Bolken
Sanierung des Inkwilersees wird ein harter Eingriff für Tiere und Pflanzen

Die Kantone Bern und Solothurn informieren über die Sedimententnahme im Inkwilersee.

Urs Byland
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Infoveranstaltung zum Thema Sanierung Inkwilersee
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Dazu soll der See saniert werden. Philipp Staufer, Amt für Umwelt, berichtet über die Sanierung.
An drei Ständen beschreiben die Verantwortlichen die Vorgehensweise und die Konsequenzen der Sedimententnahme.
Markus Zeh (Amt für Wasser und Abfall, Kanton Bern) «Die nächsten Generationen sollen hier weiterhin einen See haben. Denn ein neuer See bildet sich hier nicht mehr, das geschieht höchstens in den Alpen»
Die Verlandung soll rückgängig gemacht werden, indem mit einem Saugbagger 15'000 Kubikmeter Sediment im Uferbereich entnommen werden
Philipp Staufer, Amt für Umwelt
Fischsterben wird es im Inkwilersee weiterhin geben, das ist klar.
Lukas Egloff zeigt, wo Schongebiete geplant sind. Dort werden die See- und Teichrosen nicht gemäht und keine Sedimente abgesaugt. Infoveranstaltung zum Thema Sanierung Inkwilersee
Die Hoffnung ist gross, dass die Sedimententnahme in einer Etappe ab Oktober bis März 2019 durchgeführt werden kann. In dieser Zeit werden Flora und Fauna am See weniger belastet.
Die Verantwortlichen sind sich einig, dass der See sich wieder erholen wird.

Infoveranstaltung zum Thema Sanierung Inkwilersee

Hanspeter Bärtschi

Der Inkwilersee soll gesunden oder zumindest nicht verlanden. Das ist das Ziel einer grösseren Sedimententnahme ab Oktober. Vor Ort informieren die beiden Anrainerkantone Bern und Solothurn die Beteiligten und Betroffenen, wie das geschehen soll. Dabei ist klar, Fischsterben im Inkwilersee wird es weiterhin geben. Vielleicht weniger, weil mehr Wasservolumen vorhanden sein wird. Aber wohl eher weniger, weil künftig keine Fische mehr ausgesetzt werden. «Das ist nicht sinnvoll», sagt Markus Zeh vom bernischen Amt für Wasser und Abfall. Erstes Ziel bleibt der langfristige Erhalt des Sees. «Die nächsten Generationen sollen hier weiterhin einen See haben. Denn ein neuer See bildet sich hier nicht mehr, das geschieht höchstens in den Alpen», so Zeh weiter.

Zustimmung zu diesem Ziel gaben die Einwohnerinnen und Einwohner der Anrainergemeinden Bolken und Inkwil, welche das Projekt der Sedimententnahme guthiessen. Der Inkwilersee verlande unnatürlich schnell, vor allem im Uferbereich, weshalb der Eingriff auch dort vorgenommen wird, erklärt Lukas Egloff, Amt für Umwelt Kanton Solothurn.

Die Verlandung soll rückgängig gemacht werden, indem mit einem Saugbagger 15'000 Kubikmeter Sediment im Uferbereich entnommen werden, mindestens zwei Meter vom Schilf entfernt in einem Streifen von 15 Meter Breite und einen Meter in die Tiefe. Die heutige Uferlinie soll erhalten bleiben, sodass das Ufer nicht weiter seeeinwärts wandert. Nebeneffekte seien eine Vergrösserung des Seevolumens sowie eine Entlastung des Sees von Material mit einem hohen Anteil von Nährstoffen.

«Starker Eingriff»

An drei Ständen beschreiben die Verantwortlichen die Vorgehensweise und die Konsequenzen der Sedimententnahme. Der Unterricht wird begleitet von umfangreichen Vogel- und Froschkonzerten. Die Einleitung gestaltet Philipp Staufer, Amt für Umwelt Kanton Solothurn. Er erklärt später den Entwässerungsplatz, auf dem 8 Filtersäcke von der Grösse von 50 mal 20 Metern und einer Höhe von 1,8 Metern platziert werden. Pro Filtersack werden am Ende etwa 1000 Kubikmeter entwässertes Material bleiben. Der Platz mit einem empfindlichen Boden (Moorgebiet) wird mit einer Membran abgedeckt, damit das Wasser in Richtung See ablaufen kann und nicht im Boden versickert.

