Wenn man von grassierendem Fasnachtsfieber reden kann, so trifft dies mit Sicherheit auf Sonja und Ernst Schläfli zu. Sieben gefüllte Ordner beleuchten mittlerweile das fasnächtliche Engagement – heuer zum 44. Mal – des Ehepaars. Seit geraumer Zeit sind die obligaten Ferien für die diesjährigen Fasnachtstage eingegeben, und die Schnitzelbänke samt Zeichnungen liegen fixfertig bereit. Verraten wird von deren Inhalt mit «Weltgeschehen» nichts Konkretes.
«Das Virus wurde mir als Luzernerin in die Wiege gelegt», sagt Sonja Schläfli lachend. 1976 erfreuten sie erstmals mit der Schnitzelbank- und Musikgruppe «Böösi Müüler» die damals noch rund 14 Beizen in Biberist und Lohn-Ammannsegg. Als sich diese zu einer reinen Gugge entwickelte, gründeten die beiden bestandenen Fasnächtler die Schnitzelbankgruppe «Hirnibicker», der sie volle 20 Jahre federführend angehörten. Als talentierte Hobby-Schneiderin nähte Sonja Schläfli mit Hilfe der Mitmachenden jedes Jahr fantasiereiche, neue Kostüme.

Alljährlich mit den Gruppen am Fasnachtsumzug mit einem Wagen aufzuwarten, war Ehrensache. «Damals konnte man sich im Vorbeigehen beim St. Urs noch ein Bier ergattern», blickt Ernst Schläfli zurück. Nur ein einziges Mal hätten sie am Umzug nicht mitgewirkt. «Ich stand am Strassenrand, schaute zu und beschloss, wieder mitzumachen», sagt er. Seine Ideen und Zeichnungen für den Wagenbau, der lange Jahre im alten «Tschumi-Bauernhaus» an der Hauptstrasse vor sich ging, hat er alle aufbewahrt.

Eine zusätzliche Aufgabe ergatterten die «Hirnibicker» anlässlich eines Mittagessens mit den Wagenbauern im Restaurant Rössli. Der Wirt fragte sie kurzerhand, ob ihm die ideenreichen Fasnächtler die Wirtsstube entsprechend dekorieren könnten. Sie sagten zu und durften dafür im Keller des Restaurants proben. Im Haus der Schläflis konnten sich die «Hirnibicker» über Jahre umziehen, schminken und zum Teil sogar übernachten. «Bei uns sah es jeweils wie auf einem Schlachtfeld aus», bemerkt Sonja Schläfli mit Humor.

10 Jahre «Schnitzu-Gruftis»

Mittlerweile feiern Sonja und Ernst Schläfli bereits wieder 10 Jahre mit ihrer letzten Formation, dem Duo «Schnitzu-Gruftis», musikalisch ausgestattet mit Waschbrett und Kazoo sowie Saxofon. Unzählige Stunden haben sie auch hier mit Dichten und Zeichnen investiert. Zu zweit am sonntäglichen Fasnachtsumzug teilzunehmen, ist noch immer Ehrensache, nur der grosse Wagen ist kleiner geworden. Das Treiben zu geniessen bedeutete selbst kein Hindernis, als sich Sonja Schläfli vor acht Jahren kurz vor Fasnachtsbeginn den Knöchel brach. Ihr Ehemann chauffierte sie im Rollstuhl durch Biberists Strassen und Beizen. Am Hilari erheitert das Duo jeweils die Besucher mit einer kleinen Show. Heuer reflektierten sie auf «YMCA», wie es bei ihnen zu Hause nach 39 Ehejahren etwa zugeht. Freuen über die «Schnitzu-Gruftis» dürfen sich nicht nur die Besucher der Beizenfasnacht, auch dem Alters- und Pflegeheim Heimetblick wird ein Besuch abgestattet.

Die Fasnacht beginnt übrigens noch immer vor der Chesslete mit einem währschaften Zmorge – wobei auch der Kaffee-Fertig nicht fehlt – jeweils bei Schläflis zu Hause. «Fasnacht ist einfach unser Hobby» resümiert Sonja Schläfli. «Gruftis» hin oder her.