Gemeinden beklagen eine stetige Kostenzunahme der Gemeinsamen Schule Unterleberberg (GSU). Stimmt das? Zudem erfährt die Infrastruktur einige Änderungen. Welche? Gesamtschulleiter Stefan Liechti gibt Auskunft.

Stefan Liechti, Flumenthal wird in einigen Wochen über ein Schulhausprojekt abstimmen. Warum?

Stefan Liechti: Flumenthal hat neben dem Schulhaus einen alten, Energie ineffizienten Pavillon für Kindergarten sowie die ersten beiden Primarschulklassen. Eine Abklärung ergab, dass für eine Sanierung viel Geld in die Hand genommen werden muss. Die entsprechende Flumenthaler Arbeitsgruppe bevorzugt einen Abriss und stattdessen einen Anbau am bestehenden Schulhaus. Ein tolles Konzept, das mich freut, denn es ist nicht selbstverständlich, dass Gemeinden ohne Druck von der GSU investieren.

Was bringt dieser Ersatz von Schulraum der GSU?

Die einzelnen Klassen der Schule rücken näher zusammen. Da der Hauswart nicht mehr im Schulhaus Flumenthal, sondern in der Gemeinde wohnt, können wir die leer stehende Hauswartwohnung für die heute in Niederwil ansässige Tagesschule nutzen.

Weshalb dieser Wechsel?

Die Tagesschule in Niederwil funktioniert bestens, aber Niederwil ist kein Schulstandort. Die Tagesschule ist isoliert und die Schulkinder müssen von den Schulstandorten jeweils nach Niederwil transportiert werden. In Flumenthal könnte man eine echte Tagesschule anbieten.

Was meinen Sie damit?

In Flumenthal wären Schule und Betreuung unter einem Dach. Eine Balmer Familie beispielsweise, die auf grosse Betreuung angewiesen ist, könnte ihr Kind nicht nur in Flumenthal zur Betreuung geben, sondern auch dort einschulen. Der GSU-Vorstand hat sich positiv zu diesem Wechsel geäussert.

Auch weil dadurch Transportkosten teilweise wegfallen?

Genau. Wir haben ein Kapazitätsproblem und sind am Anschlag. Die Tagesschule in Flumenthal bringt eine dreifache Win-Situation. Die GSU kann ihre Tagesschule auf einen neuen Level bringen, eben alles unter einem Dach, die Gemeinde Flumenthal wird als Schulstandort gestärkt und die Gemeinde Riedholz kann das Areal in Niederwil reinvestieren. Der Bedarf ist, glaube ich vorhanden, Riedholz hat Ideen, was sie mit dem Areal machen will.

Weniger schnell als Flumenthal ist Riedholz zu neuem Schulraum gekommen. Jetzt soll der Schulhausanbau aufgestockt werden. Warum dauerte es dort so lange?

Es ist ja so, dass die GSU den Schulraum von den Gemeinden mietet, mit Ausnahme der Räumlichkeiten für die Sekundarschule, die der GSU gehören. In Riedholz gab es zwei verschiedene Lager. Die einen sagten, wir wollen nicht ausbauen. Die GSU soll die Riedholzer Schüler an andere Schulstandorte verteilen. Demgegenüber gab es Bevölkerungskreise, die darauf drängten, dass die Kinder weiterhin in Riedholz eingeschult würden.

Das Einschulen in einer anderen Gemeinde wäre ja wirklich eine Option für die Gemeinsame Schule Unterleberberg.

Ich hatte aber das Gefühl, ich würde meine Schule an die Wand fahren, wenn ich mich auf einen solchen Kraftakt einlassen würde und liess darum die Politik in Riedholz entscheiden. Jetzt bin ich froh, dass Riedholz investiert. Man darf nicht vergessen: Als wir 2011 die Gemeinsame Schule starteten, hatte Riedholz 146 Schulkinder. Letztes Jahr waren es 202. Das sind 38 Prozent mehr Schüler. Mit diesen Voraussetzungen kann der Unterricht nicht in der gleichen Infrastruktur wie bis anhin geleistet werden.

Riedholz ist grösser geworden. Das trifft auf weitere Gemeinden zu.

Positiv ist, dass auch Günsberg investiert. Wobei dort geht es in erster Linie um die Sanierung der Gebäudehülle, Energieeffizienz, etc.

Muss auch die GSU ihre Infrastruktur anschauen?

Ja. Ein Thema sind die Heizung und das Flachdach des Sekundarschulhauses. Da sind wir am Planen. Wenn also der Anspruch der Gemeinden da ist, wir dürfen nicht teurer werden, da geben wir uns alle Mühe ...

