Biberist

Sie geben dem «Schnägg» für vier Jahreszeiten ein Zuhause

Fridolin Fontana, Ruth Furter, Manuela Misteli und Ueli Siegenthaler (v.l.) haben eines gemeinsam – sie sind alles ehemalige «Schnäggemüettere» und «Schnäggevättere».

Fridolin Fontana, Ruth Furter, Manuela Misteli und Ueli Siegenthaler (v.l.) haben eines gemeinsam – sie sind alles ehemalige «Schnäggemüettere» und «Schnäggevättere».

Seit 60 Jahren bereichern die Herbergsväter und -mütter mit einer Büttenrede den Hilari in Biberist.

Jedes Jahr wird in Biberist am Aschermittwoch ein «Schnäggevater» oder eine «Schnäggemuetter» erkoren. Offiziell heisst dieses fasnächtliche Ehrenamt «Herbergsvater» und «Herbergsmutter». Denn eine der Aufgaben der Väter und Mütter ist es, den «Schnägg», das Wappentier der Dorffasnacht, während des Jahres zu beherbergen. Heuer jährte sich dieses Ritual das 60. Mal.

Doch was hat eine «Schnäggemuetter», was hat ein «Schnäggevater» denn überhaupt zu tun und wie kommt sie oder er zu diesem fasnächtlichen Ehrenamt? In den Gründingsschriften der Biber-Zunft ist es klar umschrieben: «Die Biber-Zunft wurde gegründet mit dem Zweck die Dorffasnacht finanziell zu unterstützen, dem «Ämmenschnägg» ein Sommerquartier zu bieten und einen humoristischen Jahresrückblick des Dorfgeschehens zu verfassen». In aller Regel stehen die Herbergsväter und Herbergsmütter zudem in Biberist «in der Öffentlichkeit». Viele Kantons- und Gemeinderäte, Gemeindepräsidenten, Biberister Unternehmer und Wirte haben dem «Schnägg» schon Obdach gegeben. Und: Ein klein bisschen Verständnis für die Fasnacht müssen sie natürlich auch mitbringen.

Nicht jedermanns Sache

Fridolin Fontana wurde 1991, in seinem 40. Lebensjahr, als Herbergsvater auserkoren. Heute ist er derjenige, der sich Jahr für Jahr auf die Suche nach geeigneten Personen macht. Dabei bekommt er auch immer wieder Absagen. Einer der Gründe sei die Büttenrede, die am Hilari gehalten werden muss. «Nicht allen ist es gegeben, vor Publikum auf einer Bühne zu stehen und einen möglichst humoristischen Jahresrückblick zu halten», erklärt er. Zudem bringt das Ehrenamt auch finanzielle Verpflichtungen mit sich. Die neue Herbergsmutter oder der neue Herbergsvater lädt am Aschermittwoch nämlich die Biberister Fasnächtler zu einem gemeinsamen Essen ein. Das können durchaus über 100 Leute sein, die da verpflegt werden möchten. «Früher fand das in aller Regel im Privathaus des Betreffenden statt. Heute stellt Edi Walther, selbst ehemaliger Herbergsvater, die Reusser-Halle für den Anlass zur Verfügung», erklärt Fontana.

Die Fasnächtler erwarten kein Galadinner. Vielmehr geht es um das gesellige Zusammensein als Abschluss der Fasnacht. «Die Fasnächtler treffen sich während der Fasnacht eher selten, denn sie sind ja meist unterwegs und spielen oder singen für das Publikum.» Gleichzeitig wird der neue Herbergsvater oder die Herbergsmutter am Aschermittwoch mit dem blauen Umhang eingekleidet und die Proklamation für diese Person verlesen.

Schnitzelbänke fehlen

Ueli Siegenthaler ist der amtsälteste noch lebende Herbergsvater. 1977 hatte er das Ehrenamt inne. Als Gemeinderat, Kantonsrat und Unternehmer war er prädestiniert dafür. «Ich konnte, was das Politische angeht, in der Büttenrede aus dem Vollen schöpfen», meint er. Als Politiker sei ihm das Reden vor Publikum nicht allzu schwer gefallen. Heute nimmt er an Hilari zwar noch an der Generalversammlung der Biber-Zunft teil. Den Hilari selbst besucht er aber meist nicht mehr. «Oft ist es mir zu laut im Saal und ich vermisse die Schnitzelbänke.» Gerne erinnert sich Siegenthaler aber an die Dorffasnacht im St. Urs. «Da tanzten wir an drei Tagen immer an einem anderen Ball. Der St. Urs war immer proppenvoll.»

Oft ein spontaner Entscheid

Manuela Misteli ist die amtsjüngste Herbergsmutter. Sie hat spontan zugesagt, als sie angefragt wurde, ob sie als Herbergsmutter amten würde. «Das war auch gut so», lacht sie. In Solothurn aufgewachsen ist sie mit der Fasnacht verbunden und kennt auch die Biberister Fasnacht schon lange. «Wir waren am Sonntag immer in Biberist am Umzug und am Dienstag dann in Solothurn», erklärt sie. Noch frisch sind ihre Erinnerungen an den diesjährigen Hilari. «Die grosse Öffentlichkeit bekommt eigentlich gar nicht mit, was da alles passiert.» Das sogenannte «Schnägg erwecke» habe sie sehr berührt. «Wir waren zu Hause und warteten auf die Gruppe, die uns abholen und gemeinsam mit dem «Schnägg» zur Biberena führen sollte. Plötzlich waren die Tambouren draussen im Quartier zu hören. Das Platzkonzert, die Riesenrätschen, die gedreht wurden und das Abfeuern der drei Böllerschüsse ist sehr speziell.»

Fridolin Fontana, Ueli Siegenthaler und Ruth Furter nicken bei dieser Aussage mit dem Kopf. Ruth Furter war 1998 die zweite Herbergsmutter. Auch sie sagte spontan zu, als sie angefragt wurde, ohne genau zu wissen, was alles auf sie zukommt. «Ich habe es nicht bereut», lacht sie. Sie sei so zur Fasnächtlerin geworden und ist auch heute treuer Gast an den Anlässen in Biberist und zudem Zunftmeisterin der Biber-Zunft.

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