Biberist

Sie sind «schützenswert»: Die historischen Gebäude in Schöngrün werden in ihrer Substanz erhalten bleiben

Die historischen Gebäude im Schöngrün werden saniert und einer neuen Nutzung zugeführt.

Die Überbauung im Schöngrün mit 160 Mietwohnungen nimmt immer mehr Gestalt an. Drei Viertel der Wohnungen sind vermietet, ab August ziehen die ersten Mieter ein. Neben den neuen Gebäuden stehen vier historische Bauten, die von der AXA in das Überbauungskonzept mit einbezogen werden. Im ehemaligen Gutshof sollen eine Kindertagesstätte und eine Cafeteria Platz finden. Aus dem Stöckli wird wieder ein Hofladen. Die Scheune wird zur Boulderhalle ausgebaut und der dahinterliegende ehemalige Hühnerstall bleibt vorderhand unangetastet. Zurzeit liegen die Baugesuche für die Umbauten auf.

«Sensibler Umgang» mit  dem Gebäudeensemble

Mit der Erarbeitung der neuen Ortsplanung der Gemeinde Biberist werden die historischen Bauten im Schöngrün neu als schützenswert eingestuft. Bereits im Gestaltungsplan für die Überbauung im Gisihübeli sind die Bauten als schützenswertes Ensemble ausgewiesen. Aus diesem Grund wurde das Umbauprojekt von Ueli Sterchi (Präsident Historische Kommission Biberist) begleitet. «Bei schützenswerten Bauten ist das Ziel, möglichst viel von der historischen Substanz eines Hauses zu erhalten oder einen Neubau in ähnlicher Weise zu realisieren», erklärt Sterchi auf Anfrage. Er hat das Bauprojekt als Vertreter der Biberister Baubehörden auch mit der kantonalen Denkmalpflege besprochen. AXA als Bauherrschaft habe sich offensichtlich intensiv mit den historischen Gebäuden befasst und Umbaupläne präsentiert, die laut Sterchi «sensibel mit der Gebäudesubstanz umgehen».

«Am intensivsten waren die Diskussionen beim Umbau des Gutshauses», erklärt Benjamin Bartmann (Projektentwickler AXA) in einem Gespräch. Der Ursprung dieses Gebäudes geht ins 16. Jahrhundert zurück. Der heutige Bau ist in drei Etappen entstanden. Erhaltenswert ist vor allem die Holzkonstruktion im Dachgeschoss. «Aus diesem Grund erhalten wir den Dachstock im historischen Gebäudeteil. Wir werden das Dachgeschoss vorderhand aber nur energetisch sanieren und ansonsten im jetztigen Zustand belassen.»

Die Gebäudeteile werden innen getrennt

Das Gutshaus wird neu mit einem Lift erschlossen. Ein Gebäudeteil soll der Kindertagesstätte zur Verfügung stehen, mit Garderobe, Toilettenanlagen und Gruppenräumen. Auf der Ostseite des Gebäudes wird ein Eingang erstellt, der nur den Kindern dient. Der historische Steinbogen, der heute in der Fassade zu erkennen ist, bekommt so eine neue Aufgabe. Gleich nebenan wird die Garderobe eingerichtet. Im anderen Gebäudeteil werden die massivsten Eingriffe durchgeführt. Die heute bestehenden Decken werden herausgebrochen und die Räume in beiden Gebäudeteilen auf das gleiche Niveau gelegt. Neu findet im Erdgeschoss die öffentliche Cafeteria Platz. Im oberen Stock entsteht ein grosser Gruppenraum, der sowohl von der Kita, als auch für andere Veranstaltungen genützt werden kann.

Nach dem Umbau soll sich auch die Fassade wieder einheitlich präsentieren. Die historischen Fenster mit den Steinfriesen werden wieder hergestellt. Ein ehemals bestehender Laubengang wird ebenfalls wieder angedeutet. Gegen Süden hin wird die Cafeteria einen Aussenraum erhalten. Im Norden wird ein Garten für die Kita und interessierte Mieter angelegt. «Historische Bilder zeigen, dass dort schon früher ein Garten war», erklärt Bartmann.

Hohe Räume ideal für die Boulderhalle

Das heutige Erscheinungsbild der Scheune bleibt nach dem Umbau erhalten. Ein Anbau  an der Nordseite wird rückgebaut und so die Symmetrie des Gebäudes wieder hergestellt. Die einzelnen Gebäudeteile werden durch Brandschutzmauern getrennt, das Gebäude energetisch saniert. Die oberen Stockwerke werden mit einem Treppenhaus erschlossen. Im Dach werden Flächenfenster eingebaut. «So bekommen wir Licht und Luft in das Gebäude und müssen keine künstliche Lüftung einbauen», erklärt Bartmann. Auch gegen Osten hin gibt es Fenster, die werden aber durch eine Holzlattung verdeckt. Ein Teil des Erdgeschosses soll die Infrastruktur für die künftigen Nutzer mit Empfang, Garderobe, Wasch- und Toilettenanlagen beinhalten. Dazu kommen zwei Boulderhallen und ein Trainingsraum, der auch anders genutzt werden kann. Das historische Gebälk unter dem Dach bleibt erhalten und wird offen präsentiert.

Das Stöckli wird im Erdgeschoss als Hofladen – mit rund 35 Quadratmeter – dienen. Dazu kommt ein Büroraum. Das Obergeschoss wird abgebrochen. «Das Gebäude hat einen historisch gut erhaltenen Dachstuhl. Den wollen wir wieder sichtbar machen», so Bartmann. Damit entsteht im ersten Stock ein hoher Mehrzweckraum, der auch gemietet werden kann. Zudem wird die Aussentreppe neu erstellt. Das Ladenlokal wird zum Hof hin geöffnet und soll so zum Eintreten einladen.

AXA hofft, im Mai mit den Arbeiten beginnen zu können. Im April 2021 sollten die Gebäude dann umgebaut sein. Voraussichtlich wird auch der Gemeinschaftsplatz mit der alten Linde erst zu diesem Zeitpunkt ganz fertig. «Wir hoffen, dass wir einen Teil des Platzes bereits diesen Sommer umgestalten können.»

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