Kyburg-Buchegg
Rüstige 84-Jährige bewirten Gäste bei sich zu Hause

Klara und Hans Allemann betreiben in Kyburg-Buchegg ein «Bed & Breakfast»-Angebot. Die beiden 84-Jährigen freuen sich sehr, dass es ihre Gesundheit zulässt, Gäste zu bewirten.

Agnes Portmann-Leupi
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Klara und Hans Allemann betreiben ein «Bed & Breakfast» Kyburg Buchegg.

Klara und Hans Allemann betreiben ein «Bed & Breakfast» Kyburg Buchegg.

Agnes Portmann-Leupi

In der heimeligen Stube im Stöckli wärmt das brennende Holz des Cheminéefeuers. Duftendes Weihnachtsgebäck und Kaffee vervollkommnen das Ambiente. In ihr Stöckli hinter dem Bauernhof an der
Talstrasse haben sich Klara und Hans Allemann-Lehmann im Jahr 1998 zurückgezogen.

Doch, von zurückgezogen im eigentlichen Sinn kann keine Rede sein. Seit 16 Jahren bieten die rüstigen 84-Jährigen, die kürzlich ihre diamantene Hochzeit gefeiert haben, mit zwei Doppelzimmern «Bed & Breakfast» an. «Der Kontakt mit unseren Gästen bringt uns viel», bemerkt Hans Allemann. «Wir sind glücklich, dass uns die Gesundheit all das noch ermöglicht», doppelt Klara Allemann nach. Viele Eintragungen und Zeichnungen im dicken Gästebuch zeugen von zufriedenen Gästen. Ruhe, Stille und Gastfreundschaft sind Wörter, die sich darin häufen. «Das Willkommen ist wie ein Ankommen zu Hause», schreibt etwa eine Frau. Diese Feststellungen verwundern nicht, denn das Ehepaar strahlt eine bemerkenswerte Zufriedenheit aus.

Garten mit Alpenpanorama

Mehrheitlich kommen die Gäste aus Deutschland, ab und zu auch aus Dänemark, Holland, Belgien, Österreich, Frankreich oder aus der Slowakei. Meistens sind es Buchungen für ein bis zwei Nächte, gelegentlich auch für eine längere Zeit. Schlechte Erfahrungen kennen die Allemanns nicht, nur einmal habe ein Mann die Rechnung nicht beglichen. Herzliche Bekanntschaften machten sie bereits, als sie auf dem ehemaligen Landwirtschaftsbetrieb während zehn Jahren Ferien auf dem Bauernhof anboten. Mit etlichen Gästen verbindet Klara und Hans Allemann eine Freundschaft. Oft statten sie Gegenbesuche ab. So auch dem Hotelbesitzer aus dem Südschwarzwald, den sie während der HESO beherbergten. Die Gäste vermitteln ihnen der Tourismusverband Solothurn, aber auch Privatleute aus dem Bucheggberg.

Das Morgenessen geniessen die «Bed & Breakfast»-Benutzerinnen und -Benutzer am grossen Tisch in der Stube. Dieser wird aber nicht nur von den Gästen bevölkert. An den Festtagen füllen die drei Töchter mit ihren Familien die Stube, gehören doch mittlerweile sieben Grosskinder und der zweijährige Urgrossenkel dazu. Wenn es das Wetter erlaubt, kommt die Veranda, von einem Rebstock umrankt, oder das Gartenhaus zum Zug. Ein Brunnen mit eigenem Quellwasser plätschert daneben. «Gäste haben auch schon Wasser mit nach Hause genommen», sagt Hans Allemann. Der grosse Garten liefert noch heute das erwünschte Gemüse. Dahinter weiden Lamas, Esel und das Pferd der Nachbarsfamilie. Idylle pur, denn obendrein verzaubert bei schönem Wetter ein einzigartiges Alpenpanorama.

40 Jahre Milchwirtschaft

Der alte Bundessack, eine Kornwanne, eine hölzerne Heugabel und ein Pflug im Gartenhaus zeugen vom früheren Leben des bestandenen Ehepaars. 70 Jahre betrieben die Familien Allemann den Bauernhof in Pacht an der Talstrasse 14, ganze 40 Jahre Hans und Klara Allemann. Er ist hier geboren, sie ist im Muttenhof in Bellach aufgewachsen. Fein säuberlich hat Hans Allemann den Bericht der Solothurner Zeitung vom 21. Dezember 1995 aufbewahrt.

Er zeigt Klara Allemann, wie sie das letzte Mal mit Pferd Starlet und dem Milchwägelchen die Milch in die Käserei Buchegg brachte. Gemeindebehörde und weitere Personen hätten sie vor der Käserei überrascht. «Damals existierten noch sechs Bauernbetriebe mit Milchwirtschaft, heute ist es gerade noch ein Betrieb», bedauert Hans Allemann. Die Glocken, die einstmals die eigenen Milchkühe getragen haben, hängen als Erinnerung vor dem Stöckli.