«Es ist nicht nur schön, hundert Jahre alt zu werden, es ist eine Herausforderung. Aber ich nehme sie an und gebe jeden Tag mein Bestes.» Das hat Dorli Rothenbühler-Wenger an ihrem 100. Geburtstag am Donnerstag gesagt. Sie wurde am 23. November 1917 in Bern geboren, ging dort zur Schule und bildete sich im Fachbereich Verkauf aus. Als junge Frau freute sie sich über die Arbeit in der Tourismusbranche, im Souvenirshop eines Hotels am Oeschinensee. Ein Highlight waren damals ein paar Ferientage, die sie bei der Mutter von Adolf Ogi in der Fründenhütte verbringen durfte. Nachträglich bezeichnet Dorli Rothenbühler dies als «die unbeschwerteste, freiste Zeit in meinem Leben.»

Dann brach der Zweite Weltkrieg aus. Aus der geplanten Auslandreise wurde nichts. Statt dessen arbeitete sie fortan in einem Büro der Eidgenössischen Zeughausverwaltung in Bern. Dann lernte sie schon bald Willi kennen, den Metzgerburschen von nebenan. Diese Liebe wurde zum Grundstein eines gefreuten Familienlebens mit zwei Kindern, zwei Grosskindern und zwei Urgrosskinder. In der Aufbruchstimmung des zu Ende gehenden Weltkrieges wagten es Dorli und Willi Rothenbühler, in Solothurn ein eigenes Metzgereifachgeschäft aufzubauen. 1950 wechselten sie in ein eigenes Haus an der Badstrasse in Derendingen. Das war damals noch ein Arbeiterdorf mit knapp 4000 Einwohnern, 19 Wirtschaften und sieben Metzgereien.

Die Arbeitstage in eigenen Geschäft waren lang und forderten viel von den Eheleuten. Sie fanden aber auch darum den Mut, während den sogenannten Uhrenmacherferien, ihr Geschäft für eine Woche zu schliessen. Und siehe da: Die Kundschaft kam in der folgenden Woche tatsächlich wieder. Bis Anfang der 70-er-Jahre führten Rothenbühlers ihr Geschäft. In all diesen Jahren reichte Dorli Rothenbühler manch «Wurstredli» über den Ladentisch. Daran erinnern sich noch heute viele Derendingerinnen und Derendinger. Die Jubilarin engagierte sich viele Jahre im Kirchenchor und im Kirchgemeinderat. Sie liebte das Singen. Als sie selbst schon betagt war, las sie über Jahre hinweg wöchentlich «den alten Leuten» im Altersheim vor.

2003 verstarb Willi Rothenbühler. Seine Gattin lebt noch heute eigenständig in ihrem Haus. Neben den abgestellten Maschinen und der stillgelegten Metzgerei-Einrichtung. Die Jubilarin besorgt ihren Haushalt weitgehend selbstständig und aus eigener Kraft. Dank vielen lieben Menschen, die regelmässig bei ihr ein- und ausgehen, steht sie immer noch mitten im Leben. Ihr Alltag wird einzig von der Hörschwäche und dem abnehmenden Sehvermögen beeinträchtigt. (mgt)