Singkreis Wasseramt
Seit 60 Jahren hält Singen jung: Zum Jubiläum gibt's allerdings ein Requiem

Der Singkreis Wasseramt feiert sein 60-jähriges Bestehen mit dem Requiem von Andrew Lloyd-Webber. Schon vor 20 Jahren wurde dieses mit überwältigendem Erfolg erstmals in der Region Solothurn aufgeführt.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Anlässlich des Konzertes zum 50. Geburtstag, vor zehn Jahren also, ist diese Aufnahme des Singkreises entstanden. archiv/sz

Anlässlich des Konzertes zum 50. Geburtstag, vor zehn Jahren also, ist diese Aufnahme des Singkreises entstanden. archiv/sz

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Was im Wohnzimmer von Stubers in Biberist vor 60 Jahren begann, dass sich nämlich ein paar Freunde zum zwanglosen Singen trafen, ist heute zu einem der wichtigsten Chöre des Kantons Solothurn geworden: zum Singkreis Wasseramt. Damals, 1957, ging es erst einmal darum, dass die sangesfreudigen Kollegen und Freunde musikalische Beiträge zu Gottesdiensten und Abendmusiken beisteuern konnten. Das Chörlein entwickelte sich stetig, wurde ehrgeiziger und die Musikliteratur anspruchsvoller, bis 1967 der erste Chorleiter Kurt Ehrsam die inzwischen 20-köpfige Sängerschar unter seine Fittiche nahm.

Seit 28 Jahren Dirigent Oberholzer

1989 konnte der Gesangsverein seinen heute noch engagierten Dirigenten Markus Oberholzer als musikalischen Leiter gewinnen, und mit ihm wuchsen auch die musikalischen Herausforderungen weiter an. «Mit diesem Chor ist es möglich, immer wieder neue, unbekanntere Werke aufzuführen – auch immer wieder in Zusammenarbeit mit anderen regionalen Chören», sagt Oberholzer stolz.

Anspruchsvoll ist denn auch das Konzert zum 60-jährigen Bestehen, welches am kommenden 18. und 19. November zur Aufführung kommt. Es ist das Requiem des englischen Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber: Ungewohnte Rhythmen, viele Dissonanzen und schwierige Choreinsätze lösen sich ab. Eine musikalische Herausforderung, wie gemacht für den 90-köpfigen, gut ausgebildeten Singkreis Wasseramt. Der Chor hat insbesondere viel Erfahrung mit der Aufführung von Musik aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Schon vor 20 Jahren wurde dieses Lloyd-Webber-«Requiem» mit überwältigendem Erfolg erstmals in der Region Solothurn aufgeführt. Seither hat sich kein anderer Chor aus der Umgebung an dieses schwierige, aber spannende Werk herangewagt – ein Grund genug für den Dirigenten Markus Oberholzer, dieses Werk zum 60-jährigen Bestehen des regionalen Kammerchors wieder aufzuführen.

Beim Probenbesuch in der reformierten Kirche in Kriegstetten spürt man denn auch sofort, wie eng Chor und Dirigent zusammenarbeiten.

Nur knappe Anweisungen von Oberholzer genügen, und sofort stimmen die richtigen Sänger ein. Jede Probe beginnt mit ausführlichen Atem- und Stimmübungen. «ffff...ttt...sch...», «Oja, oja, oja...». Sodann wird konzentriert und intensiv gesungen, korrigiert, wiederholt, gefeilt – bis sich die Wohltat der musikalischen Harmonie ausbreitet. Alle Stimmen sind hier sehr gut besetzt – auch der Tenor und der Bass. Es singen alle Altersgruppen: junge, mittelalterliche und ältere Mitglieder.

