«Der Nutzen ist im Vergleich mit den Ausgaben viel zu gering», fasst Gemeindepräsidentin Silvia Spycher die Meinung im Gemeinderat zusammen. Der Mietvertrag für das Jugendtrefflokal an der Kronengasse 1 soll auf den 30. September 2016 gekündigt werden.

Der Gemeinderat geht sogar noch weiter und will den mit der Gemeinde Bellach und dem Schulkreis BeLoSe bestehenden Vertrag über die Zusammenarbeit in der Jugendarbeit auf den 31. Dezember 2016 kündigen.

Die Gemeindepräsidentin soll mit der Einwohnergemeinde Bellach abklären, ob der Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen allenfalls bereits auf einen früheren Zeitpunkt (Ende Schuljahr 2015/2016) aufgelöst werden kann.

Geht man auf die Suche nach den Gründen, dringt man kaum unter die Oberfläche. «Die Nachfrage der Jugendlichen für diese Angebote ist in Selzach einfach nicht vorhanden», sagt beispielsweise die Gemeindepräsidentin.

«Es wurden immer wieder verschiedene Dinge angeboten, die aber von den Jugendlichen in Selzach nicht genutzt wurden», berichtet Andreas Hänggi, Gesamtleiter des Schulkreises BeLoSe (Bellach/Lommiswil/Selzach).

Als Beispiel nennt er den Mädchenraum im Selzacher Pfarreizentrum. «Die Jugendarbeit unternahm drei Anläufe, aber konnte nichts bewirken.» Die aktuellen Jugendlichen seien nicht interessiert.

«Da macht es für die Gemeinde wenig Sinn, Geld für nichts auszugeben.» Die Konsequenz des Selzacher Entscheides könne er nicht abschätzen. «Wir führen nur aus, was die Gemeinden beschliessen.»

Viel versucht

Gründe, weshalb gerade die Selzacher Jugendlichen die Jugendarbeit nicht nutzen, werden nicht gesucht. Andreas Tiersbier, Jugendarbeiter in Bellach und Selzach, wurde vom Entscheid des Selzacher Gemeinderates überrascht.

«Es ist schon so, ich habe in Bellach mehr Projekte, die erfolgreich laufen, als in Selzach», erklärt er. Man mache dort mehr Angebote, wo die Jugendlichen erreicht würden.

Andererseits würden Selzacher Jugendliche das Angebot in Bellach mitnutzen. Der Sinn der Jugendarbeit in Selzach werde schon seit Jahren hinterfragt. Im April habe er nochmals versucht, die Selzacher Jugendlichen stärker zu beteiligen.

70 Schülerinnen und Schüler habe er angeschrieben und sie zum Jugendmitwirkungstag eingeladen. Gekommen seien dann 5 Jugendliche und entstanden seien daraus 3 Projekte.

«Man sollte Jugendarbeit nicht von Dorf zu Dorf entscheiden», ist er grundsätzlich überzeugt. Letzten Endes sei es eine Frage der Ressourcen. So treffen sich die Jugendlichen sowohl in Bellach als auch in Selzach jeweils am Mittwoch.

«Ich kann mich nicht zweiteilen.» In Selzach habe er deshalb zusammen mit Jugendarbeit der Reformierten Kirchgemeinde Solothurn ein Angebot aufgezogen.

«Seit den Sommerferien ist die Mitarbeiterin nicht mehr da. Bis jetzt konnte keine Nachfolgerin gefunden werden. Das Angebot ist zusammengebrochen.»

Hier hakt Selzachs Gemeindepräsidentin Silvia Spycher ein. «Vielleicht braucht es nur einen Ort in Bellach für die Jugendlichen und nicht zwei Räume in zwei Gemeinden.

Vielleicht müssen wir auch die Jugendarbeit neu aufgleisen. Ich will aber nicht die Arbeit des Jugendarbeiters kritisieren, er engagiert sich sehr.»

Abbau der Jugendarbeit?

Man hoffe, dass mit diesem Entscheid, die Jugendarbeit nicht ganz «sterbe», war im Gemeinderat des 3000-Seelen-Dorfes auch zu hören, sondern nach einer Bedürfnisabklärung wieder aufgegleist wird. Die Gemeindepräsidentin soll mit ihrem Bellacher Amtskollegen einen Weg suchen.

Dieser wurde vom Entscheid im Gemeinderat Selzach ebenfalls überrascht. Anton Probst wird nun das Gespräch mit Selzachs Gemeindepräsidentin und dem Gesamtschulleiter BeLoSe suchen.

Ihm sei aber klar, dass Bellach die 80-Prozent-Anstellung des Jugendarbeiters nicht wird halten können.

«Entweder findet sich eine gemeinsame Lösung oder wir müssen die Jugendarbeit in Bellach selber entscheiden.» Das wäre sicher mit einer Pensenreduktion verbunden.