Luterbach

Seit 40 Jahren Samichlaus: «Manchmal muss man sich schon zusammenreissen»

Die Utensilien, die Rolf Lehmann als Samichlaus braucht, werden während des Jahres säuberlich verräumt.

Die Utensilien, die Rolf Lehmann als Samichlaus braucht, werden während des Jahres säuberlich verräumt.

Rolf Lehmann ist seit 40 Jahren in Luterbach als Samichlaus unterwegs.

In den Tagen um den 6.Dezember spielt sich in vielen Stuben dasselbe Szenario ab: Die Familie sitzt am Tisch, isst Grittibänze, Nüsse und Mandarinli. Die Kinder sind unruhig, rennen immer ans Fenster, die Erwachsenen blicken regelmässig auf die Uhr. Plötzlich hört man draussen ein Bimmeln gefolgt von einem lauten Klopfen an die Tür.

Der Samichlaus kommt! Begleitet wird er von seinem Gehilfen Knecht Ruprecht, manchenorts auf Wunsch vom Schmutzli. In vielen Gemeinden ist er schon am 5. Dezember unterwegs. So auch in Luterbach, wo der 57-jährige Rolf Lehmann dieses Jahr zum 40. Mal von Haus zu Haus geht. «Es gibt Familien, wo inzwischen die 3. Generation vor mir steht», so Lehmann. Mit 18 Jahren hatte er als Jungwacht-Leiter seinen ersten Einsatz als Samichlaus. Seither hat er in den vergangenen 40 Jahren an keinem einzigen Samichlaus-Anlass gefehlt. Und noch immer sieht er die Einsätze als eine Herausforderung: «Wenn man vor der Tür steht, weiss man nie genau, was einen drinnen erwartet.» Es sei faszinierend: Normalerweise lasse man keine Fremden ins Haus, aber der Samichlaus und seine Weggefährten seien immer willkommen.

Der Treffpunkt ist immer vor der Kirche

In Luterbach startet die Tradition seit über 20 Jahren mit einem besonderen Ritual: Zuerst trifft man sich vor der Kirche. Der Samichlaus wartet drinnen, bis ihn die Kinder nach draussen rufen. Mit dem Auszug, welcher jeweils von einer Geschichte über den Bischof von Myra - erzählt durch Alt-Pfarreirat Philipp Zoller - begleitet wird, beginnt dann die Tour von Haus zu Haus. Lehmann versucht, möglichst stressfrei unterwegs zu sein: «Bin ich bei einer Familie, dann lasse ich mir Zeit. Pressiert wird nur zwischen den Familien.» Er gibt aber zu, dass er bei den Besuchen manchmal schon die Komfortzone verlassen müsse: «Wenn man mit dickem Mantel schwitzend in einem Wohnzimmer, welches mit einem Cheminée zusätzlich geheizt wird, ausharren muss, während ein Kind, das noch kaum Geige spielen kann mit Freude, aber falschen Tönen uns was vorspielt, dann muss man sich schon zusammenreissen.»

Der Samichlaus braucht aber vor allem viel Fingerspitzengefühl. Wichtig sei, wie man das Haus betrete. Das laute Klopfen gehöre zwar dazu, aber sobald er den Kindern gegenüberstehe, versuche er sanft zu wirken. Er ist immer wieder fasziniert, wie die Kinder reagieren: «Manche stehen souverän mit staunenden Augen vor uns, andere verweigern den Kontakt zu mir.» Aber egal was auf dem Zettel stehe, den er von den Eltern erhalten habe: Er stärke das Lob und stelle den Tadel positiv dar.

Es gebe nicht Schlechtes nur weniger Gutes. Bei rund 10 Prozent stehe nämlich auch mal etwas auf dem Zettel, bei dem er sich ganz gut überlegen müsse, wie er das nett ausdrücken könne. So überreiche er am Schluss eine Rute mit der Bemerkung, dass diese nur winkend eingesetzt nicht als Strafe, sondern als Erinnerung daran dienen soll, was das Kind dem Samichlaus zur Besserung versprochen habe.

Die nächste Generation ist auch schon unterwegs

Wie viele Jahre Rolf Lehmann noch als Samichlaus unterwegs sein wird, kann er nicht sagen. Die grösste Leistung in diesem schönen Brauch erbringt für ihn sowieso die Jubla. Es sei keine Selbstverständlichkeit, wenn sich junge Menschen freiwillig und uneigennützig aktiv einsetzten.

Solange seine Dienste erwünscht seien und er Freude daran habe, werde er weiterhin für ein paar Stunden in diese Rolle schlüpfen. Die nächste Lehmann-Generation ist bereits im Einsatz: Die Söhne Reto (33) und Pascal (31) sind seit ein paar Jahren auch im Samichlaus-Kleid unterwegs. «Ja, der Samichlaus ist bei uns - definitiv - eine der wichtigsten Familientraditionen.»

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