Balm bei Günsberg
Schlechte Erfahrungen schüren Ängste vor weiterem Asylzentrum

Wie tags zuvor in Günsberg, durfte die Balmer Bevölkerung an der Gemeindeversammlung ihre Sorgen und Bedenken zum geplanten Asylzentrum im Kurhaus auf dem Oberbalmberg äussern.

Marlene Sedlacek
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Wo einst Kurgäste Erholung suchten, werden schon bald Asylbewerber Zuflucht finden. (Archiv)

Wo einst Kurgäste Erholung suchten, werden schon bald Asylbewerber Zuflucht finden. (Archiv)

Christoph Gerber

Claudia Hänzi, Leiterin des Amts für Soziale Sicherheit, und David Kummer, Abteilungsleiter Sozialleistungen und Existenzsicherheit, standen den rund 40 Anwesenden persönlich Red und Antwort.

Genauso wie im Nachbardorf war die Empörung gross, dass der Kanton die Gemeinde dermassen überrumpelt hatte: Am letzten Donnerstag waren die Gemeinderäte informiert worden, bereits vor Weihnachten soll das kantonale Durchgangszentrum seinen Betrieb aufnehmen. 120 Personen, vor allem Familien mit Kindern werden dort Platz finden.

Kritik am Zustand des Gebäudes

Einerseits machten sich die Anwesenden Sorgen um die Sicherheit der Asylsuchenden: Ob sich der Kanton bewusst sei, dass das Gebäude in einem desolaten Zustand sei, oder ob der Brandschutz gewährleistet sei, waren Fragen aus dem Publikum.

«Bei Sturm und Schnee kommt bei einem Notfall kein Krankenauto den Berg hoch», war sich ein Bürger sicher. Hänzi versicherte, dass sie alles im Griff hätten und der Kanton das Gebäude bestimmt nicht in Betrieb nähme, wenn es den Ansprüchen nicht genügen würde.

Bedenken um die eigene Sicherheit, den guten Ruf der Gemeinde und die Unruhe im Dorf und auf dem Berg liessen die Wogen jedoch weit mehr hochgehen. Dies kommt nicht von ungefähr. Im ehemaligen Gewerkschafts-Ferienhaus sind 50 abgewiesene Asylsuchende untergebracht.

Mit einigen dieser Leute, die teilweise bereits jahrelang dort einquartiert sind, kommt es immer wieder zu Problemen wegen Drogen.

Gelächter bricht im Saal aus, als David Kummer auf die Hausordnung aufmerksam macht, die Rauchen, Alkohol und andere Drogen verbietet, und beteuert, dass eine regelmässige Polizeikontrolle Sicherheit gewährleisten werde. «Bin ich in einer Märchenstunde?», fragte ein Anwesender spöttisch. Aufgrund verschiedener Vorkommnisse zweifelt die Bevölkerung daran, dass die Polizei der Situation gewachsen ist.

Gemeindepräsidentin Pascale von Roll ist auch nicht begeistert über das Vorgehen des Kantons. Sie ruft jedoch die Bevölkerung dazu auf, das Beste aus der Situation zu machen.

Mit ihrer Forderung, im Ferienhaus anstelle der jetzigen Bewohner ebenfalls Familien mit Kindern unterzubringen, hofft sie sogar auf eine Verbesserung des heutigen Zustandes. Hänzi versprach, diese Forderung zu prüfen.

Steuersenkung auf 105 Prozent

Erfreulicheres zu besprechen gab es in den ordentlichen Traktanden der Gemeindeversammlung. Annette Feller-Flury präsentierte ein Budget mit einem Ertragsüberschuss von 10 545 Franken.

Die Mehrbelastung durch die Schülerpauschale wird durch einen Lastenausgleich von 97 000 Franken mehr als wettgemacht. «Dieser wird aufgrund der Gemeindefläche und der Länge des Strassennetzes berechnet», erklärte die Finanzverantwortliche. Deshalb werde er in den nächsten Jahren ähnlich hoch ausfallen.

Diese Tatsache und die guten Rechnungsabschlüsse im 2014 und voraussichtlich auch im 2015 veranlassten den Gemeinderat, eine Steuersenkung für natürliche Personen von 110 auf 105 Prozent zu beantragen. Der Souverän stimmte diesem Begehren einstimmig zu.

Ebenfalls sprach sich die Versammlung für einen Kredit von 18 000 Franken für die Erneuerung der Strassenbeleuchtung auf dem ganzen Gemeindegebiet aus. Die alten Lampen sollen durch LED-Leuchten ersetzt werden.

«In 15 Jahren ist die Investition durch Einsparungen bei Stromverbrauch und Unterhalt wettgemacht», rechnete Gemeinderat Christoph Siegel vor.

Auch der Kredit von 11 500 Franken für die Sicherung der Wegstrecke von der Postautostation zur Balmweid und der Burgstrasse durch einen Fussweg fand bei einer Gegenstimme Zustimmung. Der Kanton übernimmt 50 Prozent dieser Kosten.