Flumenthal
Senioren-Wohnprojekt auf Filetstück löst Irritationen aus

Der Flumenthaler Ernst Würsch will für seine Gemeinde ein Wohnprojekt für Senioren realisieren. Dafür braucht er das schönste, noch unbebaute Land im Dorf. Das löste einige Irritationen aus.

Urs Byland
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Ernst Würsch steht auf dem Land, das er für das Projekt Wohnen im Alter von der Gemeinde haben will. Im Hintergrund ist das Schulhaus zu sehen.

Ernst Würsch steht auf dem Land, das er für das Projekt Wohnen im Alter von der Gemeinde haben will. Im Hintergrund ist das Schulhaus zu sehen.

Hanspeter Bärtschi

Der Griff ans Filetstück des Gemeindelands hat in Flumenthal kurzzeitig Irritation ausgelöst. Die Behörden fühlten sich etwas überrumpelt, als plötzlich das Landstück südlich des Schulhauses für ein Projekt «Wohnen im Alter» anbegehrt wurde. Nun hat der Gemeinderat wieder alles im Griff. «Wir stehen heute zum Projekt, wenn die von uns formulierten Rahmenbedingungen eingehalten werden», sagt Gemeindepräsident Christoph Heiniger. Werden die Bedingungen erfüllt, werde der Gemeinderat auch einen positiven Antrag für die ausserordentliche Gemeindeversammlung schreiben.

Wie Heiniger selber sagt, sei die Idee mit dem Standort bei der Schule anfangs nicht auf enthusiastische Unterstützung der Behörden gestossen. «Es gehört zu meiner Rolle, die finanziellen Risiken für meine Gemeinde niedrig zu halten», erklärt beispielsweise dazu Heiniger. Deshalb stelle er die kritischen Fragen lieber jetzt. «Das hat nichts mit den Personen zu tun, die hinter dem Projekt stehen. Ich muss einfach die Gemeinde vertreten.»

Druck gabs immer

Initiant Ernst Würsch, in der Gemeinde bestens vernetzt, nimmt es gelassen. «Am Anfang gab es gewisse Gruppen, die das ihrer Ansicht nach beste Land nicht mit einem Projekt Wohnen im Alter verbauen wollten. Dieser Druck war immer vorhanden. Mir wurde auch geraten, dieses Projekt nicht zu machen.» Das ist Vergangenheit. «Wir haben heute bestes Einvernehmen mit den Behörden. Es läuft hervorragend.»

Bedenken, sagt auch der Gemeindepräsident, seien immer wieder geäussert worden. Etwa ob der Standort direkt neben der Schule geeignet sei, für ein Wohnen im Alter. Damit hat sich Initiant Ernst Würsch schon vor 35 Jahren auseinandersetzen müssen. Denn er wohnt ebenfalls gleich neben der Schule. Für eine Erschliessung des «Filetstückes» müsste er gar etwas von seinem Land hergeben. «Als ich baute, musste ich einen Grundbucheintrag unterschreiben, nie wegen Schullärm eine Beschwerde zu führen. Diesen Eintrag wird es auch beim Projekt Wohnen im Alter geben.»

Weitere Bedenken gab es, weil das Land, das heute in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen liegt, umgezont werden müsste. Eine Vorprüfung beim Kanton habe eine Zusage ergeben, berichtet Ernst Würsch. Er habe die Bedenkenträger zudem überzeugen können, dass die Gemeinde dieses Land in absehbarer Zeit nicht in eine Wohnzone umzonen könnte.

Drei Seiten Bedingungen

Die Rahmenbedingungen hat der Gemeinderat an der letzten Sitzung diskutiert und ausformuliert. Das Werk umfasst drei Seiten. Detailliert will der Gemeindepräsident nicht davon berichten. Die Initianten für das Projekt Wohnen im Alter werden brieflich dazu informiert. «Die Initianten können nun schauen, dass die vom Gemeinderat beschriebenen Bedingungen erfüllt werden», erklärt Heiniger. Abweichungen müssten mit dem Gemeinderat besprochen werden. Die Anforderungen seien vor allem baulicher und finanzieller Art.

So will man auf dem sonnigen Hang mit Aussicht keinen Kaninchenstall, sondern einen akzeptablen Bau. «Thema ist auch eine allfällige Etappierung.» Geplant seien zwei Wohneinheiten mit je 14 Wohnungen. «Mit welcher Wohneinheit wird gestartet, wo erfolgt die Erschliessung, sind etwa Punkte, die behandelt wurden.» Finanziell enthalten die Rahmenbedingungen bereits eine Grössenordnung für den Baurechtszins. Weiter stellt die Gemeinde einen Betrag à fonds perdu von 50 000 Franken aus einem Legat zur Verfügung. «Mehr ist nicht möglich», sagt Heiniger.

Ernst Würsch ist voller Zuversicht, die vom Gemeinderat formulierten Rahmenbedingungen erfüllen zu können. «Wir wären heute schon viel weiter, wenn nicht das Projekt der Aare Seeland mobil dazwischengekommen wäre.» Zuversicht schöpft er auch aus Gesprächen mit Interessierten. «Die erste Einheit beinhaltet 14 Wohnungen, davon werden sechs als Eigentumswohnungen verkauft. Die restlichen verwaltet eine gemeinnützige Genossenschaft. Ich habe heute schon beinahe doppelt so viele Interessenten wie Wohnungen.» Leute, auch Heimweh-Flumenthaler, hätten sich gemeldet.

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