Es ist schon fast zur Gewohnheit geworden, das Maishotel am Nennigkofer Waldrand mit Sicht auf Jura und Aaretal. So selbstverständlich führt Herbert Schluep zusammen mit seiner Partnerin Erika Bader den Betrieb, dass er ganz überrascht ist, als man ihm zum Zehn-Jahr-Jubiläum gratuliert. «Was, zehn Jahre schon?», fragt er und zählt an den Fingern ab.

Tatsächlich: 2007 eröffnete das aussergewöhnlichste Hotel der Region seine grünen Pforten. Das Angebot ist wertvoll für den Solothurner Tourismus. Die meisten Gäste bleiben zwar nur eine Nacht. Andere verbringen mehrere Tage am sanften Hang und unternehmen Ausflüge in die Region.

An klaren Abenden unter tausend Sternen zu schlafen lässt nicht nur die Herzen von Romantikern höherschlagen. Viele Familien, Vereine und Firmen zählen zu den Gästen des Maishotels. Die Reservationen für die neue Saison, die am Freitag, dem 17. Juni startet, kommen derzeit täglich herein. Noch nie lief es mit den Anfragen so gut wie dieses Jahr.

Ferien zu Hause: Das Maisfeld-Hotel

Ferien zu Hause: Das Maisfeld-Hotel

Schlafen unter 1000 Sternen: In Nennigkofen können Naturverbundene im Maisfeld auf Strohballen übernachten. Wie angenehm ist das?

«Dann geht es ab hier»

Derzeit sieht es dort, wo in ein paar Wochen grüne Wände zwischen Korridoren und Zimmern stehen, noch etwas kahl aus. Etwa zehn Zentimeter lugen die krautartigen Halme aus dem Boden. «Wenn es in den kommenden Tagen und Nächten nicht allzu kalt wird, dann geht es aber ab hier mit dem Wachstum», sagt Herbert Schluep. Mindestens 20 Grad wären ideal. Über 5 Zentimeter pro Nacht wächst dann der Mais, und in ein paar Wochen sind die grünen Wände hochgezogen.

Das dürfte insbesondere den Gästen in der Honeymoon-Suite wichtig sein. Im etwas grösseren Zimmer haben schon einige Paare ihre Hochzeitsnacht verbracht, verrät der Betreiber. Dabei kostet dieses nicht mehr als die anderen Zimmer: 80 Franken pro Person, 15 Franken kostet das Frühstück.

Zuvor muss der pensionierte Landwirt, der auch Gemeindepräsident ist, den Acker aber nochmals striegeln und hacken. Zwei Arbeitsdurchgänge brauchts, damit das Unkraut verschwindet. Herbizide kommen bei Schlueps Bio-Mais nicht zum Einsatz.

Fussball und Bratwurst

Für Unterhaltung sorgt dieses Jahr das Public Viewing der Spiele der Fussball-Europameisterschaft in Frankreich. In der Scheune werden zwischen blau-weiss-roter Dekoration diverse Spiele auf Grossleinwand gezeigt. Zusammen mit dem örtlichen Skiklub wird zudem ein Restaurant betrieben. Eine Stunde vor Anpfiff öffnet der Betrieb. «Willkommen sind alle, nicht nur die Bucheggberger», sagt Schluep. Eintritt verlangt er nicht.

Damit er weiss, ob sich die Gäste wohlfühlen, schläft der Hotelbetreiber mindestens einmal pro Saison selber in der Unterkunft. «95 Prozent der Besucher sind sehr zufrieden.» Deshalb habe er sein Konzept seit drei Jahren nicht mehr verändert. Und sollte einmal jemand nach einer Nacht wegen Rückenschmerzen klagen, vertröstet Schluep auf den kommenden Tag, wo es bestimmt wieder besser gehe. «Natürlich sind die Heuballen in den Betten etwas hart.» Das sei aber praktischer als loses Stroh, das von den Kindern beim Spiel herumgeschmissen werde. Ist jemand auf das Heu allergisch, wird ein Tuch über die Matratze gespannt. «Damit es weniger ‹stübt›».

Wildschweine suchen das Weite

Bis zu 40 Gäste können gleichzeitig im Maishotel schlafen, insgesamt verfügt die Anlage über 16 gedeckte Zimmer, eine zentrale Toilettenanlage und Grillplätze mit genügend Brennholz. Einzig den Schlafsack müssen Besucher mitnehmen. «Ansonsten ist man hier ganz der Natur überlassen.»

Die Vögel zwitschern, vielleicht rennt eine Maus vorbei, aus dem Wald ruft der Uhu. Vor Wildschweinen brauche man aber keine Angst zu haben. «Sie suchen das Weite, wenn sie Menschen riechen.» Und die Mücken schlägt der Hanf in die Flucht, der neben jedem Bett gepflanzt wurde – kein Drogenhanf notabene. Sollte es ein Gewitter geben, finden die Gäste Schutz in der Scheune. Schluep nimmt bei schlechtem Wetter aber spontan Stornierungen entgegen. «Es ist sinnvoller, wenn die Leute bei gutem Wetter kommen.»

Der Maishotelbetreiber freut sich auf die zehnte Saison. Er prüft die Pflanzen und konstatiert: «Die Farbe ist gut, es ist ein sattes Grün.» Keine Gelb- oder Brauntöne sind auszumachen. Bald schon ragt der Mais mannshoch in den Bucheggberger Himmel.