Der schneeweisse «Göiferlätsch» unter dem Kurhaus Weissenstein verhiess am Sonntagmorgen nichts Gutes. Viermal hintereinander hatte das Wetter nun das «American Live» schon im Stich gelassen, und auch diesmal sah der Himmel mehr nach nassem Rostbeschleuniger als nach Cabrio-Ausfahrt aus.

Den Eisstockschützen, die im Widi eifrig auf ihrer Sommerbahn trainierten, dürfte die Ehrenrunde gefallen haben, die der Winter dieses Wochenende noch einmal drehte. Aber eine andere Gattung blieb grösstenteils zu Hause auf dem Sofa sitzen: «Zwe, drei Meter Chrom u Bläch u drinn dr Hanspeter», sang Züri West 1986, also exakt dem Jahr der Gründung des Vereins «Friday Night Cruisers», der seither das schon früher existierende Ami-Treffen durchführt.

Echte Fans trotzten der Kälte

Zuschauer kamen erstaunlich viele und die Verkäufer hinter den vielen Ständen mussten sich nicht beklagen. Doch «Hanspeter» und viele seiner Kollegen liessen ihr «Chrom und Bläch» leider in der Garage stehen. Obwohl die Organisatoren angesichts der gähnenden Leere auf den Parkplätzen nicht nur die Oldtimer, sondern diskriminierungsfrei sämtliche Fahrzeuge amerikanischer Bauart auf das Gelände fahren liessen, sah es beim Sulzer-Areal in Zuchwil deshalb zeitweise etwas trostlos aus.

Es gab zwar nur wenige, dafür aber sehr spektakuläre Farbtupfer zu bewundern: So wagte es der Besitzer eines Pontiac Bonneville, sein feuerrotes Kunstwerk mit offenem Verdeck mitten auf den Platz zu stellen. In vergangenen Jahren wäre dieser «Hanspeter» vielleicht auf einem Campingstuhl neben der geöffneten Motorhaube seines Schmuckstücks gesessen, aber angesichts der sibirischen Bise hatte er wohl lieber die warmen Feststube aufgesucht. Dort gab es für seinen Oldtimer ein auf 50er Jahre getuntes DAB-Radio zu kaufen. Zu archaischem Rock’n’Roll konnte man ein Steak mit Barbecuesauce essen oder sich von einer Coiffeuse im Petticoat eine Elvis-Frisur verpassen lassen.

«Bei uns daheim in Sumiswald hatte es zehn Zentimeter Schnee», erklärte Marc Aebi, warum selbst er, der Präsident der organisierenden «Friday Night Cruisers», seinen Oltimer in der Garage stehen gelassen hatte. Er ist mit seinem Alltagsauto nach Zuchwil gefahren. «Es wäre schlicht und einfach nicht gegangen. Viel Hubraum und Hinterradantrieb, das verträgt sich nicht mit Schnee. Ich wäre wohl nicht aus dem Emmental herausgekommen.»

Seinen 1977 Pontiac Firebird Trans Am Gold Edition hätte er gerne am American Live gezeigt. Das Auto kann man sich aber leicht vorstellen: Einen vergleichbaren Trans Am fuhr jeweils Privatdetektiv Jim Rockford in der gleichnamigen Fernsehserie durch Malibu. «Ich verstehe absolut, dass die Liebhaber ihr perfektes Museumsstück bei diesem Wetter nicht ausfahren wollten und nur mit der Nummer Zwei gekommen sind», sagte Aebi.

«Aber das Fest und die Stimmung sind wie immer gut. Die heutigen Modelle Mustang und Camaro sind im Design deutlich an die historischen Modelle angelehnt und sehen auch toll aus. Deshalb haben wir ausnamsweise auch alle neuen Wagen zugeölassen.