Rund eineinhalb Tage muss Geologe Christian Böhm pro Anlage vor Ort aufwenden. Dabei geht er nach einem genau definierten Verfahren vor. Der Kanton Solothurn, als Auftraggeber, hat ein Messraster vorgegeben. Im Abstand von jeweils fünf Metern nimmt Böhm Schadstoff-Messungen an der Oberfläche vor. Dort wo die Belastung hoch ist, bohrt er auch in die Tiefe, misst den Schadstoffgehalt erneut und nimmt Proben, die zusätzlich im Labor analysiert werden.

Bei der 300-Meter-Schiessanlage in Aeschi sind es 58 Messpunkte, die der Geologe abarbeiten muss. Die Messergebnisse werden in eine Karte übertragen und wiederum dort, wo die Werte am höchsten sind, werden zusätzlich Sondierschächte ausgehoben. Diese Schächte sind in aller Regel rund zwei Meter tief. Im Abstand von 20 Zentimetern werden weitere Proben entnommen. Vor Ort ist die Schadstoffbelastung teilweise auch von blossem Auge erkennbar. Dort nämlich, wo noch Kugeln im Kugelfang stecken und zu rosten begonnen haben.

Teilweise über 100-jährig

Bevor die Arbeit vor Ort begonnen hat, wurde bei jeder Anlage eine sogenannte historische Untersuchung durchgeführt. Dabei wurden Behördenmitglieder und die Verantwortlichen vonseiten der Schiessvereine befragt. «So haben wir beispielsweise herausgefunden, dass der Perimeter der Anlage in Aeschi grösser ist, als wir angenommen haben», erklärt Stephan Margreth (Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter Amt für Umwelt). Denn vor vielen Jahren war neben der heutigen 300-Meter-Schiessanlage eine 50-Meter-Anlage in Betrieb. Dies war den kantonalen Behörden bisher nicht bekannt. Kein Wunder, einige der Schiessanlagen werden seit mehr als 100 Jahren betrieben.

«Wir haben vor Jahren damit begonnen, die Schiessanlagen zu erfassen und sie im Kataster für belastete Standorte einzutragen», erklärt Martin Brehmer (Abteilungsleiter, Abteilung Boden, Amt für Umwelt). Das habe man aber vom Schreibtisch aus, auch mithilfe von Luftbildern, erledigt. Man sei deshalb in einem ersten Schritt auf die Hilfe der Schützen angewiesen. «Sie wissen, ob die Anzahl der Scheiben verkleinert wurde. Oder ob der Schiessstand, beispielsweise für ein eidgenössisches Feldschiessen, auch schon temporär erweitert wurde.»

Diese Erkenntnisse fliessen in den Bericht ein. Nach der historischen Untersuchung wird entschieden, ob ein belasteter Standort weiter untersucht werden muss, oder nicht. Bei den Schiessanlagen liegt der Fall anders. «Diese Böden müssen immer saniert werden, weil der Grenzwert für Blei überschritten wird. Probleme macht zudem Antimon, das für die Herstellung der Pistolen- und Gewehrkugeln verwendet wird.» Deshalb werden die historische Untersuchung und die Messungen vor Ort kurz hintereinander durchgeführt.

Blei ist gesundheitsschädigend

Mit den Messungen der Schadstoffbelastung vor Ort wird der Wert quantifiziert. Zudem kann errechnet werden, wie viel Erde ausgetauscht werden muss. Ein Bleigehalt unter 50mg/kg gilt als unbelastet. Ab 200 mg/kg muss der Boden saniert werden. Die Messungen in Aeschi zeigen aber auch einige Punkte, bei denen die Belastung über 2000 mg/kg liegt. «Diese Erde kommt in eine Bodenwaschanlage», so Stephan Margreth. Weil dies sehr viel kostet, wird die Erde vor dem Austausch separiert. Dort wo es möglich ist, wird der belastete Boden in eine Deponie Typ E gefahren.

Wieso denn dieser ganze Aufwand? Man könnte das Blei ja einfach im Boden lassen. Stephan Margreth widerspricht. Blei und Antimon könnten ausgewaschen werden und ins Grundwasser gelangen. Blei sei sowohl für den Menschen als auch für Tiere gesundheitsschädigend. Deshalb sind die Schiessanlagen seit einigen Jahren eingezäunt. «Damit wird verhindert, dass Kinder dort spielen oder Tiere weiden.» Die Sanierung der Kugelfänge sei eine vorsorgliche Massnahme. Laut Martin Brehmer ist Blei ein nicht zu unterschätzender Schadstoff. «Neue Studien zeigen, dass der heute geltende Grenzwert zu hoch angesetzt ist.