Begegnungen ermöglichen, war das Ziel der Organisatoren des Sïdefin-Festivals in der Alten Turnhalle Biberist. Eine solche Begegnung boten Erwin Bader, Roger Jan Kaufmann und Bärnu Anderegg in der Person von Sems Sera Leisinger, die sie in Badenweiler (D) anlässlich einer Ausstellung von Bader kennenlernten. Am letzten Festivaltag erzählte Sems Sera Leisinger über Pakistan und von ihrem «Patenkind». 

Noch am Vortag habe sie mit Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai «geskypt», das heisst via Internet kontaktiert, und gefragt, was sie den Schweizern mitgeben soll. Malala Yousafzai habe geantwortet, eine grosse Liebe und tiefste Umarmung. «Ich habe sie persönlich noch gar nie getroffen. Sie ist UNO-Botschafterin geworden, hat bis jetzt 24 Operationen durchgemacht. Deswegen, aber auch aus Sicherheitsgründen, ist es schwierig, einen Termin zu finden. Aber sie weiss, was ich mache und unterstützt diese Arbeit.»

Begegnung in Schottland

Patin für die heute 20-jährige Malala Yousafzai wurde sie vor einem Jahr. Im 2015 eingerichteten Friedenspark von Herringen Hamm (D) wurde der jungen pakistanischen Frau wie bereits anderen Menschen, die sich für den Frieden einsetzen, ein Baum gewidmet.

Auf einer Pilgerreise nach Schottland – «die christliche Religion ist für uns Muslime eine wichtige Religion» – wurde Leisinger von einem Paar angesprochen, das den Friedenspark in Hamm mitbetreut. «Meine Geschichte hat sie sehr berührt, worauf sie mich anfragten, ob ich, weil Malala nicht kommen konnte, bei der Ehrung für Malalas Aufnahme in den Friedenspark die Laudatio halten würde.» Leisinger informierte Malala Yousafzai darüber und erhielt die Zustimmung.

Muslimische Frauen-Biografie

«Ich hatte als Kurdin mit Abstammung aus Persien das Glück, dass ich in der Türkei in Anatolien die Schule besuchen durfte. Ich musste nicht wie Malala für meinen Schulbesuch kämpfen. In der Türkei ist der Schulbesuch Pflicht, auch für Mädchen.» Sems Sera Leisinger betont diesen Umstand, denn sie sei in eine muslimische Kultur hineingeboren worden, «in der ich wahrscheinlich nicht in die Schule geschickt worden wäre».

Sie könne sich deshalb gut in Malala Yousafzais Leben hineinfühlen. «Wir sind uns geschichtlich, literarisch, sprachlich und auch in Bezug auf die Religion sehr ähnlich. Ich habe vieles am eigenen Leib erfahren, was Malala widerfahren ist. Ich kenne mich aus in dieser Kultur und kann mich in vielen Dingen mit ihr identifizieren.»

Und sie finde es grossartig, dass Malala Yousafzai sich von diesem Anschlag nicht beirren liess und weiter dafür kämpft, Mädchen einen Schulbesuch zu ermöglichen. «Rund 130 Millionen Mädchen, hauptsächlich in arabisch-muslimischen Ländern wird ein Schulbesuch verweigert. Malala Yousafzai setzt sich für sie ein.»

Unterwegs für Malala

Damit hat sich für Sems Sera Leisinger eine neue Welt geöffnet. Sie wird für Lesungen eingeladen, wo sie aus Malalas Buch vorliest, und sie wird an Schulen eingeladen. «Ich mache das sehr gerne. Ich möchte den Kindern erklären, wie schön sie es haben, in die Schule gehen zu dürfen, während in anderen Ländern Kinder dies nicht können.»

Am Festival wurde Sems Sera Leisinger ein Check für den Malala Fund überreicht. Von jedem Ticket gingen 5 Franken an die Stiftung. Zusätzlich haben die jungen Musikgruppen, welche am ersten Festivaltag musizierten, ihre Kollekte für den Malala Fund gespendet. «Eine wirklich tolle Geste», finden die Organisatoren und Leisinger. Aktuell fliesse Geld vor allem nach Jordanien, um dem Land mit den vielen Flüchtlingen zu helfen.