Die Produkte sind nicht augenfällig, verströmen weder Luxus noch Sex-Appeal und werden nie einen Design-Award gewinnen. Dafür sind sie zweckmässig und tragen massgeblich zum Wohnkomfort und zu einer optimalen Arbeitsumgebung im Büro oder im Betrieb bei. Ebenso unscheinbar ist die Produzentin, die Elri AG in Derendingen.

Dabei sorgt sie mit ihren thermischen Rohr-Isoliersystemen dafür, dass das «Hahnenburger» nicht zu warm wird und beim Warmwassertransport nicht zu viel Energie verloren geht. Dasselbe gilt auch für Leitungen in den anderen Bereichen der Haustechnik wie Heizung, Kühlung und Klima. Dank einem sehr hohen Marktanteil ist das Derendinger Unternehmen mit seinen Isolationen praktisch in jeder Liegenschaft in der Schweiz vertreten.

Millionen in Ausbau investiert

Seit dem letzten Besuch vor fast zehn Jahren hat sich einiges verändert. «Wir haben in den letzten Jahren Millionen in die Modernisierung des Maschinenparks und die Gebäude investiert», sagt Jörg Reist. Der 60-jährige Unternehmer führt zusammen mit seinem Schwager August Schobinger (63) das Unternehmen in zweiter Generation. So ist die damals angekündigte dritte Ausbauetappe inzwischen realisiert. 

Das neue Hochregallager bietet Platz für 1200 Paletten; dadurch wurde Raum für zusätzliche Produktionskapazitäten geschaffen. Der respektable Industriebau bietet Platz für Produktions- und Lagerflächen auf 10 200 Quadratmetern. Den eher ungewöhnlichen Firmennamen Elri verdankt das Unternehmen übrigens den Frauen der Gründer Armin Reist und Christian Weber, die den Betrieb 1962 ins Leben riefen. Aus «El-isabeth» und «Ri-ta» wurde Elri.

Die Isoliersysteme bestehen aus drei Teilen: Den Bogenformteilen aus dem Hochleistungsdämmstoff Polyurethan (Hartschaum), den geraden Isolierschalen ebenfalls aus Polyurethan oder aus Steinwolle sowie der Aussenverkleidung aus PVC-Folien. Reist und Schobinger erklären auf dem Rundgang praxisnah, wie die Formteile für die Dämmung von Rohrleitungen gefertigt werden. Auf CNC-gesteuerten Konturenschneidmaschinen werden aus Hartschaum- oder Steinwollblöcken die geraden Teile in Form von Halbschalen automatisch und hochpräzise geschnitten. «Nun kommen wir zum Herzstück unserer Produktion, der Polyurethan-Schäumerei», sagt Reist. Auf einer kreisförmig angelegten Anlage läuft – genau dosiert – flüssiger Hartschaum in Formen.

Basierend auf dem Prinzip des Waffeleisens wird das Material gepresst und gebacken, und es entstehen unterschiedlichste Formen, insbesondere Bogenformen. «Die Formen fertigen wir in unserem eigenen Werkzeugbau.» Deren Produktion sei technisch sehr anspruchsvoll, so müssten etwa die Radien sehr exakt abgebildet werden. «Unsere Werkzeuge sind so etwas wie Problemlöser», sagt Reist lachend. So seien unterschiedlichste Dimensionen und Formen möglich. Elri produziert über 200 verschiedene Bogenformen. Eine Station weiter. Hier werden zur Ummantelung der Formen auf einer Grossananlage aus PVC-Folien die weichen Bogenteile mit Wärme vollautomatisch geformt und später verschweisst.

Statt Seidenzöpfe Kunststoff

Auf der Technologie des Bogenformens basiert der Erfolg des Familienunternehmens. «Die Firmengründer haben das Potenzial der neu entwickelten Kunststoffe erkannt», blickt Reist zurück. Nach dem Start mit Alu-Verpackungen für Tiefkühlmenus und Gartentunnel für Frühbeetabdeckungen habe man sich auf Rohrisolationen konzentriert. Das Potenzial war hoch, wurden doch die traditionellen Materialien zur Isolation von Rohrleitungen wie Seidenzöpfe, Putzfäden oder Gipsbandagen vollständig durch neu entwickelte Kunststoffe abgelöst.

Diese Nischenmarktpolitik habe man bis heute fortgesetzt. «Wir sind einer der wenigen Hersteller von Bogenteilen in der Schweiz und somit führend auf dem Heimmarkt», hält Co-Chef August Schobinger fest. Bei den geraden Isolierschalen gebe es dagegen schon Konkurrenten, Elri rangiere aber unter den ersten drei. Insgesamt liefert Elri jährlich vier bis fünf Millionen Bogenteile und Isolierschalen an den Fachhandel für die Haustechnik.

Zwar ist Elri mit 95 Prozent fast ausschliesslich auf dem Schweizer Markt tätig; trotzdem bereitet der starke Franken Bauchweh. Vermehrt versuchten nämlich ausländische Produzenten, die Währungsvorteile auszunutzen und drängten auf den hiesigen Markt, beobachtet Schobinger. Dem Preisdruck kann sich deshalb auch Elri nicht verwehren. So gebe man Vorteile beim Einkauf der Grundstoffe in Deutschland an die Kunden weiter in Form von Eurorabatten.

Klumpenrisiko Bauwirtschaft

Dank dem langjährigen Bauboom in der Schweiz kann das Unternehmen auf gute Zeiten zurückblicken. «Von 2004 bis 2014 ging es im Wohnungs- und Gewerbebau ungebremst nach oben», sagt Schobinger. Elri habe davon direkt profitiert. In den letzten zwei Jahren habe die Bautätigkeit den Plafond erreicht und entwickle sich seitwärts. «Aber immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau». Umsatzzahlen gibt die Elri AG, welche 45 Angestellte beschäftigt, nicht bekannt.

Für 2017 liege das Budget im Rahmen der Vorjahresresultate. «Der weiterhin starke Franken und die eher stagnierende Bauwirtschaft spüren wir», so Schobinger. Es könnte «ein wenig harzen». Chancen sehen die Unternehmer vermehrt im Bereich der Renovationen. In den meisten Fällen werde nämlich auch die Haustechnik ersetzt, was zusätzliche Einsatzmöglichkeiten für die Elri-Produkte eröffne. «Zudem ist nicht zuletzt dank der Energiestrategie 2050 das Isolieren Trumpf», beobachtet Schobinger.

Das Energiesparen habe sich in den Köpfen festgesetzt und verspreche zusätzliches Potenzial. Aber Jörg Reist und August Schobinger sind Realisten genug: «Ja, wir sind von der Baukonjunktur abhängig. Deshalb müssen wir gut sein in dem, was wir machen.»