Audienz im Schlössli
Schloss Waldegg ist «ausgebucht für die nächsten eineinhalb Jahre»

Tamara Hug lebt und und arbeitet auf dem Schloss Waldegg in Feldbrunnen St.-Niklaus. Vor allem in der Sommerzeit herrscht hier Hochbetrieb. Aber auch während den restlichen Monaten hat das Museum und Kulturstätte viele Besucher.

Letizia Krummenacher
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In den Sommermonaten ist Schlosswartin Tamara Hug von früh bis spät im Einsatz.

In den Sommermonaten ist Schlosswartin Tamara Hug von früh bis spät im Einsatz.

Hanspeter Baertschi

Audienz im Schlössli

Zahlreiche Schlössli und prächtige Landsitze zeugen von einst feudalen Verhältnissen in unserer Region. Ob herausgeputzt oder halb verfallen – die ehemaligen Patrizierhäuser in der Umgebung von Solothurn faszinieren noch heute.
In einer Sommerserie blicken wir hinter die Fassaden der Häuser und treffen die Menschen, die in dieser besonderen Umgebung wirken, leben und arbeiten.

Mit einer Tasse Kaffee sitzt sie unter der Galerie des Westflügels. Von dort aus öffnet sich der Blick über den Garten und in die Ferne bis zu den Alpen. «Die Weite öffnet nicht nur den Blick über die Landschaft, sondern auch eine Tür zur Seele. Wenn man hier sitzt, kann man seine Seele baumeln lassen und hat Luft zum Leben», sagt Hug.

Diese kurzen Auszeiten sind für sie und ihren Mann Fredy Hug sehr wichtig. Denn als Schlosswart-Ehepaar sind sie in den Sommermonaten fast jeden Tag von morgens bis abends spät beschäftigt. Sie betreuen die Kunden, erledigen die Administration, organisieren und begleiten private und öffentliche Anlässe auf dem Schloss. Sie sind immer vor Ort und müssen für jedes kleine Problem eine Lösung parat haben. «Es gibt immer irgendetwas, das fehlt», sagt Tamara Hug und erzählt: «An einem Hochzeitsfest hatte das Catering einmal die Salzstreuer vergessen. Ein andermal brachte ein Lieferant zwar Ballons, aber keine Schnüre dazu, um sie festzubinden.»

Idylle im Garten des Schloss Waldegg
8 Bilder
Das Schloss Waldegg
Ausnahmsweise ist es ruhig auf dem Schloss Waldegg.
Begegnungszentrum und Museum: Schloss Waldegg
Das Anwesen macht rundum einen gepflegten und idyllischen Eindruck.
Statue beim Schloss Waldegg
Einzigartig: Der Korridor verläuft ohne Hindernis durch das ganze Schloss.
Offene Türen: Das Museum soll für jeden zugänglich sein.

Idylle im Garten des Schloss Waldegg

Hanspeter Bärtschi

Anstrengend und bereichernd

Nicht nur während der Anlässe sei es wichtig, ständig präsent zu sein, sondern auch bei den diversen kulturellen Ausstellungen. «Unsere Aufgabe ist es, weiterzudenken. Erst gerade machte ich einen Künstler darauf aufmerksam, dass er sein Kunstwerk, welches er draussen aufgestellt hatte, noch anschrauben sollte. Denn ein starker Windstoss könnte es umwehen und dabei sogar jemanden verletzen.»

Als Schlosswartin trägt sie viel Verantwortung. Der Job erfordere viel Zeit, Flexibilität und sei anstrengend, sagt Hug. Aber die positiven Erlebnisse überwiegen: «Durch die Arbeit auf dem Schloss Waldegg hat sich mein kulturelles Fenster weit geöffnet. Ich erfahre jeden Tag etwas Neues und lerne die verschiedensten Menschen kennen.» Als besonders schön empfindet sie, dass sie bei den Feiern und Hochzeiten die Gäste begleiten und an deren glücklichen Momente teilhaben dürfe.

Seit 25 Jahren arbeiten und leben Tamara und Fredy Hug mit ihren Kindern auf dem Schloss Waldegg. Sie wohnen in der Kaplanei, also in der früheren Wohnung des Pfarrers, welche direkt an die St.-Michaels-Kapelle angrenzt. In der ersten Zeit kümmerte sich das Schlosswart-Paar nur um den Museumsteil. Am Morgen schlossen sie die Tore auf, begleiteten die Besucher durch den Tag und schlossen am Abend wieder ab. Diese Aufgabe wurde ihnen bald einmal zu langweilig.

Sie entwickelten Ideen und Visionen, was man aus dem Schloss als Zentrum für Kultur und Begegnung noch alles machen könnte. Ausserdem spürten sie bei den Besuchern ein Bedürfnis, die wunderschöne Kulisse des Schlosses vielfältiger zu nutzen. Mit einem kleinen Kaffee schufen sie ein erstes Angebot für die Besucher, damit diese die Schlossatmosphäre etwas länger geniessen konnten.

Eigene Geschichte stiftet Heimat

Nach und nach wurden Teile für private Anlässe, Firmenanlässe und Tagungen zur Verfügung gestellt. «Die Bevölkerung schätzt das erweiterte Angebot und nutzt es intensiv. Bis auf die nächsten eineinhalb Jahre sind wir jedenfalls total ausgebucht», sagt Tamara Hug zufrieden.

Sie hofft, ihre Arbeit bis zur Pensionierung weiterzuführen und noch die ein oder andere neue Idee in die Tat umsetzen zu können. Dabei ist es ihr immer ein Anliegen, den Besuchern ihre Begeisterung für die Geschichte weiterzugeben. Denn die Geschichte sei ein wichtiger Teil der eigenen Identität, findet Hug und sagt: «Wer die eigene Geschichte und die der Familie kennt, gibt seinem Leben einen Boden und eine Heimat.»