Kriegstetten
Sie hat einen Mäuserich zum Leben erweckt

Karin Norup aus Kriegstetten ist Kinderbuchautorin. Diesen Sommer ist das erste Buch der 45-Jährigen erschienen - über die Abenteuer von Mäuserich Benjamin.

Sabine Gfeller
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Karin Norup erzählt von «Benjamins Abenteuer»

Karin Norup erzählt von «Benjamins Abenteuer»

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Gemütlich einen Kaffee trinken und seine Nase in ein Buch stecken. Karin Norup geniesst eine solche Entspannung hier und da ebenfalls. Die 45-Jährige lässt ihre Nase jedoch manchmal auch in einem Kinderbuch verschwinden. Oder die Kriegstetterin schreibt gleich selbst Geschichten. «An Weihnachten schicke ich meinen Verwandten und Freunden immer eine Karte mit einer Kurzgeschichte», sagt sie. Diesen Sommer ging eine ihrer Geschichten gar an eine breitere Öffentlichkeit. Die Rede ist von Karin Norups erstem Buch «Benjamins Abenteuer», das im Juli erschienen ist.

Mit dem Hund draussen in der Natur, wurde sie zu ihrer ersten publizierten Geschichte inspiriert. «Auf einem Spaziergang kommt man zum Nachdenken. Gedanken spinnen sich. Aus den Gedankengängen bildet sich eine Geschichte, zum Beispiel diejenige über den Mäuserich Benjamin.» Allerdings: «Bis ich meine Ideen auf Papier bringen kann, ist ein Teil der Geschichte bereits wieder verflogen.» Gleichwohl entstand aus einem ideenreichen Spaziergang eine komplette Kinderbuchgeschichte. In «Benjamins Abenteuer» erzählt die Mutter eines Kindes die Entstehung einer Freundschaft zwischen einem Mäuserich und einer Mäusedame. Detailreiche Illustrationen der Schwedin Annika Svensson begleiten den Text.

Mit schwedischer Künstlerin

«Als ich die Geschichte zu Benjamins Abenteuer verfasst habe, sah ich die Bilder dazu vor mir», erinnert sich Autorin Norup. In meinem Kopf hatte ich eine klare Vorstellung der Illustration. Jedoch fehlte mir für die Umsetzung das gestalterische Talent. Da kam ich auf unsere schwedische Freundin Annika Svennson. Da mein Mann aus Skandinavien stammt, besitzen wir in Schweden ein Ferienhaus», erzählt Norup. Bei Besuchen bei schwedischen Bekannten habe sie Werke der Künstlerin gesehen. Diese lässt sich inspirieren von der traditionellen europäischen Kunst. Stilistisch folgt sie dem Realismus, inhaltlich gehen die Arbeiten Richtung Surrealismus. Svensson paraphrasiert und karikiert Werke alter Meister. Sofort war Norup von Svenssons Stil begeistert.

Weil Svensson in Schweden lebt und es bis jetzt keine schwedische Übersetzung der Kindergeschichte gibt, besprachen die Frauen die Ausgestaltung der Bilder über Telefon und Mail. Erstaunlich gut konnte die schwedische Künstlerin Norups Vorstellungen bildlich exakt wiedergeben. «Die erste Bildbesprechung fand in Schweden statt», erzählt Norup. Die weitere Entwicklung erfolgte durch die Künstlerin ebenfalls in Schweden. Nun verbindet die gelernte Dentalassistentin nicht nur ihr Mann mit Schweden, sondern auch die bildliche Begleitung ihrer in Buchform veröffentlichten Geschichte.

Maus darf keinen Wein trinken

Den passenden Buchverlag zu finden, ist nicht einfach. «Vom bekanntesten Bilderbuchverlag Nord-Süd bekam ich ein schlichtes Nein als Antwort, ohne Begründung. Beim Baeschlin-Verlag in Glarus hatte ich mehr Glück», erzählt Karin Norup. Eine tragende Rolle in der Entstehung des Buches kam einer bestimmten Verlagsangestellten zu: Die gleiche Frau, die ihr von Nord-Süd die Absage geben musste, obwohl sie persönlich die Geschichte gerne gedruckt hätte, arbeitet jetzt zufälligerweise bei Baeschlin.

Allerdings: Wie dies bei Verlagshäusern nun einmal der Fall ist, redete der Verlag noch ein Wörtchen mit. «In einer geplanten Szene ging es um den Hauskeller, der mit jeglichen Leckereien ausgestattet ist, die ein Mäuserich mag. Darunter sind jedoch Dinge, die er besser nicht konsumieren sollte. Beispielsweise den dort gelagerten Wein. Ursprünglich trinkt Benjamin von diesem, wird sturzbetrunken und sieht die feindliche Katze doppelt. Der Verlag verlangte, die Szene wegen des Suchtmittels zu streichen», erzählt Norup. «Als ich die Geschichte geschrieben habe, dachte ich nicht gleich an mein künftiges Lesepublikum. Ich fand es einfach eine lustige Szene.» Norup war anfangs ein bisschen enttäuscht über die Entscheidung, dass diese Passage gestrichen werden musste. «Schliesslich konnte ich aber damit leben.»

Zweite Geschichte wäre bereit

Eine Fortsetzung des Mäuseabenteuers habe Norup bereits geschrieben. Bei der letzten Lesung im Näijerehuus in Hersiwil fragten die kleinen Kinder ungeduldig: «Wann gibt es ein zweites Buch?» Ob das neue Abenteuer von Benjamin ebenfalls gedruckt wird, steht momentan noch in den Sternen geschrieben. «Es hängt ganz vom Erfolg des ersten Bandes ab.»