Doris Häfliger leert einen vollen Abfallsack vor den Augen der 22 Kinder auf den Boden. Danach stellt sie die Fragen: «Was gehört wirklich in den Abfallsack? Was kann gesammelt und wiederverwertet werden?» Die Kinder schnappen sich die Abfallstücke und ordnen sie den verschiedenen Entsorgungsstellen zu. Übrig bleiben nur noch wenige Stücke aus sogenannten Verbundverpackungen, in denen Kunststoff, Aluminium und Karton kombiniert sind. Sie werden zum Beispiel für Chipstüten oder Tetra-Pak-Milchverpackungen verwendet und können nicht einfach so recycelt werden.

Mit dieser ersten lehrreichen Aktion startete Häfliger am Mittwoch mit der 4./5. Klasse aus Deitingen in den Umweltunterricht zum Thema «Abfall, Konsum, Littering». Das Programm wurde von der Stiftung Pusch (Praktischer Umweltschutz Schweiz) speziell für Kindergärten und Schulen entwickelt. Die Kinder lernen während zwei oder drei Lektionen, wie Abfall richtig getrennt und entsorgt wird und wie Recycling funktioniert. Ausgebildete Umweltlehrpersonen zeigen den Schülern mit vielen Beispielen aus dem Alltag, wie Abfall vermieden und Ressourcen gespart werden können.

Gratis für alle Schulen

Der Umweltunterricht wird von der Kehrichtverbrennungsanlage Kebag Zuchwil finanziert und ist für alle Schulen kostenlos. Seit dem Startjahr 2007 haben im Einzugsgebiet der Kantone Solothurn und Bern schon fast 3000 Klassen das Angebot in Anspruch genommen. Die Kebag legt grossen Wert auf die Sensibilisierung und Aktivierung der jungen Generation für eine gesunde Umwelt, wie sie in einer Medienmitteilung erklärt.

Um sich selber ein Bild des laufenden Projekts zu machen, besuchten am Mittwoch der Direktor Markus Juchli und der Verwaltungsratspräsident Christoph Fankhauser von der Kebag den Umweltunterricht in Deitingen. Als Gast war auch der Regierungsrat und Vorsteher des Departements für Bildung und Kultur Remo Ankli anwesend. Zum Unterricht sagte er: «Es ist toll, wie interessiert die Kinder dabei sind und sich zu Herzen nehmen, was sie hier über die Abfalltrennung und das Recyceln lernen.»

Weniger giftige Schlacke

Nachdem die Kinder die Abfälle den richtigen Entsorgungsstellen zugeordnet hatten, erklärte Häfliger mit einer Bildergeschichte den Lebenslauf eines vollen Abfallsacks über die Verbrennungsanlage bis zur Schlacken-Deponie. Dieser letzte Punkt in der Abfallentsorgung sollte nicht vergessen werden, sagte Häfliger und ergänzte: «Von jedem verbrannten Abfallsack bleibt etwa ein Viertel übrig, eben die Schlacke. Sie enthält giftige Stoffe und muss in speziellen Deponien gelagert werden, sodass nichts ins Grundwasser gelangt.» Um so wenig Schlacke wie möglich zu produzieren, ist es wichtig, möglichst viel Abfall zu recyceln.

Einen weiteren Schwerpunkt legte Häfliger auf das Recyceln von Plastikflaschen aus PET und PE. Sammelstellen für PET-Flaschen gibt es mittlerweile fast überall. Trotzdem landen in der Schweiz täglich immer noch rund 700 000 der Getränkeflaschen im Abfall. So wird ein wertvoller Rohstoff verbrannt, aus dem ganz einfach neue Flaschen hergestellt werden könnten. Und aus recyceltem PET entstehen auch noch ganz andere Sachen wie Turnschuhe, Rucksäcke und Zeltstoffe.

Seit letztem Jahr können bei den grössten beiden Schweizer Detailhändlern auch PE-Flaschen abgegeben und recycelt werden. Das sind nicht-durchsichtige Plastikflaschen, die zum Beispiel für Duschgels, Abwaschmittel oder Pflanzenöl gebraucht werden.