Nachgefragt
Schielen nach Solothurn: Haben die Zuchwiler Goodwill für eine Fusion?

Am Mittwoch diskutiert der Gemeinderat Zuchwil die Fusion Top 5. Aus Derendingen kommt die Empfehlung, nicht auf den Fusionsvertrag einzutreten. Im Dorf wird rege mitdiskutiert - was meinen die Zuchwilerinnen und Zuchwiler?

Urs Byland
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Der Wegweiser beim Kreisel nahe der Gemeindeverwaltung von Zuchwil zeigtden Weg zu Autobahn, Sportzentrum und Industrie. Hanspeter Bärtschi

Der Wegweiser beim Kreisel nahe der Gemeindeverwaltung von Zuchwil zeigtden Weg zu Autobahn, Sportzentrum und Industrie. Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Baertschi

Zuchwil ist die dritte Gemeinde, in der der Gemeinderat das Geschäft Solothurn Fusion Top 5 behandelt und zuhanden der Gemeindeversammlung eine Empfehlung abgibt. Der Derendinger Gemeinderat hat der Gemeindeversammlung Nichteintreten auf den Fusionsvertrag empfohlen, Solothurn intreten sowie Zustimmung zum Vertrag.

Nahe bei Solothurn liegt das Birchi-Quartier. Im höher gelegenen Teil reiht sich Einfamilienhaus an Einfamilienhaus. In einem Garten fällen zwei Männer Sträucher. Der Hausbesitzer will nichts sagen, sondern sägen, erwähnt aber, dass die Fusion kein Thema für ihn sei.

Der andere Mann ist der vormalige Hausbesitzer Hans Wälchli, der heute in Lostorf lebt, aber nach wie vor in Zuchwil ein klein wenig versteuert. Mitentscheidend seien die Finanzen, erklärt er skeptisch. Den Hinweis, dass Zuchwil mit einer Steuersenkung rechnen dürfte, kontert er mit: «Was passiert nach der Fusion, wie lange kann ein tiefer Steuersatz gehalten werden?»

Hans Wälchli.

Hans Wälchli.

Zwei Wanderer wollen den Bus erreichen. Dennoch gibt Hansruedi Plüss Auskunft. «Ich bin eher für die Fusion, hundertprozentig überzeugt bin ich aber noch nicht.» Vorteile sieht er in der Zusammenarbeit der Schulen. «Hier habe ich selber miterleben können, wie etwas vereinfacht werden kann.» Auch in der Zusammenlegung der Verwaltung ortet er Vorteile. «Da habe ich nicht Angst, dass am Ende Zuchwil nicht mehr Zuchwil bleiben wird.»

Hansruedi Plüss.

Hansruedi Plüss.

«Ich würde gern zu Solothurn gehören. Dann sind wir etwas grösser und haben mehr Bedeutung», erklärt Siegfried Keller, der gerade seinen Wagen auf dem Vorplatz entlädt. «Ich bin dafür.»

Siegfried Keller.

Siegfried Keller.

Nicht abstimmen kann die aus Italien stammende Tamara Nesti. Auch sie kommt mit dem Fahrzeug von einer Besorgung. Sie sei für Solothurn und diskutiere das Thema in der Familie. «Für Zuchwil wäre die Fusion gut. Solothurn ist ja nahe. Die Kosten für das Sportzentrum würden besser verteilt und steuerlich erhoffe ich mir schon etwas, das muss ich ehrlich sagen.»

Tamara Nesti.

Tamara Nesti.

Auf dem Trottoir neben dem Birchiwald schiebt Franziska Brechbühler den Kinderwagen nach Hause. «Ich habe wenig darüber gelesen.» Eine Fusion sei aber eine gute Sache, «weil man Kosten sparen kann».

Franziska Brechbühler.

Franziska Brechbühler.

«Was ist das?»

Haben die Menschen im Unterfeld, wo Wohnblöcke dominieren, auch Goodwill für eine Fusion? Mehrheitlich sind Ausländer anzutreffen, die sich ungern äussern. Die Sprache ist die erste Hürde und der Begriff Fusion die zweite. «Was ist das?» Nach vielen Erklärungen kommt dann die Erleuchtung. «Doch, davon habe ich gehört. Das ist gut, wenn ich weniger Steuern zahlen muss.» Namentlich will sie nicht genannt werden. «Ich habe meine Meinung gesagt!»

