Flumenthal
«Seich» und «Schikane»: Neugestaltung der Baselstrasse wird heftig kritisiert

Tempo 30 und Verengungen sollen die Sicherheit auf der Baselstrasse in Flumenthal erhöhen. Aber auswärtige Strassenbenutzer kritisieren vehement die Strassenneugestaltung.

Urs Byland
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Eingangs Flumenthal wird bei der T5-Überführung der Verkehr auf eine Spur gezwungen. Dies wurde nötig, weil für die Fussgänger, die neu einen langen Umweg zum Bahnhof machen müssen, ein Trottoir gebaut werden musste.

Eingangs Flumenthal wird bei der T5-Überführung der Verkehr auf eine Spur gezwungen. Dies wurde nötig, weil für die Fussgänger, die neu einen langen Umweg zum Bahnhof machen müssen, ein Trottoir gebaut werden musste.

Urs Byland

Die gemeindeeigene Baselstrasse wird immer mehr zum Politikum. Sie ist eine wichtige Verbindungsstrasse für die Attiswiler und wird von diesen stärker als von den Flumenthalern genutzt. Im Extremfall dient sie bei Schliessungen der Kantonsstrasse T5 als Umfahrungsstrasse. «Das war im letzten Jahr zweimal der Fall, als wir ausrückten zu einem Unfallort», sagt Christoph Schwägli, der in Wiedlisbach eine Garage mit Pannendienst betreibt.

Christoph Schwägli kritisiert massiv die neue Strassengestaltung beim Bahnhof Flumenthal. Dort wird auf einer Länge von zirka 250 Meter das Tempo der Fahrzeuge schon heute mit Einengungen auf der Südseite gedrosselt. Und gerade hat die Gemeindeversammlung auch einem Kredit für die Sanierung der Baselstrasse zugestimmt. Dabei sollen auch Einengungen auf der nördlichen Seite der Strasse geschaffen werden. Begründet wird diese Verengung der Strasse, welche ein Kreuzen von Fahrzeugen verunmöglicht, mit der Unübersichtlichkeit bei den Ausfahrten und dem Schutz der Fussgänger.

Sparen auf Kosten anderer

Das Problem hat sich verschärft, weil die Passanten in diesem Quartier neu einen Umweg bis zum einzigen Bahnübergang auf sich nehmen müssen. «Heute muss man um halb Flumenthal herumlaufen», spottet Schwägli. «Wie sollen dort im Notfall die täglich 18- bis 20'000 Fahrzeuge auf der T5 durchfahren können», fragt er. «Die Aare Seeland mobil hat sich breitgemacht, und der Gemeinderat spart Kosten für die Gemeinde aber zulasten des Verkehrs», spricht er den Umstand an, dass der Gemeinderat nach den Verhandlungen mit der Aare Seeland mobil alle bis auf einen Bahnübergang geschlossen hat.

«Heute fahren die meisten Attiswiler über Wiedlisbach auf die T5 und auch die Hubersdorfer reklamieren bereits eine Zunahme des Verkehrs, weil manche Attiswiler hintenherum fahren.» Für Schwägli auch nicht geklärt ist, wo Schwertransporte, die zu hoch sind für die Unterführung bei der T5, künftig durchfahren können.

Kritik von der Nachbargemeinde

Schwägli ist nicht der einzige, der sich nervt. Gaudenz Schütz, Gemeindepräsident von Attiswil hat auch keine Freude. «Wir sind nicht glücklich mit diesen Verbauungen», spricht er für die Attiswiler Nutzer der Baselstrasse. Er hat deshalb mit dem Oberingenieurkreis des Kanton Berns Kontakt aufgenommen, der beim Solothurner Amt für Verkehr intervenieren soll. «Wenn ich dem Gemeinderat von Flumenthal sage, das sei ein Seich, nimmt der es zu Kenntnis und damit hat es sich.» Er fahre zweimal täglich die Strecke und findet: «So wie es jetzt gemacht wurde, bringt es gar nichts.» Der Schutz der Fussgänger sei nicht gewährleistet. «Wenn ein Lkw kommt, muss ich aufs Trottoir ausweichen.»

«Eine Frechheit»

Eine andere, aber auch kritische Sichtweise der Problematik hat Brauereiinhaber Alex Künzle. Wohnhaft in Attiswil benutzt er als Pendler die Baselstrasse in Flumenthal mit Auto oder Velo. «Die Flumenthaler machen alles, um uns ärgern zu können.» Sie hätten noch eine Rechnung offen, wegen der Kiesgrube und «deswegen lassen sie keine Gelegenheit aus, uns Attiswiler zu schikanieren».

Künzle spricht die Kiesgrube auf Attiswiler Boden an, von der der Gewinn nach Attiswil fliesst, der Verkehr aber über Flumenthal. «Dabei wird 80 Prozent des Kies im Solothurnischen verwendet, zudem hat Vigier eine Erschliessungsstrasse bezahlt, die nicht mehr durchs Dorf führt.» Die Verengung auf der Baselstrasse sei völlig unnötig und Tempo 30 «eine Frechheit», so Künzle.

Gleisneugestaltung war Auslöser

Felix Steiner, Präsident der Bau- und Werkkommission begründet die Gestaltung der Baselstrasse als Folge der Neugestaltung der Gleisanlage von Aare Seeland mobil. «Aufgelöst wurden meines Wissens acht Bahnübergänge. Neu hat es nur noch einen. Deshalb mussten wir auf der T5-Überführung eingangs Flumenthal den Fussgänger Platz einräumen.» Ausgeschieden wurde ein Trottoir. Die enge Überführung ist neu nur einspurig befahrbar. Um die Sicht für die Autofahrer gewährleisten zu können, musste Tempo 30 eingeführt werden, das sei nur grossflächig möglich, also gilt Tempo 30 auf der ganzen Baselstrasse im Dorfbereich. Von den Einengungen sind die südseitigen bereits ausgeführt. «Die Einengungen sind unser Wunsch, weil die Strasse, breit und gerade, zu höherem Tempo verleitet. Wir wollen klar machen, dass Tempo 30 gilt, was auch an der Gemeindeversammlung von einer klaren Mehrheit der Anwesenden gutgeheissen wurde.» Die Gemeindestrasse sei nicht mehr Schwertransportroute. «Das ist ein Gerücht. Es war lange so, aber heute nicht mehr.» Und Umleitungen über die Baselstrasse wegen allfälliger Sperrung der T5 seien «sehr selten».