Biberist
Schlösschen soll der Gemeinde gehören

Das Schlösschen Vorder-Bleichenberg gehört der Moos-Flury-Stiftung. Der Gemeindepräsident von Biberist möchte dies ändern.

Urs Byland
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Schlösschen Vorder-Bleichenberg (Biberist) am Morgen früh, kurz bevor die Sonne aufgeht.

Schlösschen Vorder-Bleichenberg (Biberist) am Morgen früh, kurz bevor die Sonne aufgeht.

Im Rahmen der Budgetdiskussion überraschte der Gemeindepräsident den Gemeinderat mit seinem Plan zur Zukunft des Schlösschen Vorder-Bleichenberg. «Biberist sollte das Gebäude übernehmen. Das würde klare Verhältnisse schaffen», so Gemeindepräsident Stefan Hug. Die Gemeinde zahlt für den Unterhalt des Schlösschen, hat aber nichts zu sagen. Denn das Gebäude gehört nicht der Gemeinde, sondern der Moos-Flury-Stiftung. «Zudem ist die Stiftung finanziell gar nicht in der Lage, den Unterhalt zu leisten.» Er müsse dies wissen, sei er doch von Amtes wegen Präsident der Moos-Flury-Stiftung, so Hug.
Auf Nachfrage erklärt Hug die Vorteile. «Jetzt geht es der Gemeinde finanziell gut. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann wird zuerst im Unterhalt einer Liegenschaft, die nicht der Gemeinde gehört, gespart», ist er überzeugt. Neben dem Unterhalt ist der zweite grosse Ausgabeposten der angestellte Hauswart. Dieser würde auch von der Gemeinde übernommen. «So hätten wir einen sauberen Tisch.»

Vom baufälligen Schlösschen zur Perle

Vor 51 Jahren schenkte der Mäzen und Bauingenieur Fritz Moos seine bedeutende Bildersammlung der Gemeinde. Moos bestimmte, dass die Werke in einer geschlossenen Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Anstatt die Bilder, so der Plan, in einem Schulhausanbau unterzubringen, kam man auf die Idee, das baufällige Schlösschen zur Heimat der Bildersammlung zu machen. 1970 übergab der Kanton das Schlösschen und eine Baulandparzelle im Baurecht der Moos-Flury-Stiftung. Heute ist das Schlösschen der Kulturtreffpunkt von Biberist und der weiteren Region. Der Verein Freunde des Schlösschens Vorder-Bleichenberg organisiert dort seit 1972 Ausstellungen, Konzerte und weitere Kulturanlässe. «Das Schlösschen ist eine Perle», so Hug im Gemeinderat. Sein Wunsch sei es, dass das Schlösschen noch zugänglicher wird für die Bevölkerung.

Der Gemeindepräsident will sondieren

Seine Stellung empfindet Hug als heikel. «Als Stiftungspräsident will ich natürlich möglichst viel von der Gemeinde herausholen für das Schlösschen», so Hug. Umgekehrt gilt dasselbe für den Gemeindepräsidenten in Bezug auf die Gemeinde. Gehört aber das Schlösschen der Gemeinde, wären die Zuständigkeiten geklärt, und die Moos-Flury-Stiftung, entlastet von Gebäude und Unterhalt, kann sich ihrer eigentlichen Aufgabe zuwenden, die Bildersammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und dazu sei nicht einmal das Schlösschen nötig. Dennoch soll diese Aufgabe der Stiftung weiter im Schlösschen ihren Platz finden. «Das ist klar», so Hug.
Noch ist es aber eine Idee des Gemeindepräsidenten und Stiftungspräsidenten in Personalunion. Zuerst will er nun im Stiftungsrat der Moos-Flury-Stiftung sondieren, ob seine Idee auf fruchtbaren Boden fällt. Falls ja, wird sich auch der Gemeinderat von Biberist damit befassen. Vom Kanton habe er bereits positive Zeichen erhalten, dass man einem Übergang des Schlösschens an die Gemeinde zustimmen könnte.

Wechselhafte Geschichte

Anfangs des 17. Jahrhunderts erbauten Hieronymus von Roll und sein Sohn Johann II. das Schlösschen Vorder-Bleichenberg. Das stattliche Gebäude blieb bis 1816 Sommersitz der Familie von Roll. Dort heiratete 1760 Anna Maria Ludovica von Roll ihren Urs Viktor von Roll. Sie wurde bekannt wegen ihrer Bekanntschaft mit dem weltberühmten Verführer Giacomo Casanova. Er sah in ihr, wie er festhielt, «ein Zauberbild, das mir den Verstand raubte». Später besuchte er die «belle amazone» in Solothurn. 1902 übernahm der Staat Solothurn Schlösschen und Gutsbetrieb und liess ihn durch die Strafanstalt Oberschöngrün bewirtschaften. Das Schlösschen diente als Behausung des Meisterknechtes und als Vorratskammer und verkam schliesslich derart, dass sogar ein Abbruch ins Auge gefasst wurde, gegen den sich aber der Denkmalschutz erfolgreich wehrte. 1970 übergab der Kanton das Schlösschen der Moos-Flury-Stiftung. Haupinitiator Rudolf Klöti sanierte mit Helfern in unzähligen Fronstunden das Schlösschen. Mitgeholfen haben auch Gelder von Bund, Kanton und Gewerbe. 1971 folgte ein sechstägiges Schlösslifest. Im Frühling 1972 wurde das sanierte Schlösschen eingeweiht. Der 1972 gegründete Verein der Freunde des Schlösschens Vorder-Bleichenberg ist bis heute für das kulturelle Leben im Schlösschen zuständig.