Balmberg
Seilpark mit neuem Sicherungssystem, denn auch für Nervöse darf nichts schiefgehen

Der Seilpark auf dem Balmberg installiert ein neues Sicherungssystem und will so Unfällen vorbeugen. Das patentiertes System gewährleistet, dass stets einer von zwei Karabinern geschlossen ist.

Christof Ramser
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Wer 20 Meter über dem Waldboden über ein dünnes Stahlseil balanciert, braucht starke Nerven – und eine gute Portion Vertrauen. In einem Seilpark, wo der Adrenalinkick zum Geschäftsmodell gehört, liefert man sich den Betreibern aus. Die Anlagen müssen gewartet sein, nichts darf reissen. «Die Sicherheit der Kunden ist für uns zentral», sagt Bele Schmid, Leiter des Seilparks auf dem Balmberg.

Nach Schlagzeilen, in denen die Sicherheit im Seilpark angezweifelt wurde, kann Schmid ein Lied davon singen. Die Vorwürfe waren gemäss den Betreibern unberechtigt; nie habe jemand in Gefahr geschwebt. Und auch auf die Besucherzahlen hätte sich die Negativpresse nicht ausgewirkt. «Im Gegenteil, die Leute fanden, die Kritik war unangebracht.»

In neun Jahren Betrieb sei im Seilpark niemand ernsthaft verunfallt. Trotzdem wurde auf die neue Saison, die übermorgen Sonntag startet, in die Sicherheit investiert. «Es muss ja nicht erst etwas passieren, bevor man handelt», sagt der Leiter, der kein Risiko eingehen will. Ein patentiertes Sicherungssystem gewährleistet nun, dass stets einer von zwei Karabinern geschlossen ist, während sich die Besucher von Baum zu Baum hangeln. 340 Sicherungen wurden ausgetauscht.

In der Vergangenheit hätten manche nach mehreren Stunden aus Nachlässigkeit, Angst oder Nervosität beide Karabiner ungewollt ausgehängt und waren so ungeschützt. Das kann nun nicht mehr passieren. Ausserdem können die Gäste ihren Weg durch das Geäst nicht mehr frei wählen, sondern die Karabiner nur an die vorgesehenen Bauteile auf der eingeschlagenen Route hängen.

Zusammenarbeit harzt

Zahlen

186 Hindernisse auf 10 Parcours bietet der Seilpark Balmberg. Auch ein gesicherter Sprung aus 17 Metern in die Tiefe ist dabei. Damit ist er gemäss den Betreibern einer der grösseren in der Deutschschweiz.

23'000 Eintritte braucht der Seilpark Balmberg jährlich, damit der Betrieb rentiert. Vergangenes Jahr zählte man 24 000 Besucher. An Spitzentagen kraxeln bis zu 300 Gäste auf die
Bäume.

Das Klicksystem ist nicht die einzige Neuerung auf dem Berg. Derzeit wird auf dem neuen Kinderspielplatz der letzte Schliff vorgenommen. Rutschbahnen, eine Holzbrücke zum Durchkriechen oder Schaukeln sollen den Park für Familien attraktiver machen. Zwar können auf dem Balmberg bereits Vierjährige auf einen Kinderparcours, doch für die Verweildauer eines ganzen Tages war das Angebot bisher zu wenig attraktiv. Zusätzliche Brätelstellen mit Tischen und Feuerholz sollen das ändern. «Ziel ist es, die Gäste den ganzen Tag auf dem Berg zu halten», sagt Schmid.

Gerne würde er verstärkt mit anderen Anbietern von Tourismusangeboten zusammenarbeiten, etwa mit der Seilbahn Weissenstein – was etwas «harzig» sei. «Die Betriebe haben halt ihre wirtschaftlichen Interessen.» Das erschwere die Einführung von Kombinationstickets, also die Idee, mit einem Billett Zug, Seilbahn, Postauto und Park benützen zu können – und so die Wanderung vom Weissenstein auf den Balmberg in einen Tagesausflug zu integrieren.

«Wichtigste Sommer-Attraktion»

«Es ist ein grosser Wunsch von vielen Gästen, die Angebote auf dem Weissenstein und dem Balmberg miteinander zu verbinden», sagt Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus. Ein Gesamtpaket könne viel besser touristisch vermarktet werden. Er ist überzeugt, dass auch die Seilbahn Weissenstein davon profitieren würde.

Technische Hürden beim Zutrittssystem zur Gondelbahn würden es aber derzeit noch verhindern, mit einem Billett alle Angebote nutzen zu können. Das Postauto und die Aareschiffe dagegen könnten ab Sommer bereits integriert werden.

Bei Pauschalangeboten, so Hofer, müsse jeder Akteur einen Schritt auf die anderen zugehen. Einbussen im Tagesbetrieb würden längerfristig durch die gesteigerte Quantität kompensiert.

Laut dem Tourismusdirektor ist der Seilpark in den Sommermonaten die Attraktion auf dem Balmberg. «Und er ist ein wichtiges Angebot im Gesamtangebot Solothurner Jura zwischen Grenchenberg und Balmberg.» Der Park spreche von Jung bis Alt und mit Familien ein breites Publikum an und sorge dafür, Touristen in der Region zu halten, seien sie individuell oder in Gruppen unterwegs.

Tageskasse wurde geklaut

Unproblematisch aus touristischer Sicht seien die beiden Flüchtlingsheime auf dem Balmberg. So lange nicht Hotelgäste mit Asylbewerbern kombiniert würden, so Hofer, stelle dies keine Beeinträchtigung dar. Im Seilpark dagegen nimmt man durchaus Notiz von den Flüchtlingsfamilien.

Vor zwei Wochen musste ein Kind, das auf eigene Faust losgeklettert war, von einer Plattform heruntergeholt werden. Ob auch der Einbruch ins Betriebshäuschen letzten Sommer, bei dem die Tageskasse mit 2500 Franken gestohlen wurde, mit dem Asylzentrum zusammenhänge, weiss Schmid nicht. Jedenfalls wurde auch da in die Sicherheit investiert. Zwei Videokameras überwachen jetzt den Eingangsbereich.

Der Park mit seinen 25 Teilzeitmitarbeitern, verteilt auf 580 Stellenprozente, ist bereit für die neue Saison bis Ende Oktober. «Es gibt nichts Schöneres, als wenn die Besucher am Abend den Seilpark mit einem Lächeln verlassen», sagt Schmid und stapelt die letzten Getränkeharassen in den Kiosk. Bereits am Sonntag wird eine Gruppe aus Grindelwald das neue Sicherungssystem testen können.