Zuchwil
Sanieren oder schliessen? Jetzt geht es um die Existenz des Freibads

Sanieren oder schliessen, etwas anderes kommt beim Freibad in Zuchwil nicht infrage, denn die über 40-jährige Anlage ist marode geworden. Am 26. November entscheiden die Zuchwiler an der Urne.

Christof Ramser
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Die Badi in Zuchwil muss entweder saniert oder geschlossen werden.

Die Badi in Zuchwil muss entweder saniert oder geschlossen werden.

Hanspeter Bärtschi

Von seinem Podest aus hatte Urs Jäggi gut im Blick, wie sich die Pisoni-Turnhalle Schritt für Schritt füllte. Etwas angespannt wirkte der Direktor des Sportzentrums Zuchwil vor der Vorentscheidung schon. Schliesslich ging es um das Fortbestehen des Freibades. Sanieren oder schliessen, etwas anderes nämlich kommt nicht infrage. Doch als Jäggi sah, wer durch die Tür in den Gemeindeversammlungssaal trat, entspannte sich seine Miene. «Da kommt wieder ein Befürworter herein», kommentierte er.

Auch der neue Verwaltungsratspräsident des Sportzentrums, Manfred Tschui, gab sich optimistisch. Keine Gegnerschaft weit und breit hatte er im Vorfeld ausgemacht. Nun, ganz ohne Widerspruch ging die Badi-Erneuerung am Montagabend zwar nicht über die Bühne. Doch der gute Mut der Sportzentrums-Spitze sollte nicht umsonst gewesen sein.

Badi vergammelt

Bereits im Gemeinderat war das Sanierungsprojekt zuvor mit 8 gegen 2 Stimmen glatt durchgegangen. Die über 40-jährige Anlage ist marode geworden. Aus den undichten Schwimmbecken und den Leitungen rinnt das Wasser hektoliterweise ab, Besucher beklagen sich wegen des rissigen Betons über aufgeschürfte Füsse, die Technik ist veraltet. Die Zuchler Badi gammelt längst vor sich hin.

Gemeindepräsident Stefan Hug (SP) setzte zu einem Werbespot für das Sanierungsprojekt an. Das Schwimmbecken soll auf 50 Meter verlängert und die Sprunganlage davon abgetrennt werden. Dank einer Chromstahlauskleidung werde der Aufenthalt im Wasser komfortabler. Hinzukommen soll eine originelle Rutschbahn, damit das sommerliche Familienbad noch attraktiver wird.

Das schlagende Argument für die Sanierung aber ist der geplante Winterbetrieb. Dank einer Traglufthalle, die von Mitte September bis Anfang Mai über das Bassin gespannt wird, sollen zusätzlich Breiten- und Leistungssportler angezogen werden. Weil es zwischen Zürich und der Waadt noch kein 50-Meter-Hallenbad gibt, unterstützt sogar der Regierungsrat das «herausragende» Projekt. «Das ist einzigartig», so Hug. Und räumte im nächsten Moment ein, «dass wir eigentlich kein Geld dafür haben».

Doch eine Schliessung oder Verkleinerung werde kaum eine Mehrheit finden. Man müsse sich also verschulden. 10 Millionen kostet die Aufmöblierung, dank Beiträgen von Kanton und Gemeinden bleiben an Zuchwil 8 Millionen hängen. Immerhin könnte der Betrieb kostenneutral geführt werden.

Eine Energieschleuder?

Noch immer gab sich Urs Jäggi unverzagt. «Das Sportzentrum wird in der weiteren Umgebung positiv betrachtet», sagte er. Dank dem Kunstrasen werde die Anlage bald zum «weit strahlenden Leuchtturm». Eine Schliessung wäre «verheerend». Ein schöner Sommer ohne Freibad? Ein solches Szenario wolle sich in Zuchwil doch kaum jemand ausmalen.

Ein paar gehörige Stimmen gegen das Sanierungsprojekt gab es dann doch. Hugo Ziegler sorgte sich um die kommenden Generationen, die jährlich mit mehreren Hunderttausend Franken belastet würden. «Das will ich meinen Nachkommen nicht zumuten.» In seinen Augen würde ein kleineres und billigeres Bad für Zuchwil völlig ausreichen. Der Stadt Solothurn warf er vor, sich durch den Zustupf von 450'000 Franken an den Winterbetrieb gar günstig davonzustehlen. Ziegler wollte das Geschäft an den Gemeinderat zurückweisen, um ein günstigeres Sanierungsprojekt auszuarbeiten.

So würde eine Traglufthalle über dem Schwimmbecken in Zuchwil aussehen.

So würde eine Traglufthalle über dem Schwimmbecken in Zuchwil aussehen.

zvg

Benno Barbisch meldete finanzielle Sorgen, aber insbesondere Umweltbedenken an. Insbesondere sei die Traglufthalle bei 28 Grad Innentemperatur in der kalten Jahreszeit eine regelrechte Energieschleuder. Er rechnete vor, dass der Betrieb Energie für 63 Einfamilienhäuser oder 130 Wohnungen in die Winterluft herausblase.

Bauverwalter Peter Baumann machte eine andere Rechnung und sieht den Energieverbrauch tiefer. Silvio Auderset schliesslich fand, dass es keine Gemeindeaufgabe sei, ein Sportzentrum dieser Grösse zu betreiben. Doch den Wunsch der SVP, dieses «Klumpenrisiko» durch Verkauf loszuwerden, hatte der Gemeinderat bereits früher abgeschlagen.

Nun an die Urne

Schliesslich meldeten sich auch Befürworter zu Wort. Patrick Marti rief allen Kritikern einer zu teuren und undurchsichtigen Vorlage in Erinnerung, dass die Gemeinderatssitzungen öffentlich seien und man nicht so tun könne, als würde man nun von den hohen Kosten überrascht. Er stellte ausserdem die Grundsatzfrage: «Wollen wir die Zukunft des Freibades sichern oder nicht? Einzig darum geht es.»

Zudem müssten auch bei einer Schliessung Abschreibungen gemacht werden, weil das Sportzentrum dann an Wert verlieren würde. Walter Kämpf stimmte ein und ergänzte, dass das Sportzentrum erst recht ein Defizit einfahre, würde das Bassin nicht saniert.

Nun, die Gegner nahmen zwar mehr Redezeit in Anspruch, waren aber offenbar nicht überzeugender. Mit grosser Mehrheit traten die 121 Stimmberechtigten auf die Sanierungsvorlage ein. Damit kommt es am 6. oder 7. November zu einem Informationsanlass und am 26. November zu einer Urnenabstimmung. Dann geht es für Sportzentrums-Direktor Urs Jäggi ums Ganze.