Balm bei Günsberg
Schlechter als der Schweizer Durchschnitt: «Wir haben eine extrem langsame Internetverbindung»

Die Gemeinde Balm bei Günsberg hat erheblich schlechtere Internetverbindungen als der Schweizer Durchschnitt. Trotz Beschwerden will die Swisscom vorläufig jedoch nichts ändern.

Jasmin Krähenbühl
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Balm bei Günsberg am Fuss des Balmfluhköpflis ist mit Fernmeldediensten unterdurchschnittlich versorgt.

Balm bei Günsberg am Fuss des Balmfluhköpflis ist mit Fernmeldediensten unterdurchschnittlich versorgt.

Urs Byland

«Unsere Internetverbindung ist extrem langsam und in unserer Gemeinde haben viele Haushalte noch analoge Anschlüsse», sagt Pascale von Roll, Gemeindepräsidentin von Balm bei Günsberg. Diesen Missstand wollte die kleine Gemeinde nicht einfach so hinnehmen.

Deshalb wandte sie sich diesen Frühling in einem Schreiben an die Swisscom. Und siehe da: Auch die Swisscom befand Balm bei Günsberg als «unterdurchschnittlich versorgt». Doch weshalb hat sich die Situation bis heute nicht verbessert?

Swisscom ist Grundversorgerin

Um diese Frage zu beantworten, muss man gewisse Umstände miteinbeziehen. Bis 2018 ist die Swisscom für die gesetzliche Grundversorgungspflicht der Fernmeldedienste in der Schweiz verantwortlich. Das heisst, dass sie allen Landesteilen und Bevölkerungskreisen einen Anschluss an Telefonie, Fax, Datenübertragung, Breitband-Internetverbindung, Zugang zu Notrufdiensten, öffentliche Sprechstellen und besondere Dienste für Behinderte garantieren muss.

Auch in Balm bei Günsberg führt die Swisscom ihre Aufgabe gesetzeskonform aus – doch sie stellt eben nur die Grundversorgung nur Verfügung, nicht mehr und nicht weniger. Während man im grössten Teil der Schweiz auf zusätzliche Services zugreifen kann, man denke schon nur an Swisscom-TV oder ein Abo mit schnellem Internet, ist in Balm bei Günsberg nur das gesetzliche vorgeschriebene Minimalangebot verfügbar.

Besonders das Internet ist deshalb frappant langsamer als in besser versorgten Gebieten. Zum Vergleich: In Balm bei Günsberg surft man mit der gesetzlich vorgegebenen Mindestgeschwindigkeit von zwei Megabits pro Sekunde. Die schnellste Internetverbindung, die Swisscom im Angebot hat, liegt bei einem Gigabit pro Sekunde, ist also 500mal schneller.

90 Prozent der Haushalte in Balm bei Günsberg empfangen diese 2 Megabits pro Sekunde über den Festnetzanschluss. Bei den restlichen zehn Prozent ist selbst die Erschliessung über Festnetz nicht möglich. Für die Betroffenen stünden aber alternative Angebote wie Mobilfunk oder Satellit zur Anwendung, wenn sie dies beantragen, sagt Swisscom in einer Stellungnahme.

Unrentable Gemeinde

Mit diesem Hintergrund lässt sich nun auch das Verhalten der Swisscom erklären. Dass die Situation in der Gemeinde nicht dem Schweizer Standard entspricht, weiss auch die sie und stuft Balm bei Günsberg daher als «unterdurchschnittlich versorgt» ein.

Man dürfe die Grundversorgung aber nicht mit dem Wettbewerb gleichsetzen, lässt die Swisscom verlauten. Sie erfüllt die Aufgabe der Grundversorgungspflicht und ist daher nicht gezwungen, ihr Angebot in Balm bei Günsberg auszubauen. So geht es am Ende überall um das Geld. Die Telekomunternehmen in der Schweiz konkurrenzieren sich, mit guten und preiswerten Angeboten wollen sie Kunden gewinnen – und wo es nicht rentiert, wird auch nicht investiert.

So hat die Gemeinde Balm bei Günsberg mit ihren 191 Einwohnern kein grosses Marktpotenzial und es ist deshalb wenig attraktiv für die Swisscom und andere Telekomunternehmen. Die Swisscom betont jedoch, dass sie mittel- bis langfristig den ganzen Festnetz-Internetzugang in jeder Schweizer Gemeinde modernisieren will.

Im Falle Balm bei Günsberg rechtfertigt sie sich damit, dass es in der Schweiz rund 2300 Gemeinden gäbe und es aufgrund der finanziellen als auch der bautechnischen Ressourcen nicht möglich sei, jede Gemeinde gleichzeitig auszubauen. Man müsse sich deshalb einer Reihenfolge unterordnen.

Hoffnung auf Besserung

Pascale von Roll hat sich mit der Situation abgefunden. «Wir warten nun bis 2018, wenn die Grundversorgungspflicht neu vergeben wird und nehmen dann das Gespräch mit der Swisscom wieder auf», sagt die Gemeindepräsidentin. Denn eventuell werden sich bis dahin die gesetzlichen Grundlagen für die Vergabe ändern.

Das Bundesamt für Kommunikation hat eine entsprechend vorgeschlagene Teilrevision bereits öffentlich diskutiert. «Die Änderung sähe unter anderem eine minimale Datenübertragungsrate von 3 Megabits pro Sekunde vor, also ein Megabit schneller, als man bisher in Balm bei Günsberg surfen konnte», erklärt von Roll.

Sollte diese Erhöhung nicht kommen, müsste sich die Gemeinde auf eigene Faust nach Alternativen umsehen. «Lösungen mit Satelliten oder mit lokalen Anbietern wie der GA Weissenstein müssten geprüft werden», so von Roll.

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