... da sind wir nun beim Budget. Der Gemeinderat Hubersdorf beispielsweise protokolliert sein Erstaunen, dass die Kosten der GSU stetig steigen. Allein in den letzten vier Jahren sei der Aufwand um über 7 Prozent gestiegen. Wie das?

Die Kostensteigerung betrifft nicht allein Hubersdorf. Grund ist vor allem der Zuwachs von Schulkinder. 2019/20 wird das erste Schuljahr sein, in dem die Kinderzahl nicht ansteigt.

Wie hoch sind die Zahlen?

Prognostiziert habe ich für das nächste Schuljahr 571 Kinder. Das sind weniger als 2018. Gestartet sind wir 2011 aber bei rund 510 Schulkindern.

Welche weiteren Faktoren lassen die Kosten steigen?

Wir haben beispielsweise die Löhne für Logopädie übernehmen müssen. Früher hat dies der Kanton getragen. Auch Förderlektionen wurden den Gemeinden übertragen. Früher hat der Kanton 43,75 Prozent an die Lohnkosten der Lehrerinnen und Lehrer bezahlt. Heute haben wir die Schülerpauschalen. Diese tragen noch 38 Prozent der Kosten. Die restlichen 5,75 Prozent werden zwar an die Gemeinden im Rahmen des Lastenausgleiches gezahlt, so aber nicht mehr gezielt für die Bildung eingesetzt. Habe ich zum Beispiel noch einen älteren Lehrkörper, ist auch der Gemeindeanteil an den Lohnkosten höher als früher.

Und die Informatikkosten?

Wenn wir dort nicht investieren, ist dies zum Nachteil unserer Jugend. Zudem macht uns auch der Kanton Auflagen, die wir zu erfüllen haben. Im Laufe der letzten drei Jahre haben wir die Sekundarschule aufgerüstet. Heute hat jeder Sekundarschüler sein eigenes Tablet. Jetzt wollen wir das Projekt bis in die 5. Klasse tragen.

Steigen die Kosten wirklich stetig?

Als wir starteten mit der Gemeinsamen Schule konnten die Kosten gesenkt werden, obwohl wir eine Schulverwaltung aufbauen mussten.

Und das wissen die Gemeinden auch?

Ja, wir haben die Berechnungen kommuniziert, die Frage ist nur, glauben sie es auch. Was ich sagen kann: Wir haben eine Steigerung der Kosten im Budget, diese beruht aber mehr oder weniger auf den gestiegenen Schülerzahlen.

Haben Sie eine vergleichbare Zahl zu den Kosten?

Wir erheben regelmässig die Gemeindekosten pro Schüler, inklusive Musik- und Tagesschule. 2016 kostete ein Kind 13 234 Franken, 2017 waren es 12 954, 2018 dann 12 613, aber jetzt erhöht es sich wieder auf 13 044 Franken, also immer noch günstiger als 2016. Wir haben zusätzliche Klassen an der Sekundarschule und in Riedholz eröffnen müssen. Dort schlossen wir zwar eine Kindergartenklasse, aber die Lohnkosten haben sich dennoch erhöht. Zudem werden wir ein Opfer des Erfolgs unserer Musikschule, die wächst, was zusätzliche Lohnkosten verursacht.

Die Lohnkosten der Lehrkräfte können Sie kaum beeinflussen, die Lohnkosten in der Verwaltung aber schon.

Wir versuchen ein fairer Arbeitgeber zu sein und das hat die Delegiertenversammlung gewürdigt. Sie hat die Lohnerhöhung der Lehrkräfte wegen der Teuerung – die erste seit sechs Jahren – auch den übrigen Angestellten zukommen lassen. Mit den rund 75 000 Franken für die Teuerung und der Klasseneröffnung sind wir dann bald einmal bei den 240 000 Franken Mehrkosten im Budget.

In Balm bei Günsberg fragte sich der Gemeinderat, welche Auswirkungen der Lehrplan 21 auf die GSU hat?

Eine finanzielle Auswirkung entsteht bei der Weiterbildung der Lehrkräfte. Wir müssen uns dort fit machen.

Fit machen wofür?

Der Lehrplan 21 verlangt einen neuen Unterrichtsansatz: Es genügt nicht, wenn eine Lehrperson einfach Wissen vermittelt. Es muss ihr vor allem darum gehen, dass ihre Schüler das Wissen dann auch anwenden können und wollen. Das ist eigentlich das Kompetenzorientierte, wovon alle reden.