Der ältere Herr, der sein Fahrzeug in der Garage parkiert, sagt klar nein zur Fusion. Einen Grund habe er auch, aber den will er nicht nennen, ebenso wenig wenig will er seinen Namen in der Zeitung sehen. «Das ist noch nicht reif.»

Der Jogger, der über den Parkplatz beim Sportzentrum springt, lebt erst seit zwei Wochen in Zuchwil und hat keine Ahnung, worum es geht. Auch Muammer Senoglu weiss nichts von der Fusion. Er lebt seit 1994 mit seiner Familie in Zuchwil und kann sich, nach einigen Erklärungen, eine Fusion vorstellen. «Weniger Bürokratie.»

Muammer Senoglu.

Muammer Senoglu.

Nebenan spricht eine Spaziergängerin, die mit ihrem Hund unterwegs ist, mit zwei Frauen auf einem Balkon. «Ich lebe seit 40 Jahren in Zuchwil und bin gegen eine Fusion», sagt Luzia Peric. Zur Begründung erklärt sie: «Ich hatte nie ein Problem mit Zuchwil.»

Luzia Peric.

Luzia Peric.

Kein Interesse und viel Interesse

Die Fusion Top 5 ist ein dankbares Thema in einer Diskussion unter Kolleginnen und Kollegen. Etwa im Verein oder andernorts. Stimmt das? «Uns Frauen interessiert die Fusion Top 5 nicht gross», sagt Marlyse Egger. Sie ist Präsidentin der Damenriege Zuchwil, verkehre aber eher mit älteren Turnerinnen.

«Sie engagieren sich meistens nicht mehr stark in der Gemeinde, und es ist ihnen gleich, ob sie die Steuern in Zuchwil oder in Solothurn zahlen müssen.» Bei den Turnern werde die Fusion heftiger diskutiert. «Natürlich hält man sich im Verein mit seiner politischen Meinung zurück. Man sucht eher die Geselligkeit.»

Sie hat schon recht. Bei den Turnern wird die Fusion in der Garderobe rege diskutiert, bestätigt Helmut Staudt, Präsident des Turnvereins. «Wenn ich aus Sicht des Vereins spreche, dann fragen wir uns, wie die Miete der Halle bei einer Fusion geregelt würde», erklärt er.

«Müssen wir dann eine Miete entrichten, wie dies teilweise in Solothurn der Fall ist? Das würde den Jahresbeitrag der Turner verdoppeln.» Zur Stimmung in der Garderobe erklärt Staudt: «Man spürt Vorbehalte gegenüber einer Fusion. Da ist keine Euphorie, im Gegenteil fragt man sich, ob das überhaupt nötig sei.»

Diskutiert wird die Fusion in der katholischen Kirchgemeinde, aber, so der Eindruck des Präsidenten Hans Spichiger, eher zurückhaltend. «Ich habe das Gefühl, die Leute haben sich eine Meinung gebildet, aber nicht eine für die Fusion positive.» Auch bei den Katholiken sei der Zusammenschluss von Kirchgemeinden ein grosses Thema.

«Aber wir werden eher Richtung Zusammenarbeiten gehen. Fusionen können wir uns bislang nicht vorstellen.» Er selber habe seinerzeit an der Gemeindeversammlung dafür votiert, eine Fusion zu prüfen. Mittlerweile sei er persönlich aber skeptisch eingestellt.

«Nicht nur ich, auch andere Mitglieder der katholischen Kirchgemeinde sehen die Zukunft in der Zusammenarbeit etwa von Feuerwehr, Zivilschutz oder wie bis anhin im Sozialbereich.»

In der reformierten Kirchgemeinde seien die Flüchtlinge das grosse Thema. «Zur Fusion habe ich in meinem Umfeld kaum etwas gehört. Das ist auch nicht ein Thema, das üblicherweise in einer Kirchgemeinde diskutiert wird», sagt Pfarrer Ralf Bethke.

Die Bürgergemeinde betrifft die Fusion nicht, sagt Präsident Patrick Wyss. Sie wird deshalb auch nicht offiziell thematisiert. Ansonsten sei das Thema aber top und werde viel diskutiert. «Es beschäftigt die Leute. Ich habe den Eindruck, dass eine Fusion eher abgelehnt wird.» Die Menschen seien unsicher, was auf sie zukommt, und wüssten nicht, wo die Vorteile einer Fusion liegen würden. (uby)