Region

Schlange stehen vor den Hofläden: Corona-Krise führt viele zurück zu den Wurzeln

Im Laden auf dem Biohof in Küttigkofen werden die strengen Hygienevorschriften konsequent eingehalten.

Im Laden auf dem Biohof in Küttigkofen werden die strengen Hygienevorschriften konsequent eingehalten.

Vor den Hofläden, die regional hergestellte Nahrungsmittel verkaufen, stehen die Kunden Schlange – immer im Abstand von zwei Metern. Auch dies ein Trend, ausgelöst durch die Angst vor dem neuen Corona-Virus.

Am Boden liegt ein gelber Doppelmeter – Symbol für das «Social Distancing». Zehn Personen warten geduldig vor dem Laden des Küttigkofer Biohofs, bis sie an der Reihe sind. Wenn jemand aus dem Bioladen kommt, darf der nächste Kunde rein. Aber erst nachdem Christine Brechbühl dem Kunden ein desinfizierendes Pflegemittel auf die Hände gesprüht hat. Sicher ist sicher. Hektik kommt keine auf.

An der Kasse des Bioladens bedient Marlene Schaller und fragt auch bei kleinen Beträgen suggestiv: «Möchten sie mit der Karte zahlen?» Die Kundin geht darauf ein und bezahlt kontaktlos. Auch das ein Trend in der Corona-Krise. Bargeld gilt bei vielen Leuten als Virenschleuder und ein Zettel an der Kasse erinnert die Verkäuferin daran, nach jedem Kontakt mit Geldnoten die Hände zu desinfizieren.

«Bei uns gibt es keine Engpässe, es hat für alle genug»

«Es kommen nicht viel mehr Leute, aber sie legen vielleicht etwas mehr Waren ins Körbchen», schätzt die Verkäuferin. Gab es wirklich keine Hamsterkäufe? «Nur das WC-Papier ist uns ausgegangen», sagt Marlene Schaller mit einem Lachen. «Wie überall. Mehl, Teigwaren, Kartoffeln sind stärker gefragt, aber bei uns gibt es keine Engpässe, es hat für alle genug.» Einzig beim Lieferservice an Institutionen wie Kitas und Wohngruppen spüre der Küttigkofer Hofladen einen Rückgang, aber der sei hoffentlich zu verkraften.

Das Verhalten sowohl der Kundschaft als auch der Angestellten des Bioladens ist in Küttigkofen vorbildlich. Mehr kann man eigentlich gar nicht machen. «Es ist unsere Pflicht, die Vorschriften einzuhalten. Es ist uns wichtig, dass wir alles tun, damit sich bei uns möglichst niemand ansteckt. Das hat aber nichts mit Bio oder Fair Trade zu tun, das machen alle Läden so», findet Marlene Schaller.

«Die Leute werden wieder geerdet»

«Die Leute werden wieder geerdet», fasst Sandra Grütter ihre Sicht auf die Auswirkungen der Angst vor dem Corona-Virus zusammen. Seit zwei Jahren führt sie den Selbstbedienungsladen auf dem Subinger Weierhof, und in letzter Zeit sei der Umsatz spürbar gestiegen. «Viele merken jetzt wieder, wie wichtig die heimische Landwirtschaft ist. Unsere Kartoffeln laufen besonders gut, aber es gibt keine Hamsterkäufe.»

Eine Innovation, die vielleicht am Anfang für viele eher abschreckend wirkte, sei nun für ihren Laden zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal geworden: «Wir zählen mehr Kunden, weil wir keine bediente Kasse haben. Bei uns sucht man sich seine Waren selber aus und bezahlt beim Automaten.» Deshalb sei das Ansteckungsrisiko wirklich sehr klein, findet Sandra Grütter. Zudem desinfiziere sie die Türfallen und den Touchscreen regelmässig mit Alkohol. Lebensmittel, die roh gegessen werden, seien nun verpackt.

Der Subinger Weierhof ist kein Einzelfall. Bauern, die schon früher etwas gewagt und auf alternatives Marketing gesetzt haben, werden jetzt für ihren Mut belohnt. In Mühledorf kann man das Angus Natura Beef, selbstverständlich aus nachhaltiger Muttertierhaltung, aus dem Automaten ziehen. In Bibern steht der «Biomat, automatisch frisch» mit Honig, Würsten, Käse und natürlich mit Biomilch von glücklichen Kühen  – und der keimfreie Einkauf boomt.

Im Laden auf dem Biohof in Küttigkofen werden die strengen Hygienevorschriften konsequent eingehalten.

Im Laden auf dem Biohof in Küttigkofen werden die strengen Hygienevorschriften konsequent eingehalten.

Offene Türen

«Es kommen deutlich mehr Leute als sonst, aber Hamsterkäufe gibt es keine», beschreibt Ursula Riggenbach die Situation im Laden auf dem Rosegghof, den sie an der Stadtgrenze zu Langendorf seit 24 Jahren führt. Beim Eingang habe es Desinfektionsmittel für die Hände, und sie habe die Tür offen gelassen. «Der frische Wind gibt ein gutes Gefühl, und unser Laden ist gross genug, damit die Kunden den Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten können.»

Zusätzlich zur Stammkundschaft seien auch Kunden gekommen, die sonst auf dem Gemüsemarkt einkaufen. «Die kaufen auch noch ein Kilo Mehl oder zwei Kilo Kartoffeln zusätzlich. Haltbare Lebensmittel, die man immer brauchen kann.» Ob diese Mehreinnahmen genügen, um die Schliessung der Gaststube auszugleichen, könne sie noch nicht abschätzen. Aber Ursula Riggenbach will nicht schwarzmalen: «Jetzt sind bei uns alle Anlässe abgesagt, aber sobald die Massnahmen wieder gelockert werden, wird es einen Nachholbedarf geben.»

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