Seit sieben Jahren arbeitet Franziska Schönauer mit Migranten. Die fröhliche Frau mit doppeltem Heimatort im Bucheggberg, wo sie auch lebt, arbeitet bei der Regiomech in Zuchwil. Sie integriert mit ihrer Abteilung Sozialhilfebezüger in den Arbeitsmarkt. «Mit allen Mitteln, die es braucht. Kreativ und innovativ.»

Schönauer (1970) wurde angestellt, um mit ihrem Team vorläufig aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge zu schulen bis zum Lehrstellenantritt oder zum Start in den Arbeitsmarkt. Beim Erstgespräch werden Fördermassnahmen abgeklärt, die die Migranten in den 1. Arbeitsmarkt führen sollen. «Wir arbeiten lösungsorientiert und individuell mit den Flüchtlingen, weil jeder eigene Bedürfnisse und Ressourcen hat. Natürlich müssen sie zuerst Deutsch lernen, aber dann heisst es Integration in Kultur und Arbeitswelt.»

Das sei aber nur die eine Seite. Menschen in der Sozialhilfe haben oft weitere Problematiken wie Schulden, Zoff mit der Freundin, Trennung der Familien durch Flucht, Folter, Verlust etc. Franziska Schönauer kann ihre Probleme nicht lösen, aber sie kann die Leute weitervermitteln. «Etwa an die Eheberatung oder an die Schuldenberatung. Wir hatten auch schon eine Familie, da erarbeiteten wir zusammen mit dem Hausarzt und in Absprache mit den Eltern eine Anmeldung für die Tochter für eine Therapie im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst und eine Therapie der Eltern in der Folteropfer-Hilfe, weil der Vater jahrelang im Gefängnis war.»

Es gehe darum, den Menschen als Ganzes zu betrachten und zu schauen, wo geholfen werden kann und was, wie in eine geordnete Bahn gelenkt werden kann. «Damit am Ende die Stellensuche auch realistisch und erfolgreich wird.»

Hohe Vermittlungsquote

2009 kam Franziska Schönauer zur Regiomech und baute das Migrationsprogramm im Auftrag des Amtes für soziale Sicherheit auf. Im Januar 2010 startete sie mit den ersten zwei Migranten. Im ersten Jahr stellte sie ein Programm für 24 bezahlte Jahresplätze auf, heute sind es 80.

Ein Jahresplatz ermöglicht einer Person 260,4 Tage Programm in der Regiomech. Der Durchlauf ist höher, denn nach drei bis fünf Monaten haben die Leute eine Arbeit. «Wir haben in den sieben Jahren dank der Hilfe aller in der Regiomech eine Vermittlungsquote zwischen 70 und 90 Prozent geschafft», erzählt sie stolz. «Wir vermitteln tatsächlich Menschen.» 2013 wurde das Traumaprogramm (für Menschen mit traumatischem Hintergrund) mit sieben Plätzen realisiert.

Zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Kriegsflüchtlingen unterscheidet Schönauer nicht. «Jeder Mensch soll das Recht haben, dorthin zu gehen, wohin er will.» Sie habe aber Mühe, wenn jemand kommt und sagt: Du mir machen. «Da müssen wir dann daran arbeiten. Ich finde es gut, dass wir eine Gesetzgebung haben, die Menschen, die das System ausnützen, am Ende auch bestraft.» Die Welt sei heute klein geworden, jeder sieht, was der andere hat. «Ich verüble es niemanden, wenn er das auch will, aber er muss dafür etwas machen.»

Eritreisches Hochzeitsessen

Franziska Schönauer hat vor ihrem Stellenantritt bei der Regiomech noch nie mit Migranten gearbeitet. Sie sei nicht auf dem Helfertrip. Diesen habe sie in ihrer Erstausbildung am Bürgerspital abgegeben. Sie interessiere sich für die Menschen aus anderen Kulturen und für deren Geschichten. «Es gibt so viele positive Beispiele. Das Bild, das viele haben, es wären alles nur Schmarotzer, stimmt nicht. Sie wollen arbeiten.» Die wenigen, die sich quer benehmen, würden von Politikern und Medien für ihre Zwecke ausgeschlachtet. «Lauter positive Nachrichten in den Medien von Migranten, die arbeiten, eine Lehrstelle absolviert haben, sich integrieren oder sogar Freiwilligenarbeit leisten, wäre wohl zu langweilig.»

Geschichten von Migrations-Schicksalen prägen nun ihr Leben. «Wir haben eine junge Tibetanerin. Sie ging nicht einen Tag in die Schule. Ihr Vater schulte sie im Rechnen, und wir haben in einem Jahr ihr Rucksäcklein gefüllt mit dem, was sie braucht. Sie macht eine dreijährige Kochlehre und ist eine der Klassenbesten.» Die Jugendlichen würden unheimlich Gas geben. Schon erzählt Schönauer ein Beispiel, vom Jugendlichen, der sich beim Bürgerspital für eine Kochlehre vorstellte und in gegebener Zeit etwas präsentieren musste.

Der Junge habe vorgekocht, Wärmeplatten, Teppiche und den Transport organisiert und im Bürgerspital ein eritreisches Hochzeitsessen zelebriert. «Alle durften sich dazusetzen und mitessen. Klar sind sie etwas älter. Er hat die Stelle erhalten. Wenn er heiratet und eine Familie gründet, kann er diese ernähren. Mit seinem Hilfsjob, den er sonst hätte, würde er seine Familie nicht durchbringen und die Sozialhilfe belasten.» Die Jugendlichen absolvieren das von Schönauer aufgebaute Jugendprogramm. Seit 2010 bringt ihr Team mit drei Vollzeitlehrern Jugendliche in die Lehrstellen, an die Kanti oder Uni. Aktuell sind es 24 Jugendliche, ab August sollen es 36 sein.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Farid El Benna betreut sie selber zirka 130 Teilnehmende. Dabei hat Schönauer mit Menschen aus sehr verschiedenen Kulturen zu tun. «Sri Lankis können nicht Nein sagen.» Somalier würden sich immer wieder neu erfinden. Irakis hätten eher ein forsches Auftreten.

Der Wertewandel ist oft gross. Viele kommen aus Ländern, in denen der Mann viel gilt. Hier spüren sie aber schnell, dass sie erstens nicht richtig ausgebildet sind, andererseits die Frau ganz andere Rechte haben. «Das Mannsein ist plötzlich nicht mehr so gewaltig.» Schönauer beobachtet dann oft einen Rückzug der Männer auf die Religion. Diese wird dann ganz wichtig. «Nicht dass sie deswegen gewalttätig würden, aber sie fragen sich, wo sie sich noch identifizieren können. Da bleibt oft nur die Religion.»