«Das darf ich sagen», kommt Hans Lüthi öfters über die Lippen. Wenn er diesen Satz gebraucht, dann weiss man, jetzt kommt eine persönliche Erfahrung des Bellacher Bauverwalters, der heute seinen Letzten feiert.

Eine Erfahrung, die sich im Lauf der Zeit erhärtet hat. Deshalb hat die Meinung von Hans Lüthi Gewicht. Er hat im Laufe seines Arbeitslebens ein immenses Wissen im Bau- und Baubewilligungswesen angehäuft. Und er hat auch das gelernt, was er anfangs vielleicht verteufelte. «Vor 55 Jahren, in meiner Schulzeit, war die EDV in weiter Ferne. Ich war nie ein Büromensch, ging gerne hinaus. Heute bestimmt der Terminkalender auf meinem Handy meinen Tagesablauf.» Gelernt hat er auch, was heute unabdingbar ist im Baubereich. «Ich habe mich damals bei der Ausbildung zum Bauverwalter noch genervt über meine Berner Professorin, bei der ich Bau-, Planungs-und Umweltrecht lernte. Ich dachte, das würde ich nie brauchen können.» Heute sitze er 80 Prozent seiner Arbeitszeit am Bürotisch, und oft ist es die «Juristerei», die ihn beschäftigt.

Ein offener Mensch

Der Zuchwiler in Bellacher Diensten ist ein offener, aber fadengerader Mensch. «Ich habe immer direkt gesagt, was meine Meinung ist.» Handkehrum sei er nie nachtragend gewesen, wenn die Leute zurückgegeben haben. Deshalb war es für den Bauverwalter, der seit 1996 in Bellach die Geschicke im Bauwesen führt, ein grosses Kompliment, als der Grüne Felix Glatz-Böni seinen Abgang mit den Worten kommentierte, er habe Hans Lüthis direkte Art sehr geschätzt.

Seine direkte Art habe mancher in den falschen Hals bekommen. In den ersten zehn Jahren habe er sich das eine oder andere Mal zu viel aufgeregt. Er sei mit den Jahren aber sicher gelassener geworden. «Man betrachtet die Dinge mit 40 anders als mit 65.»

Das Gespräch mit den Menschen sei trotzdem nie ein Problem gewesen, höchstens, dass Hans Lüthi bald einmal sagte, was nicht machbar sei. «Aber ich versuchte immer, Lösungen zu finden. Es gab Leute, die wollten das nicht, die wollten Entscheide, welche sie anfechten konnten. Ich darf aber sagen, mit Ausnahme eines Falles, der teilweise vor Bundesgericht gegen mich entschieden wurde, habe ich alle Prozesse gewonnen.» Im gleichen Atemzug betont Hans Lüthi, dass er alle Menschen gleich zu behandeln versuchte. «Ob Direktor oder kleiner Bürger. Es haben auch alle etwa gleich laut ausgerufen über den Bauverwalter Lüthi.»

Mit Leidenschaft Bauverwalter

In Münchenbuchsee war Hans Lüthi noch Tiefbauchef. Dann machte er das Diplom zum bernischen Bauinspektor und durfte im Bernischen Baubewilligungen erteilen. Es folgte der Wechsel nach Bellach. Lüthi setzte sich damals gegen 75 Mitbewerber durch und fand eine Arbeit, die ihm alles bot: «Vom Friedhof bis zu den Bächen, Wasserversorgung, Kanalisation, Strassenbau, Planung, einfach alles.» Hier konnte er all sein Wissen einsetzen. Er entwickelte eine Leidenschaft für die Arbeit als Bauverwalter. «Gleichzeitig ist man einem unheimlichen Spannungsfeld ausgesetzt. Behörden, Abläufe, die eingehalten werden müssen, und Gesetze/Reglemente, die dazu führen können, Baugesuche ablehnen zu müssen.»

Im Laufe der Jahre hat sich auf der Bauverwaltung viel geändert. «Es gibt praktisch kein Baugesuch mehr, das sich, so wie es abgegeben wurde, bewilligen lässt.» Jeder Architekt wolle für seinen Bauherrn das Optimum herausholen. «Das ist speziell im Gewerbe- und Industriebau der Fall. Ein Architekt sagte mir mal, andernorts wäre das bewilligt worden, aber man muss klar sehen, das Baugesetz ist für alle gleich. Beherzigt man dies nicht, wird man irgendeinmal die Folgen spüren.»

Bahnhof und Kreisel

Heute kann sich Lüthi über sein Wirken freuen. «Es ist schön, wenn man sieht, was man gebaut hat.» Ein neues Reservoir hier, dort ein Pumpwerk, ein neuer Bahnhof, neue Kreisel. «Das war schon immer so: Die Arbeit ist sehr herausfordernd, aber wenn sie gelingt, erhält man auch Anerkennung.» Viel Geld wurde in die Wasserversorgung investiert. «Wasser ist ein Lebensmittel, das Geld ist deshalb gut investiert.» In seiner Zeit wurden auch zwei neue Kreisel erstellt, der Franziskaner- und der Bahnhofkreisel. «Die teilweise Anordnung der Kandelaber in der Mitte der Strasse sollte eigentlich die beiden Dorfteile stärker miteinander verbinden.» Das sei nicht wirklich gelungen. Hier hoffe er nun auf Bellach Ost.

Ein Highlight war der neue Bahnhof. «Die Eingabe erfolgte bereits Anfang der 1990er-Jahre. Aber kein Mensch glaubte, dass diese Verschiebung auch realisiert werden würde.» 1996 sei das Geschäft grundsätzlich beerdigt worden. Aber mit dem Agglomerationsprogramm, welches Bellach als urbane Gemeinde einstuft, wurde das Thema wieder zum Leben erweckt.

Verpasste Chance?

Schwer verdaubar war für Hans Lüthi aber das Aus für das Recycling Center. «Alle gaben grünes Licht für das Projekt. Sogar das Amt für Umwelt wie auch das Amt für Raumplanung begrüssten das Projekt. Aber das Volk bodigte das Center mit dem Räumlichen Leitbild.» Er hat sich 2013 bei diesem Projekt etwas zurückgezogen. Einerseits belastete ihn der Tod seiner Frau. «In dieser Zeit hat mir mein Team sehr viel geholfen.» Andererseits wollte er seine Unabhängigkeit gegenüber allen Beteiligten wahren.

Lüthi bedauert, dass das Recycling Center nicht hatte realisiert werden können. «Die Firma hat jetzt den Hauptsitz nicht nach Bellach verlegt. Und das Land, auf dem das Center hätte realisiert werden sollen, wird nun ausgezont.» Tempi passati. Er habe immer gerne für die Gemeinde gearbeitet, viel Zeit investiert, obwohl er in Zuchwil lebt. Dort kann er nun seinem Hobby frönen. Hans Lüthi ist Präsident des Tennisclubs Widi. Nach der Abstimmung über den Widi-Verkauf kann er nun seinen Club an einem neuen Ort in die Zukunft führen.