Ex-Borregaard-Areal

So sehen die Pläne von Biogen in Luterbach aus

Am Ende könnten sieben Produktionszellen sowie weitere Produktions- und Versorgungsgebäude auf dem Areal stehen.

Am Ende könnten sieben Produktionszellen sowie weitere Produktions- und Versorgungsgebäude auf dem Areal stehen.

Der Gemeinderat von Luterbach genehmigte das Mitwirkungsverfahren für den kantonalen Gestaltungsplan Biogen. Mit dem Bau der Anlagen für rund 1 Milliarde Franken gehen aussergewöhnlich vielseitige Begehren einher.

Der Druck ist enorm, die Begehren vielgestaltig. Die Ansiedlung einer Niederlassung des amerikanischen Biotechnologieunternehmens Biogen fordert die Luterbacher Behörden gewaltig. Auf dem Areal der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard soll auf 22 Hektaren in drei Etappen ein Produktionskomplex entstehen, in dem Medikamente hergestellt werden.

Schon mit der ersten Etappe wird eine Milliarde Franken verbaut und sollen 600 Arbeitsplätze entstehen. Die zweite Etappe sieht einen Ausbau auf 1025 Arbeitsplätze vor und die dritte einen auf 1750 Arbeitsplätze.

Diesen Fisch will der Luterbacher Gemeinderat unbedingt an Land ziehen. In grossem Tempo werden Gestaltungspläne, Mitwirkungsphasen oder Infrastrukturpläne für Wasser und Abwasser beurteilt und entschieden. Meistens ist es ein Kopfnicken zu den Vorschlägen. Der Goodwill im Gemeinderat wird dabei aber nicht einmal arg strapaziert. Denn mit Ausnahme eines mulmigen Gefühls in Bezug auf die riesigen Dimensionen der überbauten Fläche, der Gebäude und der Mittel bleibt kaum eine Frage unbeantwortet.

35 Meter hohes Gebäude

Kernstück an der ersten ausserordentlichen Gemeinderatssitzung, die nächste folgt bereits in einer Woche, ist der kantonale Gestaltungsplan «Biogen». Aufgrund von Bauvorschlägen der Firma werden im Gestaltungsplan die Baubereiche für Verwaltungsgebäude, Produktions- und Lagergebäude, Versorgungsgebäude, Parkflächen und Grünanlagen sowie interne Erschliessung definiert.

Festgelegt wird, wie hoch die einzelnen Gebäude maximal gebaut werden dürfen. Das Grundwasser erlaubt keine Unterkellerung. Die Produktionsgebäude dürfen bis zu 40 Meter in die Höhe ragen. Laut ersten Plänen will Biogen 35 Meter hoch bauen. Das aareseitig gelegene Verwaltungsgebäude darf fast 25 Meter hoch gebaut werden. Biogen plant mit 20 Meter.

Bereits sind die Zufahrten via Jurastrasse im Osten und via Nordstrasse im Westen definiert. Die entsprechenden Erschliessungspläne zeigen auf der Jurastrasse einen Kreisel für die Hauptzufahrt, der im Nebeneffekt eine Bremswirkung auf den Verkehr auf der Jurastrasse haben wird. Über die Nordstrasse wird die An-und Auslieferung abgewickelt. Dieses Strassenstück kommt weiter südlich zu liegen, als bisher angenommen. Die Erschliessungsstrasse soll bereits bei Baubeginn voll ausgebaut mit Teerbelag und Leitungen für den Bauverkehr vorhanden sein.

Wenig zusätzlicher Verkehr

Die Sonderbauvorschriften zum Gestaltungsplan sind noch in Überarbeitung. Stand jetzt sind drei Bauetappen für die insgesamt sieben biotechnischen Produktionszellen festgelegt. Zwei werden in der ersten Etappe gebaut. Der Umweltverträglichkeitsbericht zeigt die heiklen Punkte auf. Das Verkehrsaufkommen ist direkt von der Anzahl der Arbeitsplätze abhängig. In der ersten Etappe liegt der Bedarf bei 500 Parkplätzen. Generiert werden theoretisch 1200 Pw-Fahrten, 36 Lw-Fahrten und 90 Lieferwagenfahrten.

Das Verkehrsaufkommen nach der dritten Etappe liegt bei 3500 Pw-Fahrten. Das Räumliche Leitbild rechnet mit 3000 bis 10 000 Pw-Fahrten. Laster und Autos werden Hauptverursacher von zusätzlichem Lärm oder Luftverschmutzung sein. Betrachtet man das, was nach Leitbild möglich wäre, liegt man nun an der unteren Grenze. «Mit Biogen haben wir Planungssicherheit über mehr als die Hälfte des gesamten überbaubaren Areals», ergänzte Projektleiter Reto Affolter vom Planerbüro WAM. Der Kanton verfügt auf dem früheren Borregaard-Areal noch über 9 Hektaren unbebautes Land.

Überschaubare Gefahren

Abfälle fallen grösstenteils in flüssiger Form an, berichtete Reto Affolter. Sie sind nicht giftig, aber sehr nährstoffreich und werden in einer separaten Ableitung einer Vorbehandlung zugeführt. «Biogen» produziert mit lebenden Säugetierzellen Medikamente. Diese Mikroorganismen sind selber nicht lebensfähig. Deshalb auch die Einreihung in die niedrigste Gefahrenstufe 1 von vier Stufen. Weil «Biogen» auf dem Gelände Säuren und Basen in erheblichen Mengen lagern und für die Kühlung Ammoniak verwenden wird, unterliegt der Betrieb der Störfallverordnung, wie 60 andere Betriebe im Kanton Solothurn auch.

Der Gemeinderat leitet einstimmig ein Mitwirkungsverfahren für den kommunalen und kantonalen Teilzonen- und Erschliessungsplan sowie den Kantonalen Gestaltungsplan Biogen ein. Am 20. August findet ein Mitwirkungsanlass statt. An diesem wird zudem informiert über die Linienführung der Dampfleitung (falls vorliegend), sowie einen Gestaltungsplan Vigier (Cleantechcenter) und eventuell einen Gestaltungsplan von CTX. «Die Luterbacher sollen umfassend informiert sein», so Gemeindepräsident Michael Ochsenbein. Die Mitwirkung dauert zehn Tage. Mitwirkungen müssen bis 31. August bei der Gemeindekanzlei eintreffen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1