Vorbereitungsarbeiten

«In der Vergangenheit bohren»

Bevor die lärmintensiven Arbeiten im Oktober starten, sind diverse Vorarbeiten angesagt. Gegen Ende Juni werden die Teichmuscheln in dem Gebiet, wo Sediment abgesaugt wird, umgesiedelt. Anfang August werden die Teichrosen auf einer Breite von 20 Metern gemäht, damit der Saugbagger manövrieren kann. Danach folgen Echolotaufnahmen, um den Grund zu vermessen. Die Aufnahmen werden nach den Arbeiten zu Kontrollzwecken wiederholt. Auch die Archäologen werden einen Tauchgang machen und den vorgesehenen Streifen rund um den See absuchen. Und das Amt für Umwelt will noch vor Oktober in 25 Sektoren Proben entnehmen, um den Gehalt an Schadstoffen (Schwermetall) zu eruieren. Davon hänge letztlich auch die vorgesehene Nutzung für die Landwirtschaft ab. «Wir gehen heute davon aus, dass wir keine Probe mit erhöhtem Schadstoffgehalt finden werden. Aber wir haben bisher nur vereinzelt Proben genommen. Weil man in der Vergangenheit bohrt, weiss man nicht, was kommt», sagt Lukas Egloff. Anfangs Oktober werden noch die Wurzeln der Teichrosen entfernt, die bis armdick sein können. «Die können nicht gleichzeitig mit dem Absaugen entnommen werden, das würde zu Verstopfungen führen.» (uby)

«Es ist klar, für die Natur wird es ein starker Eingriff werden», sagt Markus Zeh. Als Beispiel sei das Mähen der See- und Teichrosen erwähnt, welche ziemlich genau in dem Bereich blühen, wo mit dem Saugbagger Sediment abgetragen werden soll. Die Pflanzen sind geschützt. Als Wiedergutmachung werden auf einer Parzelle in der sogenannten Seehostet, die dem Kanton gehört, Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen ausgeführt. In der Nordecke der Parzelle werden Vernässungsflächen und Feuchtmulden realisiert. In diesem Bereich steht bereits heute häufig das Wasser. Die landwirtschaftliche Nutzung der umliegenden Grundstücke darf mit dieser Massnahme aber nicht beeinträchtigt werden. Zusätzlich wird auf der Parzelle eine Hecke angepflanzt.

Dennoch sind sich die verantwortlichen einig, dass der See sich wieder erholen wird. Dazu beitragen sollen Schongebiete, die ausgeschieden werden und die nicht nur die archäologischen Fundstellen schützen, sondern auch als Rückzugsgebiete für die Tiere dienen sollen.

Hypothek der Vorvorväter

Die Hoffnung ist gross, dass die Sedimententnahme in einer Etappe ab Oktober bis März 2019 durchgeführt werden kann. Das sei aber abhängig von den Temperaturen im kommenden Winter, sagt Lukas Egloff. Der Zeitraum wurde gewählt, um Flora und Fauna am See weniger zu belasten. Das Sediment wird beim Absaugen mit Wasser vermischt, um es in der Leitung pumpen zu können, sodass der Materialanteil noch etwa 2 Prozent beträgt. In Leitungen wird das Gemisch in die Filtersäcke zum nahen Entwässerungsplatz transportiert.

Das Wasser fliesst ab und wird wieder zurück in den See geleitet. Übrig bleiben in den Säcken (Geotubes) letztlich etwa 8000 Kubikmeter Material. Schätzungen aufgrund von Probeentnahmen gehen davon aus, dass 50 Tonnen Stickstoff, 10 Tonnen Phosphor, 3 Tonnen Kalium und 9 Tonnen Magnesium in diesem Material enthalten sind, mit dem die Landwirte wiederum ihre Felder düngen können.

Ein zweites Mal sind doch diese Sedimentbildungen auch eine Folge der landwirtschaftlichen Produktion über Generationen in der Umgebung des Sees. «Die Hypothek der Vorvorväter, die noch anders Landwirtschaft betrieben haben», beschreibt es Philipp Staufer.