Die blaue Fassade im Kontrast zum Betongrau der zwei Anbauten fällt auf. Die Fassade gehört zum sanierten Wohnheim für Erwachsene mit mehrfachen Beeinträchtigungen im Blumenhaus. Erst vor kurzem, im Sommer 2016, wurde das neue Wohnheim für Erwachsene mit der sehenswerten Fassade aus Tonziegeln eingeweiht. Darauf konnte der Neubau von den Bewohnern des alten Wohnheims bezogen werden. Das leerstehende alte Wohnheim war damit bereit für die geplante Sanierung. Und schon heute kann das sanierte Gebäude besichtigt werden.

Das in den frühen 70er-Jahren gebaute, ursprünglich als Personalhaus gedachte Gebäude, wurde im Laufe der Zeit verschieden genutzt. Künftig wird es zwei Wohngruppen mit je sieben Bewohnern beherbergen. Auf dem Gelände der Institution Blumenhaus Kyburg-Buchegg sind aber noch weitere Bauten aus dieser Zeit, die in den kommenden Jahren saniert werden müssen. «Als Nächstes werden die Gebäude der Kinderwohngruppen an der Reihe sein, danach das Betriebsgebäude», erklärt die Institutionsleiterin ad interim Katja Rothenbühler.

Spezielle Bedürfnisse

Von einem sanierten Wohngebäude kann aber fast nicht die Rede sein. Der Besucher hat das Gefühl, er betritt einen modernen Neubau, der allen Anforderungen entspricht, die ein Bau für Erwachsene mit Beeinträchtigungen haben muss. Damit die Anforderungen und manchmal auch etwas mehr erfüllt wird, dafür sorgte eine Baugruppe und insbesondere Martin Rubin, Leiter Wohnheim.

Er kennt die speziellen Bedürfnisse der künftigen Bewohner bestens und konnte entsprechende Hinweise bei der Sanierung geben. «Hallo Martin», wird er freundlich von einer Bewohnerin im Atelier im Kellergeschoss begrüsst, die dort mit der Gruppe das Znüni zubereitet. Die Ateliers dienen der Tagesstruktur der Bewohnerinnen und Bewohner und sind ebenerdig mit der Umgebung verbunden. Grosse Fenster sorgen für Licht in den Räumen, die auch schon früher als Ateliers benutzt wurden.

Im Parterre und im Obergeschoss vermitteln die mit einem warmen Orange bemalten Wände eine angenehme Wohnatmosphäre. Lichtbänder erhellen die Räume. Die tiefer gesetzte Decke versteckt technische Einrichtungen. Die Türen wurden verbreitert und damit rollstuhlgängiger gemacht. Modernste Einrichtung prägt das Bad.

Einzelzimmer an Einzelzimmer reihen sich im Gang aneinander. Manche sind miteinander verbunden und ermöglichen unterschiedliche Lebensformen. Eine offene Küche und ein heller Wohnraum dürfte der Mittelpunkt der jeweiligen Wohngruppe werden. Ein Anbau beherbergt den Lift und dient als Eingangstor ins Gebäude. Der zweite Anbau erweitert das Parterre und einen Balkon im Obergeschoss.

Institutionsleiterin ad interim Katja Rothenbühler und Martin Rubin, Leiter Wohnheim

Institutionsleiterin ad interim Katja Rothenbühler und Martin Rubin, Leiter Wohnheim

Stärkere Durchmischung

Noch sind nicht alle Zimmer besetzt, aber einige Leute sind bereits eingezogen. «Darunter ist beispielsweise eine Person, die noch nie im Blumenhaus war. Oder ein Schüler, der 18 Jahre alt geworden ist und in eine Wohngruppe wechselt», zählt Katja Rothenbühler auf. Mit der Sanierung und Erweiterung des alten Wohnheimes bietet das Blumenhaus künftig Wohnraum für 43 Erwachsene. Bis 2016 waren es 20 Plätze.

Zwei Zimmer werden für Notfälle oder andere Angebote reserviert. Die sanft vollzogene aber umfassende Renovation kostete nicht ganz 3,5 Millionen Franken. Spenden konnten gegen 750'000 Franken verbucht werden. Das restliche Geld ist Fremdkapital. Dennoch sind laut Martin Rubin auch bereits weitere, zweckgebundene Spenden vorhanden, die beispielsweise für Material oder die Inneneinrichtung verwendet werden können.

Der Rundgang endet im ebenerdigen Aussenbereich der Ateliers. Dort sorgt ein neu konzipierter Aufenthaltsbereich für eine stärkere Durchmischung der Bewohner im Blumenhaus, denn der Aussenbereich ist auch ein Pausenplatz, der nun von den Schülerinnen und Schülern genutzt werden kann. «Mit dem 2016 eingeweihten Neubau haben die verschiedenen Bereiche des Blumenhauses mehr Nähe zueinandergefunden. Alles ist zugänglicher geworden», findet Katja Rothenbühler.

Das ursprüngliche Blumenhaus war ein altes Bauernhaus, das inzwischen dem Neubau gewichen ist. Auf dem Gelände sind seit 1942, als Gründerin Elly Dora Geigenmüller die ersten Kinder aufnahm, mehrere Bauten dazugekommen. «Eigentlich ist alles aus dem Bedarf heraus gewachsen. Für mich erhält das Ganze mehr und mehr einen Dörfli-Charakter.»

Heute Samstag, 28. April, Blumenhaus, Kyburg-Buchegg, Tag der Offenen Tür im Wohnheim 1, 10 bis 16 Uhr. In den sanierten Räumlichkeiten findet zudem eine Bilderausstellung mit Werken von drei Bewohnerinnen statt.