Und nochmals sinken die Abgaben in Solothurn. Weil die Stadt auf einem fetten Vermögen von 78 Millionen Franken sitzt und die Zahlen auch für nächstes Jahr rosig sind, purzelt der Steuerfuss. Gegen den Willen des Gemeinderates drückte die Gemeindeversammlung eine Steuersenkung auf 110 Prozent durch. Damit hat Solothurn im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden seit Jahren erstmals den günstigsten Steuerfuss – mit Ausnahme Feldbrunnens.

Bloss ändert dies für das Gros der Bevölkerung mit durchschnittlichem Einkommen kaum etwas. Zwei Prozent mehr oder weniger sind im Portemonnaie kaum spürbar. Dennoch bleibt der Steuerfuss eine messbare Grösse, die viel Beachtung findet und woraus sich manche einen Fetisch machen. Wie reagiert man also in den umliegenden Gemeinden auf den Solothurner Tiefflug?

Im kantonalen Durchschnitt

Mehr an die Gemeindekasse abliefern müssen dieses Jahr die Langendörfer. Weil die Gemeinde die über 17 Millionen Franken für Schulhaus- und Turnhallenbauten nicht aus dem Ärmel schütteln kann, steigt der Steuerfuss um vier Prozent. Die Gemeindeversammlung akzeptierte dies im Dezember mit grosser Mehrheit. Damit liegt Langendorf im kantonalen Durchschnitt des vergangenen Jahres. 2017 betrug der Mittelwert aller Solothurner Gemeinden 118,7 Prozent, etwas weniger als im Vorjahr.

Ziel sei es, die Verschuldung im Verlauf der nächsten Generation abzubauen, sagt Gemeindepräsident Hans-Peter Berger (SP). Er glaubt nicht, dass Langendorf dadurch an Attraktivität verliert. «Wenn ich mit Neuzuzügern spreche, so ist der Steuerfuss bei der Wahl des Wohnortes kaum ein Thema. Dieser kommt erst etwa an sechster Stelle.» Wichtiger seien Schulwege oder Einkaufsmöglichkeiten.

Für wirklich Vermögende komme im Kanton Solothurn ohnehin nur Feldbrunnen infrage. Diese könnten sich die hohen Liegenschaftspreise dort leisten. Berger begrüsst die Existenz solcher Steueroasen, die Gutbetuchte in den Kanton locken. «Davon profitiert auch die Allgemeinheit.» Im Übrigen müsse man neben den Steuern die Gebühren in Betracht ziehen, etwa für Wasser und Abwasser. Diese wurden in Langendorf zweimal infolge gesenkt und seien nun im Vergleich sehr tief.

Biberist und Zuchwil im Gleichschritt

Gesenkt werden die Steuern in Biberist, das früher von bösen Zungen als Steuerhölle verspottet wurde. Dieses Etikett trägt die Gemeinde seit diesem Jahr definitiv nicht mehr. Wenn dieser Stempel irgendwo im Kanton passt, dann in Holderbank, wo der Steuerfuss 140 Prozent beträgt. Damit setzte Gemeindepräsident Stefan Hug, notabene ein Linker, eines seiner Wahlkampfversprechen in die Tat um. Fairnesshalber gilt es zu sagen, dass sich Hug der Finanzkommission anschloss, die eine Senkung aufgrund des Eigenkapitals von 13 Millionen Franken und der positiven Aussichten vorschlug.

Ebenfalls runter gehen die Steuern in Zuchwil, das mit Biberist gleichzieht. Noch immer schleppt das Industriedorf Schulden von 31 Millionen Franken mit sich herum, trotz vorübergehender Steuererhöhung. Zudem investiert die Gemeinde 8 Millionen Franken in die Sanierung des Freibades. Eigentlich könne man sich eine Senkung nicht leisten, sagt Finanzverwalter Mike Marti. Trotzdem tat die Gemeindeversammlung im Dezember auf Antrag des Gemeinderats genau dies. Dadurch entgeht der Gemeindekasse eine knappe halbe Million Franken pro Jahr.

Weniger Steuern zahlt dieses Jahr auch die Bevölkerung von Lüsslingen-Nennigkofen. Zwar grenzt die Bucheggberger Gemeinde wegen rund 100 Metern nicht an Solothurn, dennoch orientieren sich viele Bewohner in Richtung Stadt Solothurn. Nach zwei guten Jahren wolle man die Bevölkerung an der positiven Entwicklung teilhaben lassen, so Gemeindepräsident Herbert Schluep (FDP).

Infogram: Steuerfüsse von Solothurn und den umliegenden Gemeinden im Vergleich

«Leute laufen nicht davon»

Schier in Stein gemeisselt ist der Steuerfuss in Rüttenen. Dort müssen die Bewohner seit 2011 gleich viel abliefern, nämlich 112 Prozent. Das bleibt auch kommendes Jahr so, trotz einer Schulhaussanierung von 6 Millionen Franken und einem Pro-Kopf-Vermögen, das sich in eine Verschuldung kehrt. Rüttenen sei ein attraktives Dorf, und man unternehme viel, dass dies so bleibt, sagt Gemeindepräsident Gilbert Studer (FDP). «Nur, weil wir jetzt einen höheren Steuerfuss als Solothurn haben, laufen uns die Leute nicht davon.»

Rüttenen sei ein Familiendorf, glänze im Vergleich zu Solothurn durch die Wohnlage und sei überdies gut mit dem öffentlichen Verkehr an die Stadt gebunden. Studer räumt aber ein, dass der Steuersatz eine gewisse Symbolik beinhalte und bei einem Umzug in Betracht gezogen werde – wenn auch nicht an erster Stelle.

Nicht alles wegsparen

Ähnlich schätzt dies Roland Stadler ein, freisinniger Gemeindepräsident von Bellach. Dort bleibt der Steuerfuss zwar gleich, ist aber 15 Prozentpunkte höher als 2011. «Schade, sind wir nicht Solothurn», sagt er lakonisch zur Entwicklung in der Stadt, die Bellach längst unterboten hat. «Natürlich hat ein tiefer Steuerfuss einen hohen Stellenwert und macht eine Gemeinde attraktiv. Doch noch wichtiger ist das Gesamtpaket aus Verkehrsverbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und der Grundversorgung.»

Bellach habe kein Vermögen und werde den Steuerfuss in den kommenden Jahren nicht senken können. Ausser, man würde auf gewichtige Posten verzichten. Doch dazu seien viele Einwohnerinnen und Einwohner nicht bereit.

Unerreichbares Feldbrunnen

Steuerparadies bleibt Feldbrunnen-St. Niklaus, obwohl sich der Steuerfuss in den letzten Jahren nach oben bewegte. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Weil die kleine, aber reiche Gemeinde immer mehr in den kantonalen Finanzausgleichstopf einzahlt, müsse man nächstes Jahr wieder über eine Steuererhöhung reden, so Gemeindepräsidentin Anita Panzer (FDP).

Fast eine Million Franken fliessen 2018 an den Kanton. Doch für die kommenden Jahre bleibt die unmissverständliche Devise im Gemeinderat: «Wir bleiben die steuergünstigste Gemeinde im Kanton» – notabene zusammen mit Kammersrohr. Der Steuerfuss soll 75 nicht überschreiten.