Strahlend steht die Jubilarin am Samstagvormittag bereit für die Feierlichkeiten rund um ihr 300-jähriges Bestehen. Die letztjährigen Renovationsarbeiten haben der Kapelle gutgetan. Kaum zu glauben, dass sie schon so lange zum Recherswiler Dorfbild gehört. Da die Kapelle nur rund 25 Plätze fasst, wurde der Gottesdienst in einem Festzelt auf einer Wiese neben der Kapelle durchgeführt. So stand die Jubilarin zwar als solche nie richtig im Mittelpunkt des Geschehens, war aber immer präsent.

Die Messe feierten Pfarrer Ruedi Schmid sowie Diakon Dominik Meier. «Seit 300 Jahren wird in der Josefs-Kapelle gebetet und geklagt, gelobt und gesungen»: Mit diesen Worten leitete Bischof Felix Gmür sein von Diakon Meier vorgetragenes Grusswort ein. Der Bischof schrieb, dass die Mauern der Kapelle einerseits schützen, andererseits aber nicht die Wirkung von Gebeten und Feierlichkeiten nach aussen verhindern sollen.

Ort der Begegnung

Auch Pfarrer Ruedi Schmid befasste sich während des Gottesdienstes mit dem Zweck, der eine Kapelle für eine Gemeinschaft erfüllen kann. So symbolisiert die Josefs-Kapelle für ihn drei Dinge. Einerseits sei sie ein Zeichen für die Dankbarkeit für die Hilfe Gottes. Wurde die Kirche doch vor 300 Jahren als Dank für die Genesung einer beim Holzen schwer verletzten Frau errichtet. Sie sei aber auch ein Zeichen für die Gegenwart Gottes sowie ein Zeichen der Hoffnung. Hoffnung, dass genau solche Orte die Offenheit für Begegnungen fördern.

Um Begegnungen zu fördern, hat der für den Erhalt der Kapelle zuständige Kultusverein denn auch alle Recherswiler Vereine zum Fest eingeladen. Und so ergab es sich, dass nicht nur viele Gäste anwesend waren, sondern auch, dass die Musikgesellschaft Recherswil für den musikalischen Rahmen sorgte, während die Jugendgruppe Fantasia die Gästeschar bediente.

Christa Havelka, die Präsidentin des Kultusvereins Recherswil-Obergerlafingen, im sanft renovierten «Chappeli». (Archiv)

Christa Havelka, die Präsidentin des Kultusvereins Recherswil-Obergerlafingen, im sanft renovierten «Chappeli». (Archiv)

Nach dem Mittagessen blickte Rolf Späti, Vizepräsident des Kultusvereins, nochmals auf die Geschichte, die 1715 zur Errichtung der Kapelle führte, zurück. Dabei waren sich die Zuhörenden nicht ganz einig, ob nun das als Stifterin der Kapelle erwähnte Fräulein Diessbach wirklich auch diejenige Frau war, die sich damals beim Holzen so stark verletzt hatte. «Zu lange ist es her, wir mögen uns nicht mehr an alles erinnern», meinte darum Rolf Späti mit einem Augenzwinkern. Viel zu erzählen hätte die Kapelle aber bestimmt: «Immerhin war das Haus gegenüber früher ein Restaurant.»

Im Namen des Kultusvereins wünschte sich Rolf Späti zum Schluss des Festes, dass die Josefs-Kapelle auch von zukünftigen Generationen weiter gepflegt wird. Betrachtete man während des Festgottesdienstes und der Jubiläumsfeier die herumrennenden und lachenden Kinder, so zweifelte man nicht an einem Fortbestehen des Kultusvereins.