Langendorf
Sanierung der Grünernstrasse sei organisatorisch und finanziell ein Fiasko

Das Projekt Grünernstrasse wurde mit drei Bauleitern vorangetrieben. Man erhoffte sich eine positive Synergie, jedoch endete die Zusammenarbeit in einem Misserfolg.

Patric Schild
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Gemäss der Beurteilung der Elektrakommission ist das Projekt in Bezug auf Planung, Projektführung und insbesondere der Kosten ein einziger Misserfolg.

Gemäss der Beurteilung der Elektrakommission ist das Projekt in Bezug auf Planung, Projektführung und insbesondere der Kosten ein einziger Misserfolg.

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Die Sanierung der Grünernstrasse in Langendorf ist in den Bereichen Strom, öffentliche Beleuchtung und Strassen von der Unternehmerfirma ausgeführt worden, welche die Gemeinde damit beauftragte. Die Bürgergemeinde und die GAW, die ebenfalls beteiligt waren, haben jeweils auch eine Person zum Projekt beigesteuert. Somit wurde das Projekt Grünenstrasse mit drei Bauleitern durchgezogen. Durch die Zusammenarbeit sollten sich Synergien für alle Bauherren ergeben. Was ein Fehler war, wie Elektrakommissionspräsident Daniel Odermatt nachträglich einräumt.

Denn gemäss der Beurteilung der Elektrakommission ist das Projekt in Bezug auf Planung, Projektführung und insbesondere der Kosten ein einziger Misserfolg. Die von der Gemeinde beauftragte Firma wurde den Erwartungen sowie der Aufgabenstellung nicht gerecht. «Was man im Nachhinein sagen kann, ist, dass die Bauführung masslos überfordert war», erklärt Elektrakommissionspräsident Odermatt. So musste etwa der Bauführer der Firma aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand treten. Sein Nachfolger sei ins kalte Wasser geworfen worden und habe firmenintern relativ wenig Support erhalten.

Die Fehler hätten am Ende nicht nur zu einem unüberschaubaren Chaos in der Bauführung, sondern auch in der Kostenberechnung geführt, das Kommissionspräsident Odermatt zu ordnen versuchte.

Nochmals gerechnet

Eine erste Zusammenstellung der Kosten hat die Elektrakommission erst nach mehrmaligen Aufforderungen im Oktober 2018 erhalten – ein halbes Jahr nach Abschluss der Bauarbeiten. Darin wurden der Gemeinde Mehrkosten von 191 000 Franken berechnet. «Da sie bei vielen Kosten nicht wussten wohin, haben sie diese einfach der Gemeinde zugeteilt», so Odermatt. Seit nunmehr einem Jahr werde an der Zusammenstellung der Kosten und der Mehrkostenfinanzierung gearbeitet. So habe es nach der ersten Kostenzusammenstellung noch 13 weitere Versionen gebraucht.

Nach unzähligen Sitzungen mit der beauftragten Firma und den Unternehmen wurden nachträglich die Mehrkosten eruiert und den Verursachern zugewiesen. Ein Teil der Kosten konnten somit zulasten der Unternehmer zurückgewiesen oder anderen Verursachern zugewiesen werden. Odermatt gab aber ebenfalls zu bedenken, dass auch vonseiten der Bauherrschaft Mehrkosten entstanden sind. Etwa durch den Entscheid, das deutlich günstigere Ofenschlackenmaterial nicht mehr weiterzuverwenden und stattdessen auf herkömmliches Auffüllmaterial zurückzugreifen. Dies sei aber eine Entscheidung, hinter der er nach wie vor stehen könne. Für die Gemeinde bleiben letzten Endes Kosten- und somit Budgetüberschreitungen von rund 69 000 Franken.

«Vertrauen missbraucht»

Der Gemeinderat akzeptierte wohl oder übel die Nachtragskredite. Nicht zuletzt, damit der Gemeindeverwalter und der Elektrakommissionspräsident mit der Sache abschliessen können. Aber auch, um jene Unternehmen, welche die effektive Arbeit getätigt haben, endlich auszahlen zu können.

Dennoch fanden die Ratsmitglieder deutliche Worte für die ganze Misere. Denn zwischen der Firma und der Gemeinde kam es in der Vergangenheit bereits öfters zu Unstimmigkeiten. Ivan Flury (SP) hofft daher, dass man sich nun endlich Gedanken über die künftige Zusammenarbeit mache. Gisela Schultis (SP) sagte, dass das Vertrauen «massiv missbraucht» worden sei und auch Barbara Obrecht-Steiner (FDP) ist der Auffassung, dass mittlerweile zu viel Geschirr zerschlagen wurde. Gemeindepräsident Hans-Peter Berger beantragte, dass die Elektrakommission die bestehenden Verträge mit der Firma präsentieren müsse, damit eine Lösung aus der Situation gefunden werden könne. Ausserdem sollen die noch unbezahlten Schlussrechnungen an die Firma in Höhe von 32 000 Franken zurückgehalten werde und nochmals das Gespräch mit der Firma gesucht werden. Der Rat unterstützte den Antrag einstimmig.