Drei Höfe
Sie zeichnen Verspieltes innerhalb des Strukturierten

Urbane Landschaften und graue Kuben, die sich zu einer Skyline gruppieren oder Baumstümpfe die umzufallen drohen? Im Näijere-Huus in Hersiwil gastieren aktuell Alfred Trinkler und Beat Julius Müller mit ihren Arbeiten.

Urs Byland
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Beat Julius Müller.

Beat Julius Müller.

Urs Byland

Ausnahmsweise tauschen sich Beat Julius Müller und Alfred Trinkler nicht am Balken in der Genossenschaft Kreuz in Solothurn aus. Sie stellen gemeinsam Arbeiten im Näijere-Huus in Hersiwil aus. Es ist nicht das erste Mal, dass ihre Arbeiten zur selben Zeit am gleichen Ort ausgestellt werden. 2007 waren ihre Werke im Künstlerhaus in Solothurn zu sehen, damals gemeinsam mit Mario Bernhard Cavoli.

Stilisierte Landschaften

Die Arbeiten von Beat Julius Müller (1948), meist Acryl auf Leinwand, zeigen meist urbane Landschaften, graue Kuben, die sich zu einer Skyline gruppieren. Dazwischen vielleicht mal im hellen Licht eine farbige Schaukel oder ein farbiges Bänklein, oder vor den grauen Kuben eine idyllische, farbige Landschaft.

Er nennt sich einen naiven Landschaftsmaler. Gemünzt ist dies aber nicht auf seine Technik, die äusserst präzis und vielfältig ist. Seine Aussage bezieht sich auf das Motiv, eben Landschaften, die stilisiert und idealisiert dargestellt sind.

Seine Aussage scheint klar. Das Leben der Menschen in den grauen Kuben fordert ihren Tribut. Die paradiesische, heile Landschaft verschwindet. Dazu passen die Titel seiner Werke: «Überbauungsrhythmen 1», «Intakte Landschaft auf Zeit», «Ein letztes Aufbäumen», «Absehbares Schicksal».

Neben den klaren Flächen und Farben der urbanen oder der idealisiert dargestellten Landschaften irritieren immer öfter schraffierte Flächen, die mehrschichtig bunt bemalt eine wolkige Struktur bilden, aber innerhalb klaren Grenzen, beispielsweise eines Baumes oder eines Feldes. Zeichen des Aufbruchs, ein Kontrastprogramm, Verspieltes innerhalb des ansonsten Strukturierten.

Die Hand zeichnen lassen

Wie Müller lebt Alfred Trinkler (1940) in Solothurn. Trinkler, der viele Jahre kaum ausstellte, zeigt einige seiner Zeichnungen und Malereien gut ein Jahr nach seiner letzten Ausstellung in Solothurn. Das ist schon viel für den Künstler, der Wert darauf legt, ohne störende Gedanken den Zeichenstift oder den Pinsel über das Blatt zu führen. «Nicht zu viel denken, dann geht es gut. Und rechtzeitig aufhören.»

Aus dem Schraffieren des Blattes wachsen Formen. Aktuell ein Zweiergespann von Steinbrocken oder Baumstümpfen oder .... Sie liegen etwas schief im Boden, drohen umzufallen, einzusinken.

Die Bedrohung ist auch im Profil der beinahe geraden Steilwände einer Schlucht zu finden. Dort ist links und rechts ein Absatz mit einem Zaun gezeichnet. Kein Weg führt zu den Absätzen. Ältere Arbeiten zeigen Welten, Trinkler nennt es Spielereien, entstanden mit Wasserfarbe und Farbstift. Aktuell mischt Alfred Trinkler Bleistiftflächen, aus denen verspielt farbige Linien hochsteigen.

Bis 11. Mai, Öffnungszeiten: Sa./So. 14–17, Mi. 15–18, Fr. 18–20 Uhr.