Luterbach

Shrimps-Produzenten haben zwei Standorte im Blickfeld

Die in Luterbach stationierte Pilotzucht fangfrischer Garnelen läuft nach Plan. Wo die Swiss Shrimp AG künftig produzieren will, ist aber nicht sicher. Der Standortentscheid soll dieses Jahr gefällt werden. Zwei sind in der Endauswahl.

«Wir sind im Fahrplan. Im Juli werden wir die ersten fangfrischen Shrimps ernten können.» Michael Siragusa spricht voller Feuer und versprüht Optimismus. Er ist Chemiker und Produktionsleiter der Swiss Shrimp AG. Die Jungfirma betreibt in der leerstehenden Hefefabrik der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard in Luterbach eine Pilotanlage für die Zucht von fangfrischen Garnelen – genauer von Litopenaeus vannamei, zu Deutsch Weisser pazifischer Shrimps.

Nach vier Jahren Tüfteln an technischen Lösungen für die Garnelenzucht im Binnenland Schweiz, Erarbeiten zahlreicher Businesspläne und Auftreiben von Investoren und Gönnern für die Aufbauphase sollten also im Sommer die ersten «Produkte» erhältlich sein. Der 34-jährige Siragusa und seine fünf Kollegen haben dafür Tausende, unbezahlte Arbeitsstunden in ihrer Freizeit aufgewendet.

Degustation im Sommer

Im vergangenen Dezember sind die ersten rund 2000 Larven aus Florida eingetroffen (wir berichteten). Monat für Monat folgen neue Larven, ihre «Vorgänger» werden dann jeweils ins nächstgrössere Zuchtbecken umgesiedelt, wie Siragusa in der Pilotanlage demonstriert. «Bis jetzt haben sich die Larven gut entwickelt.» Allerdings sind die ältesten Shrimps noch klein, nur einige Zentimeter gross. Das sei normal, sagt der Betriebsleiter und zeichnet auf einer Grafik mit Zeit- und Gewichtsachse das Wachstum auf. In den ersten drei Monaten passiere nur wenig, dann aber nehmen die Shrimps an Länge und Gewicht exponenziell zu. Nach 26 Wochen sind die Garnelen 25 bis 30 Gramm schwer und mindestens zehn Zentimeter lang.

Der Testbetrieb ist auf rund 24 Monate ausgelegt, also bis Ende 2016; jährlich wollen die Jungunternehmer zwischen 300 und 400 Kilogramm Shrimps produzieren. Diese sind aber nicht für den Verkauf vorgesehen, sondern sollen zu Degustationszwecken in der Gastronomie, im gehobenen Detailhandel und im Fischfachhandel eingesetzt werden. Siragusa: «Erste Gespräche mit interessierten Abnehmern haben wir bereits geführt.»

Marktpotenzial: 400 Tonnen

Ende 2017 soll dann die industrielle Produktion gestartet werden. Geplant ist eine Jahresmenge von anfänglich 30 Tonnen, im Endausbau von 100 Tonnen. Das Schweizer Marktpotenzial für hochwertige fangfrische Shrimps wird von den Initianten auf rund 400 Tonnen veranschlagt.

Zum Vergleich: Jährlich werden über 8200 Tonnen tiefgefrorene Crevetten importiert. Dass das Potenzial für Shrimps made in Switzerland nicht höher angesetzt ist, dürfte wohl auch mit dem Preis zusammenhängen. Die Shrimps-Produzenten rechnen mit einem Verkaufspreis von deutlich unter 100 Franken. Bei Grossverteilern und Discountern liegen die Preise für vergleichbare tiefgefrorene Ware zwischen 25 und 70 Franken.

Arealsuche weit fortgeschritten

Auch wenn der Pilotbetrieb nun zufriedenstellend läuft, bleiben die Herausforderungen für das Team gross. Um die sich selbst auferlegten ökologischen Produktionsbedingungen erfüllen zu können, wird ein geeigneter Standort gesucht. «Wir brauchen eine Halle in einer Industriezone mit mindestens 2000 Quadratmetern Fläche und einen nahegelegenen Betrieb, welcher die Abwärme für die Aufrechterhaltung der Wassertemperatur des Salzwassers liefert», erklärt Swiss-Shrimp-Geschäftsführer Rafael Waber, der inzwischen auch bei der Pilotanlage in Luterbach eingetroffen ist. «Mit zehn interessierten Industriepartnern in den Kantonen Solothurn, Bern, Aargau und Schwyz haben wir inzwischen Gespräche geführt. Noch zwei sind in der Endauswahl», sagt Waber.

In welcher Region? «In den erwähnten vier Kantonen.» Der Entscheid soll noch im laufenden Jahr gefällt werden. Ebenfalls bei den Anlagebauern könne man unter drei geeigneten europäischen Anbietern auswählen.

Gesucht sind vier Millionen

Das alles verschlingt Geld, viel Geld. Deutlich mehr als die runde Viertelmillion Franken, welche die Aufbauphase bislang gekostet hat. Waber rechnet mit rund 4 Millionen Franken, davon allein 3 Millionen für Investitionen. Die gilt es, nun aufzutreiben. Es sei seit dem Start des Projektes gelungen, ein dichtes Netzwerk aufzubauen. Ob die Finanzierung über Eigenkapital, Fremdkapital oder über eine Mischung erfolgen werde, sei noch offen. Denkbar sei auch eine Finanzierung über Crowdfunding. An «Fans», die das Businessmodell mit kleinen oder grösseren Beiträgen unterstützen würden, sollte es nicht fehlen, sagen die beiden Mitinitianten lachend.

Doch bis es so weit ist, ist weiterhin «Knochenarbeit» gefragt. Siragusa und Waber öffnen die Tür zur Pilotanlage und beginnen mit der Routinearbeit. Das sechsköpfige Team ist abwechslungsweise täglich vor Ort, um unter anderem die Fütterung der Kleinsttiere und die Wasserqualität zu überprüfen. Kommentar Seite 20

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