Lloyd Webber und Brahms

Der englische Komponist Andrew Lloyd Webber hat neben seinen bekannten Musicals wie «Cats» oder «Jesus Christ Superstar» auch tiefsinnige Musik geschrieben. Sein 1985 uraufgeführtes «Requiem» wurde ein Jahr später mit einem Grammy für die beste zeitgenössische klassische Komposition ausgezeichnet. Dieses Werk wird am Konzertabend von Johannes Brahms’ erstem Satz aus seinem «Deutschen Requiem» umrahmt. Ein Werk, das durch Stellen von überirdischer musikalischer Schönheit berührt. Oberholzer zeigt nun mit der Programmierung dieser Musikstücke aus so unterschiedlichen Epochen erstaunliche Ähnlichkeiten auf. Die beiden liegen 120 Jahre auseinander. «Lloyd Webber hat sein Requiem auf den Tod seines Vaters hin und Brahms sein ‹Deutsches Requiem› auf den Tod seiner Mutter geschrieben, die 1865 starb.»

Jubiläumskonzert

Konzert am Samstag, 18. Nov., 20 Uhr und Sonntag, 19. Nov., 17 Uhr in der kath. Kirche Kriegstetten.

Solisten sind: Amelia Scicolone, Sopran; Charlotte Günther, Kindersopran; Simon Witzig, Tenor. Es spielt die Kammerphilharmonie Europa.

Vorverkauf unter: www.singkreis.ch oder Montag bis Freitag zu Bürozeiten unter Tel. 0900 320 320.

Eintritt: Fr. 55.–/45.–/35.– Abendkasse eine Stunde vor Konzertbeginn.

Lisa Brudermann (18) aus Selzach singt seit dem letzten Jahr, seit der Aufführung von Carmina Burana, mit im Singkreis. «An der Kantonsschule hatte ich Sologesangsstunden belegt. Daraufhin hat Markus Oberholzer mich und drei andere Mitschülerinnen gefragt, ob wir nicht im Singkreis mitmachen möchten.» Sie findet das Singen im Chor überwältigend. «Ich wurde hier sehr gut aufgenommen und wir haben es auch lustig zusammen», schwärmt sie. Lloyd-Webbers Requiem sei sehr spannend, aber auch sehr berührend.

Lisa Brudermann (18) aus Selzach singt seit dem letzten Jahr, seit der Aufführung von Carmina Burana, mit im Singkreis. «An der Kantonsschule hatte ich Sologesangsstunden belegt. Daraufhin hat Markus Oberholzer mich und drei andere Mitschülerinnen gefragt, ob wir nicht im Singkreis mitmachen möchten.» Sie findet das Singen im Chor überwältigend. «Ich wurde hier sehr gut aufgenommen und wir haben es auch lustig zusammen», schwärmt sie. Lloyd-Webbers Requiem sei sehr spannend, aber auch sehr berührend.

frb
Emmy Stuber (82) aus Lohn gehört zu den ersten Sängerinnen im Singkreis. «Seit 1965 bin ich mit dabei», erzählt sie. «Wir sangen Volkslieder, aber auch Werke von Schütz oder Froidevaux. Ich bin immer noch mit dabei, denn hier treffe ich meine Freundinnen und Freunde. Zudem ist es schön, zu singen. Wenn ich müde bin und dann zur Singprobe gehe, bin ich wieder aufgestellt und frisch.» Das «Requiem» von Lloyd Webber kennt sie gut. «Wir singen es jetzt schon das dritte Mal. Es ist manchmal ‹grausam›, geht sehr in die Tiefe und hellt sich wieder auf.»

Emmy Stuber (82) aus Lohn gehört zu den ersten Sängerinnen im Singkreis. «Seit 1965 bin ich mit dabei», erzählt sie. «Wir sangen Volkslieder, aber auch Werke von Schütz oder Froidevaux. Ich bin immer noch mit dabei, denn hier treffe ich meine Freundinnen und Freunde. Zudem ist es schön, zu singen. Wenn ich müde bin und dann zur Singprobe gehe, bin ich wieder aufgestellt und frisch.» Das «Requiem» von Lloyd Webber kennt sie gut. «Wir singen es jetzt schon das dritte Mal. Es ist manchmal ‹grausam›, geht sehr in die Tiefe und hellt sich wieder auf.»

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