Kehricht
Sinkender Strompreis schmälert den Gewinn für die Kebag

Die Kebag macht 2014 einen Gewinn von 4,15 Millionen Franken. Das sind 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Aktionäre der Kehrichtbeseitigungsanlage Zuchwil sind dennoch zufrieden.

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Müll im Betonbunker der Kebag Zuchwil.

Müll im Betonbunker der Kebag Zuchwil.

Hanspeter Bärtschi

Direktor Markus Juchli konnte am Dienstag den Aktionären der Kehrichtbeseitigungs AG für das Jahr 2014 einen Gewinn von 4.15 Mio. Franken bekannt geben. Er sprach von einem insgesamt erfreulichen Geschäftsjahr.

Der Gewinn liegt rund 14 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres (4.84 Mio. Fr.), obwohl die Kebag im vergangenen Geschäftsjahr praktisch gleich viel Kehricht verwertet habe wie im Vorjahr und mit gut 166 000 MWh rund 3 Prozent mehr Strom habe produzieren können.

Die Kebag ist heute unter den 29 Schweizer Kehrichtverwertungsanlagen die grösste Stromproduzentin. Mit der hohen Stromproduktion ist sie daher stark vom Strompreis abhängig. Dieser sei im vergangenen Jahr um 20 Prozent, von 5,9 auf 4,7 Rappen/kWh gesunken, rechnete Juchli den Teilnehmern der Generalversammlung in Wangen an der Aare vor. Dies bedeute für die Kebag Mindereinnahmen von rund 1,7 Mio. Franken. Zudem habe – wegen des milden Winters 2013/2014 – deutlich weniger Fernwärme geliefert werden können als im Jahr zuvor. Der Gewinn wird als Rückstellung für die Finanzierung der Neuanlage verwendet.

Balance Kosten–Verfügbarkeit

Gleichzeitig stiegen die Kosten für den Unterhalt deutlich an. Die ältesten Teile der Anlage sind über 40 Jahre alt. Zur Aufrechterhaltung der Betriebssicherheit hätten verschiedene nicht geplante Reparaturen vorgenommen werden müssen, berichtete der Direktor. Mit steigendem Alter der Anlage würden diese Kosten auch zukünftig weiter ansteigen. Es werde Aufgabe der Kebag sein, in den verbleibenden Betriebsjahren der alten Anlage eine vernünftige Balance zwischen Kosten und Verfügbarkeit zu finden.

Neubau bis 2025

Bis 2025 soll die heutige Kebag im Zuchwiler Emmenspitz durch eine neue Kehrichtverwertungsanlage ersetzt werden: Die «Kebag Enova» soll laut Kebag-Direktor Markus Juchli südlich der heutigen Anlage gebaut werden und dem neusten Stand der Technik entsprechen. «Wir wollen keine Luxuslösung. Die neue Kebag muss in erster Linie praxistauglich und zukunftssicher sein», unterstrich Juchli.

Im Vordergrund stehe neben der umweltgerechten Abfallentsorgung eine möglichst hohe Energie-Rückgewinnung sowie die sichere Versorgung der Region mit Fernwärme. Im Neubau sollen wie bisher rund 220 000 Tonnen Kehricht pro Jahr verwertet werden. Auch weiterhin soll der Grossteil des Kehrichts mit der Bahn angeliefert werden.

Die Kosten werden auf 350-400 Mio. Franken veranschlagt. Die Arbeiten zum Vorprojekt werden anfangs 2017 abgeschlossen sein. Die Generalversammlung der Kebag wird laut Juchli im 2017 über den Investitionskredit befinden können. Nach Ablauf des Bewilligungsverfahrens soll Ende 2020 mit dem Neubau gestartet werden. (mgt, szr)

Im letzten Jahr wurden in der Kebag 220 519 Tonnen Abfall umweltgerecht entsorgt. Damit war die Anlage zu 99,8 Prozent ausgelastet. Mit dem Flurec-Verfahren wurde aus der KVA-Filterasche 170 Tonnen Zink mit einem Reinheitsgrad von über 99,99 Prozent und einem Wert von 285 000 Franken zurückgewonnen. Die Kebag verarbeitet zusätzlich zur «eigenen» Filterasche auch jene der Kezo Hinwil (ZH), im letzten Jahr rund 3300 Tonnen.

Rücktritte aus Verwaltungsrat

Vier Personen haben auf die Versammlung hin ihren Rücktritt bekannt gegeben: Franz Haussener als Vertreter des Kantons Bern, Gabriela Mathys und Daniel Schöni, beide als Vertreter des Kantons Solothurn, Manuela Misteli (Gemeinde Derendingen). Als Nachfolger gewählt wurden: Jürg Häusler (Kantons Bern), Titus Moser und Markus Zubler (Kanton Solothurn) sowie Roger Spichiger (Gemeinde Derendingen). Seit 2008 bietet die Kebag einen Abfallunterricht an: Speziell ausgebildete Fachleute besuchen Kindergärten und Schulen (bis 8. Klasse). Kinder und Jugendliche sollen für einen sorgsamen Umgang mit Abfällen und Ressourcen sensibilisiert werden. Die Kebag trägt die Kosten. Die Nachfrage der Schulen sei in den letzten Jahren gesunken, beklagte Direktor Juchli.

Die Kebag ist eines der insgesamt 29 Kehrichtheizkraftwerke in der Schweiz. Sie beschäftigt insgesamt 60 Personen und entsorgt die brennbaren Siedlungsabfälle von total 483 000 Einwohnern aus 188 Gemeinden der Kantone Bern und Solothurn. 138 der angeschlossenen Gemeinden sind Aktionäre. (mgt, szr)