Am Montag, 27. Juni findet in Zuchwil eine bedeutende Gemeindeversammlung statt: Die Einwohnerinnen und Einwohner können das räumliche Teilleitbild Areal Riverside genehmigen und stimmen über den Landverkauf ab.

13 Leitsätze enthält dieses Teilleitbild, welches die verbindliche Grundlage für die Umstrukturierung bildet und seit dem 26. April der öffentlichen Mitwirkung standhielt. Ortsplaner Walter Weber machte in der Gemeinderatssitzung auf kleine redaktionelle Änderungen sowie die einzigen beiden Eingaben der öffentlichen Mitwirkung aufmerksam.

So wünschte ein Bewohner aus dem Unterfeld, dass alle Massnahmen quartierverträglich sein sollen. Dies wurde dem ersten Leitsatz beigefügt, so steht dort nun: „Die Umstrukturierung muss den Bezug zu bestehenden Strukturen der Nachbarquartiere berücksichtigen.“ Die zweite Eingabe stammt vom Vogelschutzverein, welcher darauf hingewiesen hat, dass bei der naturnahen Aufwertung des Aareufers, die ohnehin bereits im Teilleitbild enthalten war, explizit auch die Tierwelt erwähnt werde.

Ein modernes Quartier mit grossstädtischen Strukturen könnte in Zuchwil entstehen.

Ein modernes Quartier mit grossstädtischen Strukturen könnte in Zuchwil entstehen.

Die Leitsätze geben den Weg vor, wie sich das Gebiet in den nächsten 15 bis 20 Jahren zu einem neuen städtischen Quartier verwandeln soll. Sie basieren auf Masterplan und Wirkungsanalyse, die zuvor ausgearbeitet wurden. Gemäss den Leitsätzen wird das ehemalige Industriegebiet in ein Gebiet für Wohnen und Arbeiten überführt, mit unterschiedlichen Gebäudetypen und Wohnformen in einer familienfreundlichen Umgebung. Die Ansiedlung neuer Betriebe wird angestrebt, ebenso die Schaffung eines Quartierzentrums. Das Areal wird umweltgerecht erschlossen, das Verkehrsaufkommen soll minimiert werden, Grünstrukturen und der Zugang zur Aare verbinden.

«Die Entstehung eines Riversideparks, zugänglich für alle, entspricht einem klar geäusserten Bedürfnis aus der Mitte der Zuchler Bevölkerung», betonte der Gemeindepräsident Stefan Hug in seinen einleitenden Worten. Dass die Bevölkerung im Februar beschlossen habe, eigenständig zu bleiben, bedeute auch, dass man die Qualitäten als vielfältige Ortschaft selbstbewusster an die Hand nehmen müsse. „Dazu zähle ich auch die städtebauliche Entwicklung des Riversideareals», so Hug.

Zudem machte er auf die verschiedenen Grossprojekte der Nachbargemeinden aufmerksam, etwa die Attisholzareale in Riedholz und Luterbach, die Zentrumsüberbauung in Derendingen und das Projekt Weitblick in Solothurn. Hug erklärte: «Das Tempo 2014 war zu forsch.»

Damals hatte die  Gemeindeversammlung den Landverkauf des Widi an die Immobilienfirma Swiss Prime Site SPS abgelehnt. Dieser Notstopp habe aber neue Chancen eröffnet, so Hug.

Für den FC Zuchwil und den Tennisclub Widi, welche damals am schärfsten gegen den Verkauf geschossen hatten, konnten Ersatzlösungen beim Sportzentrum gefunden werden. Der Erlös aus dem Landverkauf ermöglicht die Finanzierung eines Kunstrasens, der gleichzeitig die gesamte Anlage aufwertet. Der restliche Erlös dient dem Schuldenabbau. Da im Westen mit den Überbauungen begonnen werden soll, wird das Widiareal in der ersten Phase nicht beansprucht und ist wohl noch bis 2020 benutzbar.

Auch das kantonale Amt für Raumplanung habe sich sehr positiv zum Projekt geäussert. So zitierte Hug aus dem Bericht: „Den uns vorliegenden Masterplan beurteilen wir als sehr gut – sowohl die städtebauliche Auseinandersetzung als auch die Integration in das bestehende ortbauliche Gefüge sind vorbildlich.»

Mit dem Projekt sei selbstverständlich auch Wachstum verbunden, betonte Ortsplaner Walter Weber. Genannt wurde eine Einwohnerzahl von 10 500 Einwohnern in 15 Jahren, wobei Weber aber darauf aufmerksam machte, dass dies eine ganz grobe Abschätzung sei. Genaue Prognosen seien unmöglich. Vor dem Verkehrswachstum müsse man hingegen keine Angst haben  – wenn das Wachstum in anderen Gemeinden stattfände, würden die Zuchwiler Strassen durch Pendelverkehr nämlich stärker belastet, ohne dass die Gemeinde einen Nutzen hätte.

Mit 21 Befürwortungen und zwei Gegenstimmen beschloss der Rat zu Handen der Gemeindeversammlung, die Widigrundstücke für insgesamt 6,6 Millionen Franken an die Swiss Prime Anlagestiftung (SPS) zu verkaufen. Zum räumlichen Teilleitbild Riverside sagte der Gemeinderat mit 21 Stimmen und zwei Enthaltungen ebenfalls deutlich ja. Die Einwohnerinnen und Einwohner können nun am 27. Juni darüber abstimmen. Positiv äusserte sich auch Thomas Grossenbacher, Projektleiter des Investors SPA. Er begrüsse die Leitsätze sehr und sie stützen das Hauptziel, das bereits ganz zu Beginn des Projekts existierte: Die Schaffung eines lebendigen Quartiers an der Aare.