Vier Männer schieben vorsichtig eine grosse Maschine durch den Gang, um sie in einem Raum in der Werkhalle zu installieren. «Wegen der Grösse der Anlage musste vorgängig sogar eine Wand demontiert werden», sagt Reto Rüttimann, CEO der Sphinx Werkzeuge AG in Derendingen, lachend. Die vollautomatische Verpackungsmaschine für Mikrobohrer soll demnächst in Betrieb genommen werden.

Diese Momentaufnahme beim Betriebsrundgang steht auch sinnbildlich für den Erfolg des vor 25 Jahren gegründeten Unternehmens. Die Investitionen in den Maschinenpark seien für ein Unternehmen auf dem «teuren» Werkplatz Schweiz unabdingbar, um dank der Automation der Fertigung technologisch sowie qualitäts- und kostenmässig mit der Konkurrenz mithalten zu können, ist Rüttimann überzeugt.

Allein in den Jahren 2017 und 2018 habe man weit über drei Millionen Franken investiert. Dabei bedeute Automatisierung nicht Personalabbau. Die Mitarbeitenden würden neue Einsatzgebiete erhalten. Zudem gehe es auch darum, die Kapazitäten in der Produktion zu erhöhen, um das steigende Auftragsvolumen bewältigen zu können. Unter dem Strich wächst der Personalbestand stetig an. Beim Start zählte die Firma 35 Angestellte, heute sind es inklusive 11 Lernende insgesamt 115, davon 70 in Derendingen und 45 im Schwesterwerk in Pruntrut.

4,1 Mio. Bohrer pro Jahr

Das Unternehmen hat sich auf die Fertigung von Präzisionswerkzeuge für die zerspannende Fertigung und der Medizintechnik spezialisiert. Pro Jahr sind es rund 4,1 Millionen Bohrer, welche in Derendingen und in Pruntrut hergestellt werden. Die Sphinx AG ist in zwei Hauptgebieten tätig. Die Bohrer für die Medizinaltechnikbranche werden in Pruntrut geschliffen und dann nach Derendingen zum Finish und zur Schlusskontrolle geliefert. Sie werden sowohl für die Herstellung wie auch für den Einsatz der Implantate am menschlichen Körper sowie für Werkzeuge eingesetzt.

Auch in der Dentalchirurgie kommen die rotativen Werkzeuge zum Einsatz. Konfektioniert und verpackt werden die Medizinprodukte unter Reinraumbedingungen in Derendingen. Hier wird auch schwergewichtig der Bereich Industrie abgedeckt. Die aus Vollhartmetall und legierten Stählen gefertigten Bohrer kommen in einer breiten Branchenpalette zur Anwendung; von der Auto- bis hin zur Telekommunikationsindustrie. Treiber der Geschäftsentwicklung sei die überall zunehmende Miniaturisierung, welche nach hochpräzisen und immer dünneren Bohrer verlange, erklärt Rüttimann.

So werden im eigenen Mikrozenter in Derendingen Bohrer mit einem Durchmesser von gerade nur 0,03 Millimetern gefertigt. «Das ist dünner als ein menschliches Haar.» Das könnten weltweit nur wenige Firmen anbieten. Das Werkzeug gelangt etwa bei Blutzellenmessgeräten zum Einsatz oder es bohrt die Öffnung für den Faden in feinsten Chirurgienadeln.

Von der US-Behörde FDA inspiziert

«Die Produktion auf dem Werkplatz Schweiz funktioniert», erklärt Rüttimann, angesprochen auf die im Vergleich zum Ausland normalerweise höheren Fertigungskosten. Es gelte aber, die richtigen Nischenmärkte zu entdecken. Und das sei der Sphinx AG gelungen. Zwar scheinen die für Laien produzierten Stückzahlen enorm hoch, aber man fertige eben keine gewöhnlichen Bohrer, sondern hochwertige Präzisionswerkzeuge in mehr als 10'000 Ausführungen.

Die Produkte werden in über 40 Ländern, mit Schwergewicht Europa, verkauft. Der Exportanteil liege bei rund 40 Prozent. Aber indirekt kämen fast alle Bohrer letztlich im Ausland zum Einsatz. Auch in den USA. Deshalb seien die Qualitätsanforderungen sehr, sehr hoch. Kürzlich sei die Produktion von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde, der FDA, während vier Tagen auf Herz und Nieren inspiziert worden. «Alles ist gut gegangen», zeigt sich Rüttimann stolz, sowohl über die Fertigungsprozesse wie auch das Engagement aller Mitarbeitenden.

Die Geschäftsentwicklung umschreibt Rüttimann als «sehr positiv». Umsatzzahlen werden zwar nicht genannt, aber «in den vergangenen sechs Jahren sind wir jährlich um 11 Prozent gewachsen», gibt der CEO zu Protokoll. Und auch das laufende Jahr entwickle sich ähnlich positiv.

Das Wachstum bedingt mehr Platz, respektive erneut Investitionen in Millionenhöhe in die bauliche Infrastruktur. So wird demnächst ein Erweiterungsbau für die Produktion in Pruntrut in Angriff genommen. Und in Derendingen liegen die Pläne auf dem Tisch, um das bestehende Produktionsgebäude aufzustocken. Wann genau in Derendingen ausgebaut wird, sei noch offen. Rüttimann: «Wir gehen Schritt für Schritt vor.»