausgesperrt, sondern kann sich mit Tempo 20 bewegen.

Grundsätzlich bevorzugt das Strategiepapier weiche Massnahmen. Für die Bellacherstrasse, Schulweg für die Jugendlichen der Oberstufe, sind Vorschläge wie Temporeduktion oder Zubringerdienst im Gespräch, die aber auch mit Bellach abgesprochen werden müssen. Lange diskutierte der Rat über die Bettlachstrasse, auf der zum Schutz der Schulkinder eigentlich (Christoph Scholl, FDP) ein Trottoir nötig wäre. Doch dafür wären derart massive Eingriffe nötig, dass Affolter vom Ausbau zur Sammelstrasse abriet und stattdessen gestalterische Veränderungen des Strassenraums vorschlug, um ihm «die Einladung zum Rasen zu nehmen». Signalisiert werden soll «Zubringerdienst», damit Durchfahrende Richtung Grenchen auf die Kantonsstrasse ausweichen.

Bevölkerung entscheidet

Kurz angesprochen wurde die Sicherung des Schulwegs von Altreu als Querung über die Kantonsstrasse. Pragmatisch sah der Rat die Verbindung zwischen Dorf und dem Ortsteil Haag. Die Brühlstrasse sollte ohne Einschränkung offen bleiben, auch wenn deren Schliessung gemeinsam mit der Hinterwinkelstrasse am Wochenende überlegt wurde (Thomas Studer, CVP). In einer Übersicht wurden Einmündungen, Verzweigungen und Knoten im Strassennetz insbesondere hinsichtlich der Sichtverbesserung beurteilt und mit Empfehlungen belegt. So beispielsweise am Hubmattweg, Gänsbühlweg und der schon erwähnten Bettlachstrasse innerorts. Eine Anpassung der Knotengeometrie ist an der Dorfstrasse nötig, wobei ein Betriebs- und Gestaltungsprojekt mit dem Kanton erforderlich ist. Der Gemeinderat konnte sich mit dem «Gesamtbild», wie von Affolter vorgestellt, einverstanden erklären. Die Priorisierung der Massnahmen und wie die baulichen Schritte ins Mehrjahresprogramm eingefügt werden sollen, wird an der kommenden Sitzung am 26. März entschieden. Das Verkehrskonzept soll den Stimmbürgern an der nächsten Gemeindeversammlung vorgestellt werden.