Langendorf

Sie möchte lebensgrosse Tier-Nachbildungen verleihen

Meeresbiologin Ursula Tscherter vor einem Teil ihrer lebensgrossen Nachbildungen von Tieren.

Meeresbiologin Ursula Tscherter vor einem Teil ihrer lebensgrossen Nachbildungen von Tieren.

Walforscherin Ursula Tscherter aus Langendorf möchte eine neue Art der Begegnung mit Tieren ermöglichen, indem sie zweidimensionale Tier-Nachbildungen verleiht.

Eine prall gefüllte Tüte liegt auf der Sitzbank, in der sich mehrere zusammengefaltete Stoffe befinden. Daneben sitzt Ursula Tscherter, Meeresbiologin, Umweltpädagogin und Werklehrerin, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Im ersten Moment scheint es kaum vorstellbar, dass die Stoffe in der Tüte sich als lebensgrosse Nachbildungen von Tieren entpuppen könnten.

Doch tatsächlich sind da unter anderem Zebra, Delfin, Pinguine, Elefant und Giraffe, die einmal ausgebreitet, wie echt aussehen und eine neue Art von Begegnung zwischen Mensch und Tier ermöglichen. Die zweidimensionalen Tiere können beispielsweise in einem Raum angebracht oder im Wald aufgehängt werden.

Verständnis schaffen

Tscherter ist es wichtig, die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt näherzubringen und Verständnis für die verschiedenen Lebewesen zu schaffen. Aus diesem Verlangen kam ihr die Idee für das Projekt «1:1 mit Tier – Bär, Wolf, Wal und Co. kommen zu Besuch», das sich noch in der Anfangsphase befindet, noch gibt es viel zu durchdenken. Dennoch hat die Langendörferin bereits konkrete Vorstellungen: Sie möchte einen Ausleihservice starten mit Medienkoffern, die jeweils ein lebensgrosses Tier und Anschauungsmaterial wie Fell, Zahn oder Spurenstempel enthalten. Informationen zum Tier und Bilder gäbe es durch Bücher und Internet bereits genug, sodass Tscherter verzichtet, dies in ihren Medienkoffern anzubieten.

Die Zielgruppe: Lehrpersonen, Kinder und Jugendliche sowie in der Umwelt tätige Personen der Deutschschweiz. «Die Lehrkraft könnte zum Beispiel verschiedene Tiere im Wald aufhängen, im Waldboden durch den Stempel die Spuren anbringen, und dann die Kinder die Tiere entdecken lassen», beschreibt Tscherter. Ein anderes Beispiel wäre ein Bär, der für zwei Wochen im Klassenzimmer steht. Tscherter: «Die Begegnung wäre dann repetitiv, da die Kinder täglich zur Schule gehen. Der Bär würde ihnen sozusagen bei den Arbeiten zusehen und ist im Umfeld der Kinder.»

Auch Spiele sollen in den Paketen integriert werden, die einen in die Rolle des Tiers versetzen und auch zeigen, welchen Beitrag der Mensch zum Erhalt der Tierwelt leisten kann.

Alles begann mit Walen

Ihre intensive Arbeit mit der Tierwelt nahm ihren Lauf in Kanada, als Tscherter Wale erforschte. Damals lebte sie jeweils ein halbes Jahr in Kanada, die andere Hälfte in der Schweiz. Dies war in den 1990er-Jahren. Daraus entsprang die Idee, lebensgrosse Wale aus Stoff zu schaffen und damit Menschen eine Begegnung mit Walen möglich zu machen. Tscherter ging mit den Walen an Schulen der Schweiz und lieh sie auch an Lehrpersonen für den Unterricht aus, womit sie gute Erfahrungen gemacht hat. So entschied sie sich, es auf weitere Tierarten auszuweiten.

Damit entstand schliesslich die Idee zum Ausleihservice. In ihrem Repertoire hat sie bisher vor allem exotische Tiere, fünfzig an der Zahl. Diese können auf Anfrage heute schon von Kindern für Vorträge und Lehrkräften ausgeliehen werden. In den kommenden Monaten werden vermehrt einheimische Tierarten dazustossen. Für die Erstellung eines Tiers braucht Tscherter zwischen einem Tag und mehrere Wochen, je nach dem Aufwand des Musters des Tiers. Sie näht und malt. Auch holt sie zu den Tieren und ihrer Lebensweise Informationen von Fachleuten ein, die auf das jeweilige Tier spezialisiert sind.

Teures Projekt

Die Umsetzung des Projekts ist mit hohen Kosten verbunden. Deswegen sucht Tscherter nach Institutionen und Privatpersonen, die ihr Projekt unterstützen. Dazu hat sie auch den Verein «1:1 mit Tier» gegründet. Trotz erster zugesprochener Unterstützungsbeiträge, unter anderem des Solothurner Lotteriefonds, hat sie momentan noch zu wenig finanzielle Unterstützung gefunden, um das Projekt zu starten. «Eigentlich war geplant, Anfang Jahr zu beginnen. Ich werde es langsamer angehen, um weitere Geldgeber zu finden.» Aufgeben will sie aber nicht, denn sie ist von der Wirkung ihres Projekts überzeugt, nicht zuletzt wegen ihrer Erfahrungen mit den Stoffwalen.

Für Kinder und Erwachsene

«Natürlich ist die beste Begegnung immer noch den Tieren in ihrem Lebensraum zu begegnen, aber das ist oft nicht einfach, nicht nur bei den exotischen Tieren», beschreibt Tscherter. So gäbe es in heimischen Wäldern zwar Rehe und dennoch bekäme nicht jeder eines zu Gesicht. Im Zoo könne man dann die Tiere zwar sehen, doch für Tscherter kommen da ethische Fragen auf. Somit seien die flachen Tiere aus Stoff eine günstige Möglichkeit für eine Begegnung im Umfeld der Kinder. Sie würden auf naturalistischer Basis erstellt und der Transport wäre einfach und günstig. Ursula Tscherter hofft darauf, dass dieses Projekt Kinder wie Erwachsene für die Natur sensibilisieren und zu aktivem Umwelthandeln anregen kann.

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