Audienz im Schlössli
Schloss Buchegg wird vom Solothurner Gefängnis zum Heimatmuseum

Heute ist im «Buechi-Schlössli» ein Heimatmuseum untergebracht - früher diente dieser Ort zu etwas ganz Anderem: der Turm war nämlich ein Gefängnis. Nun verwaltet die «Stiftung Buchegg» das Anwesen mit der spannenden Geschichte.

Agnes Portmann-Leupi
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Robert Flückiger, Präsident der Stiftung «Schloss Buchegg», vor dem ehemaligen Gefängnisturm und heutigen Museum.Fotos: Hanspeter Bärtschi

Robert Flückiger, Präsident der Stiftung «Schloss Buchegg», vor dem ehemaligen Gefängnisturm und heutigen Museum.Fotos: Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Baertschi

Audienz im Schlössli

Zahlreiche Schlössli und prächtige Landsitze zeugen von einst feudalen Verhältnissen in unserer Region. Ob
herausgeputzt oder halb verfallen – die ehemaligen Patrizierhäuser in der Umgebung von Solothurn faszinieren noch heute. In einer Serie blicken wir hinter die Fassaden der Häuser und treffen die Menschen, die in dieser besonderen Umgebung wirken, leben und arbeiten.
Bereits erschienen: Schlösschen Vorder-Bleichenberg, Königshof, Wylihof, Schloss Waldegg und Schlösschen auf dem Buechhof. (crs)

Nach umfangreichen Renovationen eröffnete die Stiftung im Jahr 1956 das Heimatmuseum im mittlerweile zum «Buechi-Schlössli» avancierten Turm. Die erste Ausstellung zeigte Werke der drei Bucheggberger Maler Max Brunner, Hans Jauslin und Werner Miller. Seither wird der Turm als Ausstellungsraum für regionale Künstler benützt. Im Turm stehen zudem alte Gegenstände aus dem Bucheggberg wie etwa eine nicht alltägliche Uhr aus Gächliwil oder eine Reihe von ledernen Wassereimern der Feuerwehr. Seit dem 50-Jahr-Jubiläum des Schlösschens informiert im Parterre ein zweimal vier Meter langer Fries in Bildern und Texten über das Geschehen um den geschichtsträchtigen Ort. Künstlerische Darstellungen zeigen den Turm aus verschiedenen Perspektiven.

Im Museum sind geflochtene Körbe ausgestellt.
6 Bilder
Im Museum sind geflochtene Körbe ausgestellt.
Im Museum sind geflochtene Körbe ausgestellt.
Robert Flückiger, Präsident der Stiftung «Schloss Buchegg», vor dem ehemaligen Gefängnisturm und heutigem Museum.
1545 gaben Berner den Auftrag ein Gefängnis in Schnottwil zu bauen.
Die Turmuhr von Gächliwil

Im Museum sind geflochtene Körbe ausgestellt.

Hanspeter Bärtschi

Hier darbten die Gefangenen

Indirekt verdankt der Turm seine Entstehung den Bernern, die die Solothurner im Jahr 1545 beauftragten, in Schnottwil ein Gefängnis zu bauen. Es sei nämlich vertragswidrig, wenn die Solothurner die Verbrecher aus dem Bucheggberg im Gefängnis im Turm zu Halten unterbrächten. Schliesslich wurde das Gefängnis – das bis 1798 als solches diente – im Jahr 1546 in Kyburg-Buchegg gebaut. Im obersten Geschoss wohnte der Gefängniswart, im mittleren und untersten Raum waren die Gefangenen unterbracht. Später diente der Turm kleinbäuerlichen Betrieben, und er wurde im 19. Jahrhundert mit einem Anbau erweitert. Diesen benutzte die Bucheggberger Jugend noch bis vor rund 70 Jahren als Tanzlokal.

Festspiel zur Museumseröffnung

Ein kleines Jubiläum kann heuer Robert Flückiger feiern. Er gehört seit 30 Jahren zum Stiftungsrat, seit acht Jahren steht er der Stiftung als Präsident bevor. Den Turm kennt er von Kindsbeinen an, ist er doch in seiner Nähe aufgewachsen. «Wir haben im Turm gespielt und die aufregenden, unterirdischen Gänge erforscht», erinnert er sich. Einschneidend sei zudem das Jahr 1956 mit dem Festspiel zur Museumseröffnung gewesen. Sein Vater und seine Mutter hätten dort mitgespielt. In der Schule habe er Zeichnungen gemalt, und das Kinderfest sei ihm in bester Erinnerung geblieben.

Der Stiftungsrat funktioniert im Ressortsystem. Einnahmequellen bilden der Verein «Geschichts- und Kulturfreunde Bucheggberg», die Gemeinden, die Bürgergemeinden, die Kunstausstellungen, Führungen und Vermietungen. Alles basiert auf Ehrenamtlichkeit. Zu den Aufgaben des Stiftungsrates gehören neben der Förderung von Kultur und Kunst und des Unterhalts des Schlosses Buchegg auch der Unterhalt des Bucheggberger Waldwanderwegs und der Betrieb des Bezirksarchivs in Lüterswil. Jährlich zeichnet er zudem eine verdiente Person oder Organisation mit dem Kultur- und Anerkennungspreis aus. Die Apéros vor dem Hälblingspeicher auf dem Vorplatz sind jeweils nicht nur eine Gaumenfreude. Als Augenweide erweist sich der prächtige Blick ins Limpachtal und in die Alpen.

Überreste einer Burg

Der Platz rund um den Turm ist geschichtsträchtig. Bis 1383 stand dort tatsächlich eine grosse Burg, die vermutlich im 11./12. Jahrhundert erbaut wurde. Erstmals wird ein Graf von Buchegg, Hugo, im Jahr 1130 in einer Urkunde erwähnt. Mit Hugo II. stirbt das Geschlecht von Buchegg im Mannesstamm aus. Erben sind die Senn von Münsingen, die die Herrschaft – die Burg selber wurde 1383 im Burgdorfer Krieg zerstört – im Jahr 1391 an die Stadt Solothurn verkauften. Bern behielt bis 1798 die hohe Gerichtsbarkeit.

Heute sind die alten Mauerzüge wieder sichtbar. Vor drei Jahren wurden die riesigen Bäume gerodet und die Überreste der Ruine gereinigt und instand gestellt. Bilder mutmassen vom früheren Leben in der einstigen Burg. Das umfassende Sanierungskonzept beinhaltete zudem die Restauration des Speichers, eine Toilettenanlage und einen Apéroraum. Mitschuldig, dass es unterhalb des Schlösschens wieder einen Rebberg gibt, ist das Aquarell des Berners Albrecht Kauw aus dem Jahr 1670. Davon zeugen auch alte Katasterpläne und Ratsmanuale. Die Rebbaugenossenschaft «Kibberg-Schlössli», welche den Rebberg pflegt, kann heuer ihr 20-jähriges Bestehen feiern.

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