Bucheggberg
Slogan der OL-Läufer: «Sieben Brüder von zwei verschiedenen Müttern»

Sieben Bucheggberger nehmen an einem Orientierungslauf-Wettkampf in Finnland teil. Sie sind Brüder zwischen 24 und 38 Jahren - jedoch nicht aus der gleichen Familie.

Lea Schreier
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Tobias Flückiger (ganz links), Florian Wittwer, Jan Flückiger, Claudio Wittwer, Matthias Wittwer, Reto Flückiger und Yves Flückiger beim Training für den Wettkampf in Finnland.

Tobias Flückiger (ganz links), Florian Wittwer, Jan Flückiger, Claudio Wittwer, Matthias Wittwer, Reto Flückiger und Yves Flückiger beim Training für den Wettkampf in Finnland.

Hanspeter Bärtschi

«Bereit? Achtung, fertig, los!», ruft Reto Flückiger und hebt eine Karte vom Boden auf. Sechs weitere junge Männer tun es ihm gleich, rennen los und nur Sekunden später sind sie alle im Wald verschwunden. Es ist einer der kalten Regentage im Mai. Wer kann, bleibt zu Hause im Trockenen.

Nicht so die sportlichen Männer aus dem Bucheggberg: Freiwillig verbringen sie den ganzen Nachmittag bei Wind und Regen im Subinger Wald. Denn: Sie trainieren für die Teilnahme an der finnischen «Jukola», einer der grössten Orientierungslauf-Staffeln der Welt. Doch nicht nur der sportliche Erfolg, sondern auch das gemeinsame Erlebnis unter Kollegen – bzw. unter Brüdern – soll im Vordergrund stehen. So ziert der Slogan «7 Brothers from 2 different mothers» die Trainerjacken der Männer.

Die Brüder im Alter zwischen 24 und 38 Jahren sind: Reto, Jan, Yves und Tobias Flückiger aus Buchegg sowie Matthias, Florian und Claudio Wittwer aus Hessigkofen.

Ein eingespieltes Team

«Seit meiner Kindheit betreibe ich mit meinen Brüdern OL. Vom Verein ‹Bucheggberger Orientierungsläufer›, in dem wir aktiv sind, kennen wir von klein auf die Wittwers», erzählt Jan Flückiger. Dass sie nun alle gemeinsam am Wettkampf starten, sei auf Initiative seines Bruders Reto geschehen. «Er ist im Verein als Trainer und Präsident engagiert und hatte diese Idee schon länger.» Die siebenköpfige Gruppe mit grossem Zusammenhalt ist für die Teilnahme geradezu prädestiniert, denn der jährliche OL-Wettkampf basiert auf einer Legende über einen Vater, welcher sieben Söhne hatte. Aus diesem Grund starten bei diesem Lauf in jedem Team sieben Männer.

Bei seinen Brüdern und Freunden musste Reto keine grosse Überzeugungsarbeit für die Reise nach Finnland leisten. «Wir waren alle begeistert, denn die Jukola ist ein riesiger Sportanlass. Etwa 1300 Teams werden dieses Jahr starten», erzählt Florian Wittwer. Der traditionelle Wettkampf beginnt jeweils um zirka 23 Uhr und dauert dann die ganze Nacht. «Der Zeitpunkt und auch, dass der Orientierungslauf als Staffel durchgeführt wird, ist natürlich etwas Spezielles», findet auch Yves Flückiger.

Intensives Training

Beim Staffel-Wettbewerb, der Mitte Juni stattfindet, werden die sieben Schweizer jeweils einzeln – aber in Konkurrenz mit den anderen Teilnehmern – eine bestimmte Strecke ablaufen müssen, ehe sie von einem Teamkollegen abgelöst werden. Um sich darauf vorzubereiten, absolvieren sie an diesem Tag ein «Staffelstarttraining»; Immer wieder starten sie gemeinsam vom Waldhaus Subingen aus und laufen wettkampfnah gegeneinander ein paar Posten an.

«Ich finde es toll, dass der OL aus zwei verschiedenen Komponenten besteht. Erstens muss man physisch fit – also vor allem läuferisch stark – sein. Zweitens muss man auch technisch etwas draufhaben; die Karten lesen und Posten finden können», meint Florian. Jetzt im Frühling hätten sie wieder vermehrt trainiert und regelmässig an den sonntäglichen Orientierungsläufen in der Region mitgemacht. «Reto und ich waren früher im Juniorenkader aktiv», erzählt er weiter. Heute seien sie aber alle Hobbyläufer. «An der Jukola werden natürlich auch die Profis starten», ergänzt Reto, «mitmachen kann aber jeder, deshalb werden die Unterschiede gross sein.»

Doch mit etwas Ehrgeiz

Die Frage, was denn das Team Flückiger-Wittwer am Wettkampf erreichen möchte, löst eine heitere Diskussion aus. «Im Vordergrund stehen der Spass und das gemeinsame Erlebnis», betont Reto. Sein Bruder Jan entgegnet: «Wenn ich dann schon dort bin, will ich auch das Optimum für das Team herausholen.» Schliesslich einigen sich die Läufer darauf, dass sie es in die erste Hälfte der Rangliste schaffen möchten.

Doch noch bevor es so weit ist, stellt sich Matthias Wittwer einer zusätzlichen sportlichen Herausforderung: Anstatt mit seinen Teamkollegen nach Skandinavien zu fliegen, fährt er mit dem Velo den gesamten Weg von der Schweiz bis nach Finnland.