Recherswil
Schulmotion abgewiesen - trotzdem sind Motionäre zufrieden mit dem Ergebnis

Die Motion «unsere Kinder gehen im eigenen Dorf zur Schule» wurde an der Gemeindeversammlung Recherswil als nicht erheblich erklärt. Dennoch zeigten sich die Motionäre zufrieden mit dem Ergebnis.

Rahel Meier
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Problematisch wird angeschaut, dass Recherswiler Erstklässler nach Obergerlafingen in die Schule müssen.

Problematisch wird angeschaut, dass Recherswiler Erstklässler nach Obergerlafingen in die Schule müssen.

Rahel Meier

110 Stimmberechtigte nahmen an der Gemeindeversammlung in Recherswil teil. Die meisten waren wegen eines Traktandums gekommen – dessen Diskussion um 21.40 Uhr begann. Obwohl die Motion «unsere Kinder gehen im eigenen Dorf zur Schule» nicht erheblich erklärt wurde, waren die Motionäre nach der Versammlung einigermassen zufrieden mit dem Resultat. «Wir haben erreicht, was wir wollten», meinte eine Mutter, die nicht namentlich erwähnt werden möchte. Das hatte sich schon in der Diskussion abgezeichnet: Diese war zwar teilweise emotional, aber nicht unfair oder unsachlich.

Einiges Frustpotenzial

Eines zeigte sich am Donnerstagabend deutlich: Die Motionäre und Mitunterzeichnenden fühlten sich hilflos und nicht ernst genommen. In den letzten sechs Jahren hatte es viele Wechsel in der Schulleitung gegeben, Versprechen wurden nicht gehalten, die Kommunikation vernachlässigt. Die Klassenzuteilung wurde meist als willkürlich empfunden. Einige Eltern sahen zudem den langen Schulweg nach Obergerlafingen für die Kleinsten als problematisch an. Und für Eltern mit mehreren Kindern sei es wegen der Unterrichtszeiten schwierig, gemeinsam an den Mittagstisch zu sitzen. Mehr als einmal wurde allerdings die Lehrerschaft gelobt, die «einen guten Job macht».

Gegenvorschlag der Motionäre

Gegenvorschlag der Motionäre

zvg

«Die Motion verlangt nicht, dass die gemeinsame Schule mit Obergerlafingen aufgekündigt wird», machte Jörg Aebischer für die Motionäre nochmals deutlich. Die Motion beinhalte den Auftrag, dass der Gemeinderat sich strategische Gedanken über die Schule machen soll. Braucht es zwei Schulstandorte? Welchen Nutzen haben wir aus der gemeinsamen Schule? «Wir Eltern sind bereit mitzuarbeiten», so Aebischer weiter.

Zu extrem formuliert?

Gemeindepräsident Hardy Jäggi stellte sich weiterhin auf den Standpunkt, dass die Motion so formuliert sei, dass die Konsequenz daraus die Auflösung des Schulvertrages sei. Innerhalb der Schulraumplanung mache man sich Gedanken über die Standorte. Auch der Schulvertrag mit Obergerlafingen sei in Überarbeitung. «Wir haben zudem bereits gehandelt. Der Schulleiter hat die Weisung, dass ab nächstem Jahr alle Erst- und Zweitklässler in Recherswil zur Schule gehen müssen.» Für Jäggi war klar: «Es braucht die Motion nicht mehr.»

Martin Rohn plädierte trotzdem dafür, die Motion erheblich erklären zu lassen. «Es geht darum, dass die Diskussion jetzt weitergeführt wird. Wir möchten zudem, dass der Schulleiter klare und verbindliche Leitplanken erhält, wenn es um die Klassenzuteilung geht.» Mit der Erheblicherklärung sei die gemeinsame Schule nicht gefährdet. Das Thema werde nochmals an eine Gemeindeversammlung gebracht und zudem könne der Vertrag nur auf zwei Jahre hinaus gekündigt werden.

Werner Sauser machte darauf aufmerksam, dass die gemeinsame Schule damals gegründet wurde, um die Schule im Dorf zu retten. «Der Motionstext ist sehr extrem formuliert», meinte auch er . Er schlug deshalb vor, sollte die Motion nicht erheblich erklärt werden, darüber abstimmen zu lassen, dass der Gemeinderat sich intensiv mit dem Gegenvorschlag der Motionäre – der vor der Versammlung verteilt wurde – beschäftigen müsse. «Ich finde diesen Vorschlag gut», so Sauser.

Um punkt 22.30 Uhr schritt Hardy Jäggi zur Abstimmung. 70 Stimmberechtigte waren dafür die Motion nicht erhbelich erklären zu lassen, 32 wollten Erheblicherklärung. Damit kam der Zusatzantrag von Werner Sauser zur Abstimmung. Dieser wurde mit 79 Ja zu 30 Nein, bei zwei Enthaltungen angenommen.