Nennigkofen
Schon bald heisst es in der Curlinghalle zum letzten Mal «gut Stein»

Wehmut kommt auf, denn schon bald gibt es die Curlinghalle nicht mehr. In diesen Tagen wird in Nennigkofen zum letzten Mal das Eis gemacht.

Hans Peter Schläfli
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Jürg Gnägi, Präsident der Genossenschaft Curlinghalle, hängt im Beizli zum letzten Mal das Bild aus glorreichen Zeiten auf.

Jürg Gnägi, Präsident der Genossenschaft Curlinghalle, hängt im Beizli zum letzten Mal das Bild aus glorreichen Zeiten auf.

Hans Peter Schläfli

Mit etwas melancholischen Gefühlen steht Jürg Gnägi in der Nennigkofer Curlinghalle. Hier wurden einst Olympiasieger gemacht – wenn auch nur inoffizielle. Davon zeugt das Foto mit Urs und Jürg Dick, Robert Hürlimann, Thomas Kläy und Peter Däppen. In Albertville gewannen diese Solothurner 1992 echtes Gold, auch wenn Curling damals nur als Demonstrationssport galt. «Ein wenig Wehmut ist dabei, aber man kann das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen», sagt Gnägi, der Präsident der Genossenschaft Curlinghalle, und hängt – definitiv zum letzten Mal – das Bild auf, das die Siegerehrung zeigt, die nun schon 25 Jahre her ist.

In diesen Tagen wird in Nennigkofen zum letzten Mal das Eis gemacht, auf dem die vier Solothurner Vereine Biber, CC Solothurn, Ambassadoren und Solothurn-Wengi trainieren. Am nächsten 24. März, nach einem grossen Abschlussturnier und einem nostalgischen Fest, werden nämlich in der Curlinghalle definitiv die Lichter gelöscht. Die grosse Curling-Euphorie ist in Nennigkofen dahingeschmolzen wie jeweils das Eis in der Frühlingssonne.

Auch das «Rössli» bleibt zu

Dabei ist Jürg Gnägi überzeugt, dass man auch heute noch etwas erreichen könnte im Curling, aber der Wille dazu sei bei den Jungen einfach nicht mehr vorhanden. «Die späteren Olympiasieger brauchten damals niemanden, der sie pushen und zum Trainieren auffordern musste. Die sind freiwillig bei jedem Wetter mit dem Töffli in die Curlinghalle gefahren. Denn in diesem Sport ist Talent nicht alles. Es braucht sehr viel Fleiss und Ehrgeiz, wenn man an die Weltspitze kommen möchte.» Mit der Sliding-Technik, der Taktik und der Besentechnik sei Curling komplexer, spannender und vielseitiger geworden. Aber die jungen Curler betreiben den Sport nicht mehr mit derselben Leidenschaft und die vier Solothurner Vereine weisen eine deutliche Überalterung auf.

Die Liegenschaft mit der früheren Restaurant Rössli und der Curlinghalle gehört nun definitiv der Gemeinschaft der Kirschblütler. Obwohl der Baurechtsvertrag für die Curlinghalle erst 2020 definitiv ausläuft, wird bereits am Ende des kommenden Winters das grosse Lichterlöschen stattfinden. Das liege aber nicht an den neuen Besitzern, sondern sei die Entscheidung der Curler, erklärt Gnägi.

Fusion und Umzug nach Biel

Das «Rössli» wird nämlich definitiv geschlossen bleiben, weshalb die Basis für einen weiteren Betrieb fehle, meint Jürg Gnägi. «Die Curlinghalle ohne die Unterstützung durch ein Restaurant in Fronarbeit weiterzuführen, das stellt einfach einen zu grossen Aufwand dar und das lohnt sich auch finanziell nicht. Es war ein langjähriger Prozess, der uns zum Entschluss geführt hat, dass nach diesem letzten Winter definitiv Schluss sein wird.»

Sobald im kommenden Sommer die Genossenschaft alle Geschäfte abgewickelt hat, wird sich diese selber auflösen. Die derzeit noch vier Vereine sollen zu einem einzigen Solothurner Curlingclub fusionieren.

«Jedes Mitglied entscheidet selber, ob es mitmachen will. Etwa 50 Zusagen haben wir, die dann auch in Biel als Solothurner Curler auftreten wollen», sagt Gnägi. «Einige der älteren Mitglieder werden wohl definitiv aufhören. Andere wollen vielleicht lieber in Lyss oder Burgdorf spielen.» In Biel ist das nationale Leistungszentrum Zentrum der Curler, doch die Solothurner Vereine widmen sich heute nur noch dem Breitensport. Das sei kein Widerspruch, denn die Hallenmeisterschaften seien sehr attraktiv, findet Jürg Gnägi. «Die topmoderne Curlinghalle hat noch freie Kapazitäten und nimmt uns Solothurner Curler gerne auf.»