Sanierung
Herausforderung Glockenturm: Frischekur für über 85-jährige Kirche in Bellach

Der Glockenturm der Katholischen Kirche in Bellach wird saniert. Die Arbeiter haben mit aussergewöhnlichen Bedingungen zu tun.

Lucilia Mendes von Däniken
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Silvan Dominioni und Gregor Frisinghelli (von links) hängen die Glocken wieder auf.

Silvan Dominioni und Gregor Frisinghelli (von links) hängen die Glocken wieder auf.

Fabio Vonarburg

Seit einigen Wochen sind die Glocken der Katholischen Kirche in Bellach still. Zudem präsentiert sich der Kirchenturm verhüllt. Den Grund dafür kennt die Kirchgemeinde-Präsidentin Astrid Späti: «Abklärungen haben ergeben, dass es an der Zeit ist, die 1936/37 vom Basler Architekt Hermann Baur erbaute Kirche zu sanieren. Und da wir aktuell über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, wollten wir dies möglichst rasch und umfassend angehen.»

Zwar wurden in der Vergangenheit Umbau-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Vorabklärungen und Beurteilungen haben aber ergeben: Die Grundsubstanz der Kirche ist zwar in einem guten Zustand, da und dort sind aber Optimierungen und Anpassungen an aktuelle Richtlinien notwendig. Für das Sanierungsprojekt engagiert wurde das Solothurner Architekturbüro Eng Portmann Partner, der Bauingenieur Heinz Katzenstein sowie weitere Fachspezialisten.

Und wie es so läuft: Mit den Abklärungen kamen immer mehr «Baustellen» zum Vorschein, welche man nun auch angehen wollte. Denn, wenn der Handwerker schon mal vor Ort ist, das Gerüst steht, dann lohnt es sich, mehrere Dinge gleichzeitig in Angriff zu nehmen.

Glocke Bellach.

Glocke Bellach.

Fabio Vonarburg

Herausforderung Glockenturm

Der zuständige Bellacher Architekt Stephan Portmann schaute also genau hin – und begann Pläne zu zeichnen, Budgets aufzustellen und nach geeigneten Partnern zu suchen. So war für die Überprüfung der Glocken und deren Aufhängung ein Experte unabdingbar, denn: «Eine Glocke ist nicht einfach ein Glocke –, sondern das ganze Geläute, inklusive Turmuhr, ist ein Kulturgut, ein Musikinstrument und ein technisches Investitionsgut», so Portmann.

Als Profi wurde die Aarauer Glockengiesserei Rüetschi beauftragt, dieses Unternehmen besteht bereits seit 1367. Für den Experten Silvan Dominioni sind solche Aufträge zwar Alltag – und doch ist jedes Objekt speziell: «In Bellach mussten wir die Glocken abhängen und danach Joch und Klöppel zur Überprüfung mit nach Aarau nehmen. Diese Bestandteile haben ein stolzes Gewicht. Da im Kirchturm Bellach ein Fenster oder sonst eine Öffnung fehlt, musste das ganze Material im Turm nach unten gebracht werden.» Da die Treppen schmal und steil sind, musste man einen Teil des Bodens öffnen, um im Inneren des Turms einen kleinen Kran einzurichten. Zudem habe man –, um einer einseitigen Abreibung vorzubeugen und den Klang der vier Glocken zu verbessern – diese bei der erneuten Montage um ein paar Zentimeter gedreht.

Die Glocken müssen den Turm hochgezogen werden.

Die Glocken müssen den Turm hochgezogen werden.

Fabio Vonarburg

Um die Kirche an heutige Bedürfnisse anzupassen, suchte man den Kontakt zu verschiedenen Institutionen. So wurden mit der Gebäudeversicherung die Statik, die Gebäudehülle sowie das Thema Personensicherheit geprüft. Weiter suchte man zusammen mit PROCAP nach Lösungen für einen hindernisfreien Zugang zur Kirche. «Mit dem Resultat, dass wir die Zugänge zur Kirche anpassen, das Dach sowie die Gebäudehülle renoviert und die Automation der Glocken ersetzt werden», erklärt der Architekt und ergänzt, dass die Gebäudeautomation so erweitert werde, dass in Zukunft auch das Schliesssystem und die Beleuchtung darüber steuerbar sind.

Denkmalpflege gibt Richtlinie

Die Kirche in Bellach ist ein bedeutender Bau der Zwischenkriegszeit. In der Publikation «Baukultur im Kanton Solothurn 1940–1980, ein Inventar zur Nachkriegsmoderne» wird sie darum als «bedeutender Sakralbau» gewürdigt. Aus diesem Grund wurde für die fachliche Unterstützung der Sanierung Sara Schibler von der kantonalen Denkmalpflege beigezogen. Sie hat dabei auf folgende Leitlinien hingewiesen: «Beim vorliegenden Objekt ist darauf zu achten, dass die Dachrand-Details beibehalten werden, Dachziegel und Spenglerarbeiten möglichst nahe am Original bleiben und beim Neuanstrich der Fassade die ursprüngliche Farbigkeit erhalten bleibt. Dies alles im Sinne des Bauwerks und seines Erbauers. Unser Ziel ist, solche Baudenkmäler für zukünftige Generationen ungeschmälert zu erhalten.»

Trotz der aufwendigen Abklärungen und Arbeiten an der Kirche: «Nach Abschluss der Sanierung wird gegen aussen wenig davon zu sehen sein. Aber wir sind stolz darauf, dass unsere Kirche bald den aktuellsten Standards entspricht», lässt die Kirchgemeinde-Präsidentin verlauten. Bis Ende Oktober wird in und rund um die Kirche noch gebaut, saniert, repariert. Die Glocken beginnen hingegen schon früher wieder den Tag einzuläuten.

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