Rund um das Schloss Buchegg tummeln sich haufenweise Kinder. Je nach Alter sind sie von Messen, Brittern oder Aetingen auf die Anhöhe gewandert, um Geheimnisse des Schlösschens zu lüften. Sie haben ein dichtes Programm und während sich die grösseren mit Hörnli und Gehacktem stärken, scharen sich die Kindergärteler bereits neben dem Schloss um Martin Schoch. Sie wissen zum Teil schon, dass sie gerade auf den Resten einer Burg sitzen. Einer grossen Burg, war doch der Turm rund 35 Meter hoch.

«Aber warum hat man hier eine Burg gebaut?», will Schoch wissen. Natürlich wegen der schönen Aussicht, weiss ein gewitzter Junge. Schoch zeigt auf das Limpachtal und erklärt, dass dort, wo heute Felder und Wald zu sehen sind, früher ein grosser Sumpf war. «Es gab nur zwei Übergänge, auf denen man durch den Bucheggberg gehen konnte: hier und auf der Chutzebrügg.» Ein weiterer Grund für die Herren von Buchegg, hier ihre Wohnburg zu bauen, von der aus sie ihr Gebiet kontrollierten.

Als Steinbruch verwendet

Schoch erzählt den Kindern von den Rittern der Kyburger, welche im 14. Jahrhundert die Burgen Buchegg und Balmegg eroberten. Gespannt lauschen die Schüler, wie die Ritter beim Gegenangriff der Berner und Solothurner Angst bekamen, die Burgen anzündeten und das Weite suchten. Die zerstörten Gemäuer wurden 1391 der Stadt Solothurn samt den Ländereien – dem Bucheggberg – verkauft und von da an als Steinbruch verwendet.

Von der ehemaligen Burg gehts ins Schlösschen, das 1546 erbaut wurde. Die Kinder sind sichtlich fasziniert, befinden sie sich doch gerade in einem ehemaligen Gefängnis. So bestaunen sie in den oberen beiden Stockwerken die Wohnung des Gefängniswärters und die Aussicht auf das Limpachtal. Als es später in den Keller geht, wächst die Spannung. Hier wurden also die «bösen Buben» aus dem Bucheggberg bis 1798 eingesperrt. Im untersten Stock, dem Verlies, ist es kalt und dunkel; der schmale Spalt in der massiven Mauer lässt nur wenig Tageslicht hinein.

Gruselig finden das aber die wenigsten. Im Gegenteil, die Schüler werden immer neugieriger: «Wohnt hier noch jemand?» und «wurden hier auch Kinder eingesperrt?», wollen sie wissen. Mit sichtlicher Freude geben die Schlössli-Experten Auskunft und wissen: Nein, wohnen tut hier niemand mehr. Das Gebäude wird für Ausstellungen genutzt. Und auch Kinder sperrte man hier wohl kaum ein. «Aber Frauen, die man für Hexen hielt.» Und wieder sind die Kinder ganz Ohr.

Jeder Schüler soll aufs Schloss

Ihre Reise in die Vergangenheit verdanken die Schüler Robert Flückiger (Präsident Stiftung Schloss Buchegg) und Verena Meyer (Präsidentin Schulverband Bucheggberg). «Uns ist es ein Anliegen, dass jeder Schüler aus dem Bucheggberg einmal das Schloss Buchegg besucht», erklärt Flückiger. Dass der Bucheggberg nun seit 625 Jahren zu Solothurn gehört, habe man zum Anlass genommen, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Als die Kinder sich nach dem knapp zweistündigen Schlossbesuch wieder auf den Rückweg machen, sitzen die Organisatoren bei Hörnli und Gehacktem auf der Terrasse des Restaurants. Sie scheinen zufrieden, dürfen sie doch auf einen gelungenen Anlass zurückblicken.